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Streit­schlich­tung durch Me­dia­ti­on

Bild: Streitschlichtung durch Mediation

Wie kön­nen Kon­flik­te mit Hil­fe von Me­dia­ti­on ge­löst wer­den?

Mediation bietet eine alternative Konfliktlösung zu gerichtlichen Verfahren. So haben Sie verschiedene Möglichkeiten Ihre Konflikte zu lösen. Gleichzeitig können die Gerichte entlastet werden. Oftmals ist ein Gerichtsverfahren nämlich gar nicht notwendig – beide Seiten müssen einfach die Chance haben, ihre Sicht darzulegen und können dann unter Anleitung eine faire Lösung finden. Gerade wenn es um Trennung und ihre Folgen geht, können Sie sich so womöglich ein langes und nervenaufreibendes Verfahren ersparen. In diesem Ratgeber erfahren Sie wie Sie Konflikte außergerichtlich über Mediation lösen können, wie der Ablauf funktioniert und wann eine Mediation für Sie sinnvoll sein könnte.

Kur­ze Zu­sam­men­fas­sung

  • Mit Hilfe der Mediation können Sie viele Konflikte außergerichtlich lösen. Eine neutrale und speziell dafür qualifizierte Mediationsperson vermittelt zwischen Ihnen und hilft dabei, eine faire Lösung für beide Seiten zu finden.
  • Insbesondere familienrechtliche Streitigkeiten nach einer Trennung eignen sich für eine Mediation. Sie können alles rund um Wohnung, Hausrat, Unterhalt und Betreuung der Kinder regeln.
  • Dauer und Kosten der Mediation hängen stark vom Einzelfall ab. In der Regel ist eine Mediation jedoch deutlich kürzer und preiswerter als ein gerichtliches Verfahren mit anwaltlicher Vertretung.
  • Die Abschlussvereinbarung soll Ihren Konflikt dauerhaft lösen. Sie ist rechtlich bindend und kann notfalls gerichtlich durchgesetzt werden.

Prak­ti­sche Tipps für Sie

Tipp 1: Position des Mediators im Hinterkopf haben
Der Mediator kennt nicht alle Hintergründe Ihrer Beziehung - versuchen Sie ihm einen guten Überblick über die gesamte Interessenlage zu verschaffen.

Tipp 2: Rahmenbedingungen vorab klären
Legen Sie zu Beginn der Mediation die Rahmenbedingungen fest: Wer nimmt teil, was sind die Themen, wie hoch die Kosten?

Tipp 3: Aus freien Stücken teilnehmen
Nehmen Sie ausschließlich freiwillig an einer Mediation teil, sonst funktioniert sie nicht.

Kon­flik­te au­ßer­ge­richt­lich lö­sen

Wenn zwei Menschen sich nach einer Trennung ernsthaft streiten, landen Sie oft vor Gericht. Am Ende kann vielleicht in einem so genannten Vergleich eine Einigung erzielt werden oder das Gericht erlässt eine Entscheidung. Für das Gerichtsverfahren fallen dann natürlich teils hohe Gerichtskosten und anwaltliche Kosten an. Leider sind viele Menschen danach immer noch unzufrieden, weil sie das Gefühl haben, dass ihre Interessen nicht ausreichend berücksichtig wurden.

Bei einer außergerichtlichen Konfliktlösung kann die Lösungsfindung noch individueller auf Ihren Streit und Ihre persönlichen Interessen zugeschnitten werden. Es kann gründlich herausgearbeitet werden, um was es Ihnen jeweils geht und Sie bringen sich aktiv in die Lösung ein. Wenn Sie in der Lösungsfindung unmittelbar mitwirken, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie am Ende das Gefühl einer fairen Vereinbarung haben.

Un­ter­schied zwi­schen Streit­schlich­tung und Me­dia­ti­on

Im Alltag werden die beiden Begriffe „Streitschlichtung“ und „Mediation“ oft als Synonyme verwendet. Diese Methoden zur Konfliktbewältigung haben vieles gemeinsam, es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied. Bei beiden Methoden suchen die Streitenden eine neutrale dritte Person auf, die zwischen ihnen vermitteln soll. Bei der Streitschlichtung nimmt diese Person jedoch aktiv an der Lösungssuche teil und bringt konkrete Vorschläge ein. Bei der Mediation hingegen wird die Lösungssuche nur begleitet und moderiert. Die Streitenden müssen die Lösungsvorschläge selbstständig erarbeiten und gemeinsam abwägen.

