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Pro­ble­me in ei­ner Wo­chen­end­be­zie­hung

Bild: Probleme in einer Wochenendbeziehung

Macht eine Wochenendbeziehung Sinn?

Auch Ihre Beziehung lebt davon, dass Sie Ihren Ehepartner regelmäßig sehen. In einer Wochenendbeziehung ist dies natürlich schwierig. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt, dass 12,8 % aller ehelichen Beziehungen Wochenendbeziehungen sind. Mit der richtigen Einstellung und der Akzeptanz der Gegebenheiten sollte es aber möglich sein, Probleme in der Wochenendbeziehung zu vermeiden oder Probleme zu lösen. Sprechen wir darüber, welche Probleme eine Rolle spielen und wie Sie damit umgehen.

Kur­ze Zu­sam­men­fas­sung

  • Wochenendbeziehungen werden meist der Realität des Berufes geschuldet. Paare müssen diese Gegebenheiten akzeptieren und auf dieser Prämisse ihre Beziehung aufbauen.
  • Oberflächliche Kommunikation gefährdet jede Beziehung. Gerade, weil der Partner in der Fremde lebt, gilt es, den anderen am eigenen Leben teilhaben zu lassen.
  • Wer definiert, was in der Beziehung wichtig ist, vermeidet, dass die Partner aneinander vorbei leben und in der Perspektive in einer völlig eigenen Welt leben.

Prak­ti­sche Tipps für Sie

Tipp 1: Beschränken Sie Ihre Kommunikation nicht auf leere Worte
Nutzen Sie die modernen Kommunikationsmöglichkeiten und tauschen sich offen, ehrlich und mitfühlsam aus.

Tipp 2: Besuchen Sie den Partner vor Ort
Nutzen Sie den Aufenthalt des Partners vor Ort und leben Sie Ihre Beziehung so, als würden Sie sich immer wieder neu kennenlernen.

Tipp 3: Gestalten Sie Ihre Wochenendbeziehung konstruktiv
Ihre Wochenendbeziehung lebt sich leichter, wenn Sie Rituale leben und sich als Partner verstehen.

Wie lan­ge geht das gut?

Eine Wochenendbeziehung hat Gründe. Meist erfordert der Beruf oder der Arbeitsplatz, dass der Partner die Wochentage außer Haus verbringt und auch die Nächte nicht zu Hause ist. Eine gute Beziehung sollte jedenfalls damit zurechtkommen. Eigentlich bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig, als die Gegebenheiten so zu akzeptieren, wie sie nun einmal sind.

Wenn Sie sich vorstellen, dass die Alternative vielleicht darin besteht, dass der Partner einen schlechter bezahlten oder weniger attraktiven Arbeitsplatz hat oder gar erwerbslos ist, werden Sie die Situation guten Gewissens akzeptieren können. Bestenfalls ist diese Art der Beziehung nicht auf Dauer angelegt. Vielleicht bemüht sich der Partner auch, einen Arbeitsplatz in der Nähe Ihrer Wohnung zu finden, so dass sich das Problem der Wochenendbeziehung erledigt.

Wunschdenken hilft aber nicht, wenn die Realität Ihre Lebensverhältnisse bestimmt. Sie müssen also andere Wege gehen.

Was be­stimmt Ih­re Be­zie­hung?

Eine Beziehung ist mehr als der Austausch von Worten. Partner dürfen die gegenseitige Zuneigung, eine vertrauensvolle Kommunikation, Geborgenheit, Intimität, erfüllende Sexualität und das Vertrauen erwarten, dass der andere die eheliche Lebensgemeinschaft ernst nimmt und alles tut, um die Partnerschaft mit Leben zu erfüllen.

Kommt einer dieser Faktoren zu kurz, könnten sich daraus Probleme entwickeln. Sie riskieren, dass sich ein Partner insgeheim zurückzieht, den Rückzug durch Traurigkeit, Wutausbrüche und aggressives Verhalten zum Ausdruck bringt und sich in letzter Konsequenz aus der ehelichen Gemeinschaft löst. Dieser Prozess verläuft bescheinigt schleichend. Sie merken das Ergebnis wahrscheinlich erst, wenn es zu spät ist.

