Trennungsbewältigung

Hilft ein Coaching, um den/die Ex vergessen zu können?

Mittwoch, 8. Dezember 2021, geschrieben von .

Hilft ein Coaching, um den/die Ex vergessen zu können?

Wie kann man sich nach einer intensiven Beziehung im Guten trennen? Scheinbar manchmal gar nicht, wenn der oder die Ex-PartnerIn für klärende Gespräche gar nicht mehr zur Verfügung steht. Um mit sich selbst allerdings ins Reine zu kommen, besonders wenn man als Verlassene oder Verlassener schwer an seinen Gefühlen zu tragen hat, bietet ein sogenanntes Conscious™-Uncoupling-Coaching Hilfe an. Eine der wenigen Coaches in Deutschland, die damit arbeiten, ist die Hamburger Paartherapeutin Dorothea Behrmann. Wir haben sie für ein Gespräch getroffen.

Interview mit Dorothea Behrmann

Hallo Frau Behrmann, Conscious Uncoupling ins Deutsche übertragen, könnte man auch als „bewusstes Entkuppeln“ oder schlicht als Entpaarung verstehen. Nimmt sich Ihr Ansatz den oft geäußerten Wunsch zum Ziel, dass sich Trennende am Ende Freunde bleiben?

Nein. Es geht vielmehr darum, die Beziehung friedlich und wohlwollend zu beenden, darüber hinaus sich selbst und dem anderen verzeihen zu können. Damit man wieder wirklich frei wird und in die Zukunft schauen kann. Jeder, der sich von einem wichtigen Menschen trennt, ob es gemeinsame Kinder gibt oder nicht, sollte das machen.

In der (Online)praxis sitzt nur 1 Partner, nicht beide zusammen. Wieso?

Zunächst habe ich meine Praxis seit der Corona-Pandemie auf 100% Online umgestellt. Das hat viele Vorteile: zum Beispiel kann ich so Menschen aus ganz Deutschland helfen und Kinder müssen in der Coaching-Stunde nicht woanders untergebracht werden. Zum inhaltlichen Aspekt: Auf dem Tisch liegt 1 Trennung – es gibt aber 2 Geschichten. Nur selten ergeben sich von Anfang an rein einvernehmliche Trennungen á la „Schatz, es ist Zeit, dass wir uns trennen“ – „Stimmt – Recht hast du!“ Meist möchte nur einer gehen, und nicht beiden geht es damit gleich gut. In meinen Sitzungen begrüße ich oft die, die verlassen wurden. Conscious Uncoupling ist eher auf diese Partei zugeschnitten. Gleichwohl bekomme ich Anrufe der Partner, die den anderen verlassen haben und etwas für ihn oder sie tun möchten.

Wie geht denn eine Entpaarung nach Ihrer Methode vonstatten?

Conscious Uncoupling kennt prinzipiell fünf Schritte. Im ersten lernt man vor allem den Umgang mit negativen Gefühlen. Wir überlegen gemeinsam: Gibt es etwas, das ich machen kann, um diese Gefühle nicht so stark spüren zu müssen? Wie kann ich mich beruhigen, was brauche ich? Wut, Trauer oder Hilflosigkeit zu verdrängen ist hier nicht das Ziel, sondern sie sogar erlebbar zu machen und zu spüren: Was fühlst du, und was fühlst du noch? Nennt man Gefühle beim Namen, empfindet man sie sofort als nicht mehr ganz so deutlich. Im zweiten Schritt geht es darum, die Opferrolle loszuwerden. Diese rührt vom Narrativ her, dass wir uns und anderen erzählen, wie schlimm der oder die Ex doch gewesen ist. Aber dadurch rennt man irgendwann sinnbildlich mit dem Kopf gegen die Wand. Daher stelle ich die Frage: Lässt sich die Geschichte auf eine sachlichere Ebene herunterbringen, rein auf die Fakten konzentriert? Und, ganz wichtig: Was ist mein Anteil am Ganzen, ohne Schuldzuweisungen? Wer das zusammen mit der Therapeutin erkennt, kommt voran.

Es scheint dann zunächst rein um sich selbst zu gehen, ohne zu sehr auf den anderen zu schauen.

Das ist richtig. In den ersten drei Schritten geht es ausschließlich um den/die KlientIn. Seine oder ihre Gefühle, erkennbare Verhaltensmuster und eigene Ansichten, die man vielleicht aus der Kindheit mit in die Partnerschaft gebracht hat. Die Erkenntnisse daraus helfen einem enorm für das Führen zukünftiger Beziehungen, die irgendwann kommen. Der oder die Ex-PartnerIn tritt thematisch erst in den letzten beiden Schritten hinzu. Da findet dann ein Perspektivwechsel statt; Sie versetzen sich in seine Lage. Ausgehend von Fragen wie: Wie ergeht es ihm oder ihr wohl gerade? Was lässt sich aus der gemeinsamen Beziehung an Gutem mitnehmen, was hat man durch den anderen gelernt? Und, welche Vereinbarungen aus der Beziehung überdauern diese ggf. noch, z.B. falls man eine gemeinsame Elternschaft verantwortet.

Das, was danach abschließend kommt, finden wir auch sehr interessant. Die Verabschiedung…

(lächelt) Das kommt für viele überraschend, trägt aber enorm zur Befreiung bei. Es handelt sich dabei um ein Ritual der Verabschiedung. Sie sprechen dabei dem anderen Dank aus, für alles Gute aus der Beziehung. Wie Sie das konkret gestalten, ist an keine Vorgabe gebunden. Ich erinnere mich an eine Frau, die Botschaften an ihren Ex-Partner auf kleine Papierschiffchen notiert hat und diese dann hat schwimmen lassen. Das kann sehr heilsam sein.

Genügen sechs Wochen tatsächlich, um sich von einer vielleicht 20 Jahre andauernden Beziehung zu lösen?

Es ist möglich, dass manche KlientInnen für einen Schritt etwas mehr Zeit brauchen, die anderen auch weniger. Man kann dann gemeinsam eine Pause vereinbaren. Meistens wird diese einerseits nötig, wenn es darum geht, dem anderen wirklich zu verzeihen. Zum anderen gibt es öfter noch den Wunsch nach einer Unterbrechung am Schluss - der Abschied schmerzt noch einmal. Meistens reichen die sechs Wochen jedoch. Bedenken muss man dabei aber, dass viele, die kommen, auch schon „vorgearbeitet“ haben – zum Beispiel mit jemandem darüber gesprochen haben. Und eines bemerke ich oft: wer sich ernsthaft mit der Trennung auseinandersetzt, hat die Rolle des Opfers schon ein Stück weit abgelegt und ist bereit, mit mir die abschließende Reise aus dem Tal zurückzulegen.

Webseite, Social Media und Fernsehbeiträge von Dorothea Behrmann

Dorothea Behrmann ist ausgebildete Gestalt- und Paartherapeutin und arbeitet als Coach von Hamburg aus bundesweit und online. Sie ist auf Conscious Uncoupling spezialisiert, ein Programm für friedliche Trennungen.

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