Scheidung

Was die Trennung für die Beziehung ist, ist die Scheidung für die Ehe: das Ende der Partnerschaft. Die Partner haben lange alles versucht, um die Ehe zu retten, aber schlussendlich ist der letzte entscheidende Schritt nicht mehr abzuwenden. Die Ehe ist gescheitert, ein Fortbestehen nicht mehr möglich. Es gibt viele Gründe, die zu einer Trennung führen, die schlussendlich dann nicht mit einer Versöhnung endet, sondern mit der endgültigen Scheidung. War bereits die Trennung mit vielen juristischen Auswirkungen verbunden wie Trennungsunterhalt und Wohnrecht etc., gilt das für die Scheidung erst recht.

Erst die Trennung, dann die Scheidung

Vor der Scheidung steht in Deutschland die Trennung und eine gesetzlich geregelte Trennungszeit. Diese Trennungszeit beträgt üblicherweise ein Jahr und erst nach Ablauf dieser Frist kann die Ehe geschieden werden. Da es üblicherweise etwa drei Monate dauert, bis der Scheidungsantrag beim Gericht bearbeitet und ein Scheidungstermin festgesetzt wurde, kann die Scheidung aber auch schon während der Trennungszeit beantragt werden.

Unter gewissen Umständen kann die Trennungszeit aber auch verkürzt oder verlängert werden.

Eine Verkürzung der Trennungszeit kommt vor allem in sogenannten Härtefällen zum Tragen, bei denen beispielsweise ein Ehepartner vom anderen misshandelt oder geschlagen wird. Eine Verlängerung der Trennungszeit auf bis zu drei Jahre ist für den Fall vorgesehen, dass einer der Ehepartner sich scheiden lassen möchte, der andere der Scheidung aber nicht zustimmt. Ist nach Ablauf der drei Jahre noch immer keine Einigung zwischen den getrennten Ehepartnern erfolgt, kann die Ehe auch ohne die Zustimmung des Ehepartners, der die Ehe aufrechterhalten will, geschieden werden.

Die Trennung des Ehepaares erfolgt mit dem Zeitpunkt, zu dem einer der Ehepartner dem anderen gegenüber unmissverständlich und klar seinen Willen kundtut, sich zu trennen und die Beziehung dauerhaft zu beendet. Trennen sich die Eheleute in beiderseitigem Einverständnis, erfolgt die Trennung zu dem Zeitpunkt, zu dem beide Ehepartner die Trennung beschließen. Die Trennung ist also ein informeller Akt, der von keinem Gericht und keiner Behörde überwacht wird. Vielmehr kommt es beim Festsetzen des Trennungszeitpunktes auf das einvernehmliche Zeugnis der Ehepartner an. Für gewisse Fristen, wie beispielsweise den Beginn und das Ende des familienrechtlichen und des steuerrechtlichen Trennungsjahrs ist der Zeitpunkt der Trennung durchaus relevant, so das die Ehepartner sich möglichst über den Zeitpunkt der Trennung einig sein sollten. Während der Trennungszeit können die Noch-Ehepartner weiterhin in der ehelichen Wohnung leben, es muss nicht zwingend eine räumliche Trennung erfolgen. Zieht keiner der beiden Ehepartner aus, muss aber innerhalb der Wohnung eine klare Trennung von Tisch und Bett erfolgen, es darf keine gemeinsame Haushaltsführung geben und es dürfen keinerlei unentgeltliche Leistungen wie beispielsweise Kochen, Putzen oder Wäschewaschen für den Ehepartner erfolgen.

Expertentipp:

Wenn es zur Trennung kommt, sollte der Partner, der sich trennen möchte, ein formloses Schreiben aufsetzen, in dem er seinen Willen zur Trennung darlegt und den Partner während des Trennungsgesprächs bitten, dieses Schriftstück unter Angabe des Datums zu unterzeichnen. Weigert sich der Partner, seine Unterschrift zu leisten, sollte die Trennungsabsicht im Beisein eines oder mehrerer Zeugen deutlich geäußert werden. So ist im Zweifelsfall ein Nachweis über den Zeitpunkt der Trennung vorhanden. Gerade für den Trennungsunterhalt ist dieser Zeitpunkt wichtig.