Darin kann je nach Ansicht ein Vorteil oder ein Nachteil liegen. Vorteil einer selbstständig erarbeiteten Lösung könnte sein, dass die Streitenden diese eher annehmen und das Gefühl haben, dass sie einen wirklich fairen Kompromiss geschlossen haben. Bei einem unterbreiteten Vorschlag eines Dritten könnte hingegen Unzufriedenheit aufkommen, wenn dieser keinen guten Überblick über die gesamte Interessenlage hat. Wenn der Dritte jedoch einen guten Überblick hat, kann er dank seiner Erfahrung meistens schneller eine Lösung anbieten, während der Prozess einer selbstständigen Lösung länger dauern könnte.

Me­dia­ti­on im Fa­mi­li­en­recht

Die Mediation eignet sich besonders bei Konflikten, in denen Sie sich nicht einigen können, die grundsätzlich aber konkret und am besten rechtlich bindend geregelt werden sollen. Sie bietet sich also auch für Konflikte im Familienrecht an. Bei familienrechtlichen Streitigkeiten steht viel auf dem Spiel: Sie möchten Ihre Interessen durchsetzen, die Familie jedoch nicht auseinander reißen oder dauerhaften Zwiespalt verursachen. Sie müssen es schaffen, eine faire Lösung für alle zu finden, um langfristig wieder harmonisch oder zumindest vernünftig miteinander umgehen zu können.

Insbesondere nach einer Trennung kann es zu emotionalen Auseinandersetzungen zwischen dem getrennten Paar kommen. Sie beide benötigen eigentlich Zeit, um die Trennung zu bewältigen und müssen Ihr Leben getrennt voneinander neu organisieren. Gleichzeitig sind Sie dazu gezwungen, die Folgen der Trennung miteinander zu regeln. Haben Sie gemeinsame Kinder sind Sie ohnehin dauerhaft miteinander verbunden.

Die Mediation bietet sich daher an, um die Folgen der Trennung gemeinsam zu klären. Sie müssen entscheiden wer aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen soll und wie Sie den Hausrat aufteilen. Sind Sie verheiratet, hat einer von Ihnen womöglich Anspruch auf Trennungsunterhalt. Wenn Sie gemeinsame Kinder haben, müssen Sie die Betreuung und den Kindesunterhalt regeln.

Mediator finden

Bevor Sie mit der Mediation beginnen können, müssen Sie natürlich eine Mediatorin bzw. einen Mediator finden. Um Mediationen durchzuführen muss man entsprechend qualifiziert sein. Durch die Qualifikation kann die Qualität der Mediation und die Wahrung der ethischen Standards gewährleistet werden. Voraussetzungen für eine solche Qualifikation sind eine Mediationsausbildung, der Nachweis der Durchführung von realen Mediationen sowie die Mitarbeit in einem Mediationsnetzwerk.

Mediatorinnen und Mediatoren haben verschiedene berufliche Hintergründe. So gibt es Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte oder Psychologinnen und Psychologen, aber auch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die eine entsprechende Ausbildung zusätzlich gemacht haben. Sie sollten eine Mediationsperson wählen, die dazu qualifiziert ist, Lösungen für Ihre konkreten Konflikte zu erarbeiten. Es gibt verschiedene Online-Verzeichnisse, die Mediationsangebote auflisten. Gerne helfen wir Ihnen bei der Suche nach einer geeigneten Mediationsperson in Ihrer Nähe – wir arbeiten deutschlandweit mit handverlesenen Expertinnen und Experten zusammen.

Phasen der Mediation

Zu Beginn der Mediation legen Sie gemeinsam mit der Mediationsperson die Rahmenbedingungen fest: Wer nimmt an der Mediation teil? Worum geht es bei der Mediation? Wie hoch sind die Kosten?