Je­der hat sei­nen ei­ge­nen Le­bens­all­tag

Sehen Sie sich nur am Wochenende, sollten Sie sich nicht wie Fremde gegenüberstehen. Sie müssen erkennen, dass Sie aus verschiedenen Lebensalltagen kommen und in der Wochenendbeziehung Ihre daraus resultierenden Gefühle und Bedürfnisse aufeinander abstimmen müssen. Interessieren Sie sich also ehrlich dafür, was der Partner die Woche erlebt hat. Hören Sie zu. Stellen Sie nicht Ihre eigenen Erlebnisse in den Vordergrund. Respektieren Sie auch, wenn der Partner sich nach Ruhe sehnt und vielleicht nicht die Kraft und Energie hat, sich mit Ihnen so auszutauschen, wie Sie es wünschen.

Sie müssen auch damit zurechtkommen, dass der Partner, der sonntags die eheliche Wohnung wieder verlässt, die kommende Woche organisatorisch und logistisch plant und das Gefühl, gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen, zu kurz kommt. Sie können dagegen nur angehen, wenn Sie Freiräume absprechen und diese bewusst gestalten.

Durch die Wochenendbeziehung beschränken sich Ihre Gemeinsamkeiten auf einen überschaubaren Zeitraum. Die gemeinsame Zeit ist knapp bemessen, wenn der Partner erst einmal wieder zu Hause „ankommen“ muss. Hat sich die erste Euphorie des Wiedersehens gelegt, beschränkt sich die gemeinsame Zeit auf den Samstag und den halben Sonntag. Danach ist der Partner gedanklich bereits mit der Abreise beschäftigt.

Droht bei ei­ner Wo­chen­end­be­zie­hung die Ent­frem­dung?

Die Vertrautheit in der Beziehung zum Partner beruht darauf, dass die Partner beständig Umgang miteinander und körperlichen Kontakt haben, sich akustisch und optisch austauschen, bei Bedarf kommunizieren und jeder am Leben des anderen teilhat. Auch bei der Wochenendbeziehung bleibt die Teilhabe am Lebensalltag des Partners möglich. Es ist Ihre Aufgabe, Wege zu finden, wie Sie sich austauschen und den Kontakt so gestalten, dass Sie das Gefühl haben, der Partner oder die Partnerin ist auch in der Distanz Teil Ihres Lebens.

Je mehr Sie in Kontakt miteinander stehen, desto weniger droht die Entfremdung. Voraussetzung ist, dass jeder Partner ein ernsthaftes Interesse daran hat, sich auszutauschen und den Partner oder die Partnerin an seinem Lebensalltag teilhaben zu lassen. Je offener Sie miteinander kommunizieren und je weniger Sie sich verschließen und aus Ihrem Lebensalltag ein Geheimnis machen, desto geringer ist das Risiko einer Entfremdung. Entfremdung droht dann, wenn der Partner das Gefühl hat, der andere schließe ihn aus, übe Misstrauen oder führe ein weitgehend eigenständiges Leben.

Achten Sie wird darauf, dass Ihre Beziehung nicht oberflächlich wird. Nutzen Sie jede Gelegenheit, Gefühle, Erwartungen, Hoffnungen, Ängste und Perspektiven auszutauschen. Lassen Sie einander am Leben des anderen teilhaben.

Wie ge­stal­tet sich ei­ne Wo­chen­end­be­zie­hung mit Kin­dern?

Haben Sie gemeinsame Kinder, wird es auch Ihrem Partner schwerfallen, die Woche über auf den Umgang mit den Kindern verzichten zu müssen. Den Kindern wird es ähnlich ergehen. Auch hier gilt es, das Beste aus der Situation zu machen. Immerhin können Sie heutzutage skypen, sich über Telekommunikationsdienste wie WhatsApp optisch und akustisch sowie praktisch gebührenfrei fortlaufend Nachrichten austauschen und den Kontakt zu den Kindern aufrechterhalten. Der Umstand, dass der Kontakt dann nur über die Distanz erfolgt, fällt dann weitaus weniger ins Gewicht. Frühere Generationen hatten diesen Vorteil nicht.

Vielleicht ist es für die Beziehung zu Ihren Kindern sogar konstruktiv, wenn Sie die Kinder nur am Wochenende sehen. Dann ist der Umgang miteinander intensiver, weil jeder Beteiligte weiß, dass der Elternteil die Woche über nicht präsent ist. Die Vorfreude, sich am Wochenende zu sehen, ist vielleicht größer als die Freude, täglich im Lebensalltag der Kinder präsent zu sein.

Sind Sie we­gen der Wo­chen­end­be­zie­hung al­lein­er­zie­hend?

Ist der Partner die Woche über außer Haus, betreut der andere die Kinder zu Hause allein. Dies bedeutet aber noch längst nicht, dass Sie tatsächlich auch alleinerziehend sind. Wenn Sie sich mit dem Partner austauschen, können Sie die Kinder soweit als möglich einbeziehen und den Partner außer Haus an der Betreuung und Erziehung der Kinder soweit als möglich teilhaben lassen. Sie können alles, was die Kinder betrifft, besprechen und gemeinsam entscheiden. Alles, was einer intensiveren Absprache bedarf, können Sie immer noch am Wochenende erörtern und beschließen.

Vielleicht teilen Sie sich die Betreuung der Kinder auf. In der Woche sind Sie für die Kinder verantwortlich, während der Partner, der in der Woche außer Haus ist, sich am Wochenende für die Kinder engagiert. Noch besser ist natürlich, wenn Sie das Wochenende gemeinsam alle miteinander verbringen können.

Die Kinder sind das Gewissen der Eltern.

Theodor Toeche-Mittler (1837 - 1907)

Möchten Sie den Eindruck vermeiden, dass Sie sich alleinerziehend fühlen, sollten Sie den Partner trotz der Entfernung in wichtige Entscheidungen einbeziehen. Bekunden Sie auch gegenüber dem Kind, dass beide Elternteile Verantwortung tragen. Versuchen Sie nicht, den anderen Elternteil zu ersetzen. Auch sollte das Kind nicht aufgefordert werden, den außer Haus lebenden Elternteil zu Hause zu vertreten. Kinder werden sich mit einer solchen Aufgabe überfordert fühlen.

Sollten Sie sich streiten, tragen Sie Ihre Konflikte nicht aus, wenn die Kinder dabei sind. Vor allem, wenn Sie sich verabschieden oder gar wiedersehen, sind auch die Kinder in einem emotionalen Ausnahmezustand, in dem Sie Erwartungen und Hoffnungen haben und nicht mit Konflikten belastet werden sollten.

Be­su­chen Sie den Part­ner dort, wo er ist

Betrachten Sie die Tatsache, dass der Partner die Woche über anderswo lebt, als Chance. Besuchen Sie den Partner das Wochenende über dort, wo er selbst lebt. Der Besuch und der Aufenthalt könnten Ihre Beziehung sogar lebendiger gestalten, weil Sie wissen, dass sich die Zusammenkunft auf das Wochenende beschränkt.

Der Partner vor Ort hat die Möglichkeit, Ihren Aufenthalt so attraktiv zu gestalten, dass Ihre Beziehung fortlaufend neu belebt wird und beide das Gefühl haben, sich aufeinander zu freuen. Umgekehrt, wenn Sie sich tagtäglich sehen, ist es naturgemäß schwieriger, die Neugierde auf den Partner und die Erwartungen im Umgang miteinander immer wieder neu zu gestalten. Sehen Sie sich nur am Wochenende und bereiten sich auf das Wiedersehen vor, lässt sich die gemeinsame Zeit umso feierlicher gestalten.

Recht­fer­tigt sich ei­ne Wo­chen­end­be­zie­hung trotz ge­rin­ger Ent­fer­nung?