Sie werden genau über alles aufgeklärt. Anschließend können Sie Ihr Anliegen schildern. Die Mediationsperson vermittelt zwischen Ihnen als allparteiischer Dritter. Sie hilft Ihnen, durch konstruktive Gespräche auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Eine Mediation ist aber keine Rechtsberatung. Alle Lösungen müssen von Ihnen selber erarbeitet werden. Haben Sie mehrere Möglichkeiten erarbeitet, werden jeweils alle Vor- und Nachteile abgewogen. Dieser Prozess geht so lange weiter, bis Sie eine Lösung als die beste und fairste Möglichkeit für Sie beide herausgearbeitet haben. Ziel ist es, eine Lösung zu finden, mit der Sie beide möglichst zufrieden sind und an die Sie sich auch halten können und werden.

Die Lösung, auf die Sie sich geeinigt haben, wird als Abschlussvereinbarung schriftlich festgehalten. Ist diese Vereinbarung von Ihnen beiden unterzeichnet worden, ist die Mediation abgeschlossen. Sie haben Ihren Konflikt außergerichtlich gelöst!

Dauer & Kosten

Die Dauer und die Kosten hängen von Ihrem Einzelfall ab. Es kommt auf Art und Umfang Ihres Konflikts an und auch darauf, wie schnell Sie sich einigen können. Müssen nur Kleinigkeiten geklärt werden, benötigen Sie vielleicht nur wenige Stunden. Die Mediation kann jedoch auch mehrere Wochen in Anspruch nehmen, wenn Sie Schwierigkeiten haben sich zu einigen. Die Kosten variieren ebenfalls nach der Art und Dauer des Konflikts. In der Regel ist eine Mediation jedoch schneller und günstiger als ein mehrmonatiges Gerichtsverfahren mit anwaltlicher Vertretung.

Wann ist ei­ne Me­dia­ti­on sinn­voll?

Eine Mediation muss freiwillig erfolgen, weil sie sonst nicht funktioniert. Sie macht also nur Sinn, wenn Sie beide dazu bereit sind, gemeinsam aktiv eine Lösung zu erarbeiten. Möchte einer von Ihnen sowieso nur weiter streiten, werden Sie bei der Mediation kein Ergebnis erzielen können.

Ein weiterer Faktor ist Ihre Kompromissfähigkeit. Sie werden vermutlich einen Kompromiss schließen müssen, um sich zu einigen. Keiner von Ihnen wird seine Ansicht vollständig durchsetzen können. Sie sollten also in der Lage sein, einander einen Schritt entgegen zu kommen.

Da Sie die Lösungsmöglichkeiten zusammen erarbeiten müssen, sollten Sie noch nicht so zerstritten sein, dass Sie gar kein konstruktives Gespräch mehr führen können. Die Mediationsperson führt Sie natürlich durch das Gespräch und moderiert den Lösungsprozess, Voraussetzung ist jedoch ein anständiger Umgang miteinander.

Wenn Sie beide dazu bereit sind, konstruktiv gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, kann die Mediation die richtige Methode zur Konfliktbewältigung sein.

Me­dia­ti­ons­ver­ein­ba­rung durch­set­zen

Ihre gemeinsam erarbeitete Abschlussvereinbarung ist rechtlich bindend und soll sicherstellen, dass Ihr Konflikt endgültig bewältigt ist. Sie ist ein zivilrechtlicher Vertrag zwischen den Konfliktparteien. Dieser Vertrag ist rechtlich bindend. Das bedeutet, dass Verbindlichkeiten aus der Abschlussvereinbarung im Notfall gerichtlich eingeklagt werden können.

Aus­blick

Die Mediation bietet eine oftmals schnellere und günstigere Alternative der Konfliktbewältigung zum klassischen Gerichtsverfahren. Wenn Sie beide dazu bereit sind, gemeinsam an einer fairen Lösung zu arbeiten, können Sie Ihre Trennung einvernehmlich und rechtlich bindend klären.

Glossar zum Artikel:

  • Die Scheidungsfolgen sind die rechtlichen Folgen, die anlässlich der Scheidung zu klären sind. Dazu zählen etwa der Zugewinn- und Versorgungsausgleich, Unterhaltsansprüche, Sorge- und Umgangsrecht, sowie die Aufteilung des Hausrats.
  • Der nicht betreuende Elternteil und das Kind haben das Recht auf persönlichen Umgang miteinander. Das Umgangsrecht besteht auch, wenn der andere Elternteil das alleinige Sorgerecht hat.

Geschrieben von: iurFRIEND®-Redaktion

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