Auch eine geringe Entfernung kann Anlass sein, die Woche über nicht zu Hause zu verbringen und sich dort aufzuhalten, wo der Arbeitsplatz liegt. Respektieren Sie, wenn der Partner nicht motiviert ist, lange Fahrtwege in Kauf zu nehmen und lieber dort bleibt, wo er gefordert ist. Das Risiko, auf den Straßen zu verunfallen, reduziert sich. Der Partner braucht weniger Energie zu investieren, als wenn er ständig zwischen der ehelichen Wohnung und dem Arbeitsplatz hin und her pendelt. Auch der Kostenfaktor könnte eine Rolle spielen. Insoweit kann sich eine Wochenendbeziehung trotz einer geringen Entfernung durchaus rechtfertigen. Wägen Sie also Nutzen und Aufwand sachlich gegeneinander ab.

Trennen oder Bleiben

Tren­nen oder Blei­ben

Diese Checkliste zeigt Ihnen Gründe auf, die für und gegen eine Trennung sprechen.

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Hat ei­ne Wo­chen­end­be­zie­hung Zu­kunft, wenn der Part­ner nicht zu­sam­men­zie­hen will?

Um eine Beziehung zu leben, brauchen Sie nicht unbedingt zusammenzuziehen. Möglicherweise kann es vorteilhaft sein, wenn jeder Partner seine eigene Wohnung beibehält und die persönliche Kontakte auf eine Wochenendbeziehung beschränkt. Ob sich daraus eine gemeinsame Zukunft entwickeln lässt, hängt davon ab, was Sie als Ideal einer Beziehung betrachten. Jeder muss letztlich selbst wissen, was er will und zu welchen Zugeständnissen und Kompromissen er oder sie bereit ist.

Wie ge­stal­ten Sie Ih­re Wo­chen­end­be­zie­hung kon­struk­tiv?

Es ist nachteilig, wenn Sie Ihre Wochenendbeziehung zufälligen Abläufen überlassen. Vorteilhaft ist, wenn Sie sich eine gewisse Orientierung geben. Also:

  • Verstehen Sie sich als Paar. Geben Sie sich ein Wir-Gefühl.
  • Verabreden Sie, wann genau Sie sich wiedersehen, wenn Sie sich verabschieden.
  • Überfrachten Sie das Wiedersehen am Wochenende nicht mit überhöhten Erwartungen.
  • Reservieren Sie am Wochenende Zeit für gemeinsame Aktivitäten. Erledigen Sie Haushaltstätigkeiten oder sonstige verpflichtende Tätigkeiten während der Woche.
  • Kommunizieren Sie in der Woche regelmäßig miteinander. Vorteilhaft ist, wenn Sie sich auch optisch in die Augen schauen können.
  • Vermeiden Sie, dass der Partner das Gefühl hat, Sie hätten Geheimnisse.
  • Gestalten Sie Rituale. Sie stärken das Gefühl der Gemeinsamkeit. Gehen Sie regelmäßig samstags zum Italiener oder gehen wandern oder in die Sauna.
  • Gibt es Konflikte, sprechen Sie diese unmittelbar an. Schieben Sie nichts auf, was Ihre Harmonie beeinträchtigt.
  • Verlässt der Partner am Wochenende die eheliche Wohnung, sollten Sie nicht traurig sein und nicht resignieren. Emotional belastende Abschiede sollten Sie vermeiden. Freuen Sie sich vielmehr jetzt bereits auf das kommende Wiedersehen.

Aus­blick

Ihre Wochenendbeziehung ist wahrscheinlich eine Herausforderung. Dennoch gibt es keine Gründe, daran zu verzweifeln oder die Zukunft Ihrer Beziehung infrage zu stellen. Sie haben es selbst in der Hand, Ihre Beziehung zu gestalten. Gibt es Probleme, ist wahrscheinlich irgendetwas schief gelaufen. Analysieren Sie, was falsch läuft und versuchen Sie gemeinsam das Problem zu lösen. Probleme lösen ist oft ein länger währender Prozess, bei dem Sie auch Rückschläge und Enttäuschungen verkraften müssen. Wenn Sie das Ziel vor Augen haben, sollten Sie Mittel und Wege finden, zurechtzukommen.

Geschrieben von: iurFRIEND®-Redaktion

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