Vermögen

Kommt es zu einer Scheidung muss immer auch das eheliche Vermögen zwischen den Ehepartnern aufgeteilt werden. Wird in einem Ehevertrag nichts anderes festgelegt, so tritt mit der Heirat automatisch eine eheliche Zugewinngemeinschaft in Kraft. Das bedeutet, dass die Eheleute für ein gemeinsames Vermögen immer eine vertragliche Regelung bezüglich des Miteigentums treffen müssen und ansonsten jedem Ehepartner die Dinge gehören, die er mit in die Ehe gebracht oder im Lauf der Ehe angeschafft hat. Im Fall einer Scheidung wird jedoch das Vermögen, das im Lauf der Ehejahre entstanden ist, in aller Regel zu gleichen Teilen zwischen den Partnern geteilt.

Die Eheleute können mit der Eheschließung oder auch zu jedem anderen Zeitpunkt danach, also auch vor einer unmittelbar bevorstehenden Trennung, einen Ehevertrag abschließen, in dem sie einen anderen Güterstand vereinbaren. Die ohne Ehevertrag eintretende Zugewinngemeinschaft wird dadurch außer Kraft gesetzt. In dem Ehevertrag kann beispielsweise geregelt werden, wer das eheliche Vermögen verwaltet, wem was gehört, wer in welcher Höhe für Schulden haftet und wer das Vermögen wie nutzen darf. Dieser Ehevertrag muss in jedem Fall notariell beglaubigt werden. Das in der Ehe erwirtschaftete Vermögen gehört zu den größten Streitpunkten bei einer Scheidung und je uneiniger sich die Ehepartner sind, desto teurer wird der Scheidungsprozess. Mit einem möglichst detaillierten Ehevertrag, in dem alle wichtigen Eigentumsverhältnisse geregelt sind, lässt sich also im Fall einer Scheidung viel Geld sparen.

Expertentipp:

Auch wenn es im Moment der Eheschließung, in dem die Liebe im Vordergrund steht und keiner der beiden Ehepartner an eine Trennung oder Scheidung denkt, unromantisch erscheinen mag, tun Eheleute gut daran, für den Fall der Fälle vorzusorgen und einen Ehevertrag aufzusetzen, in dem klar geregelt ist, wie nach der Scheidung mit dem Vermögen zu verfahren ist.

Immobilien

Auch während der Ehe erworbene Immobilien, meist das gemeinsam bewohnte Eigenheim oder die Eigentumswohnung, sind bei einer Scheidung oft Gegenstand erbitterter Streitigkeiten. Stehen beide Ehepartner im Grundbuch, gehört die Immobilie beiden zu gleichen Teilen. Kompliziert wird es dann, wenn es zur Scheidung kommt, da es keine gesetzliche Regelung gibt, wie im Fall einer Scheidung mit einer Immobilie zu verfahren ist. Fakt ist nur, dass erreicht werden muss, dass jeder der beiden Ehepartner zu seinem Recht kommt, was bedeutet, dass die Immobilie zwischen den Eheleuten aufgeteilt werden muss. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie das erreicht werden kann und den Ehepartnern bleibt nichts anderes übrig, als sich auf eine dieser Lösungen zu einigen.

Diese Optionen stehen dabei zur Verfügung:

  • Die Immobilie wird verkauft und der Erlös wird geteilt.
  • Ein Ehepartner zahlt den anderen aus und übernimmt dafür dessen Anteil an der Immobilie und wird alleiniger Eigentümer.
  • Die Immobilie wird gemeinsam genutzt.
  • Die Immobilie wird versteigert.

Der Verkauf des Hauses ist sicherlich in den meisten Fällen die einfachste Lösung. Allerdings müssen beide Partner dieser Lösung zustimmen. Auch die Übernahme des Hauses durch einen der beiden Partner stellt im Grunde kein Problem dar, doch auch hier kann es an der Zustimmung des Partners scheitern. Handelt es sich um eine Immobilie mit mehreren Wohneinheiten, ist auch eine gemeinsame Nutzung denkbar und gerade wenn Kinder vorhanden sind, ist das sicher eine gute Lösung. Dazu muss das Ex-Ehepaar allerdings in einem Verhältnis zueinander stehen, dass eine gemeinsame Nutzung der Immobilie für beide vorstellbar macht. Wird die Immobilie in dieser Art in verschiedene Wohneinheiten geteilt, die den Ex-Partnern bei der Scheidung zugesprochen werden, so steht es den geschiedenen Partnern völlig frei, wie sie mit ihrem Eigentum umgehen. Das heißt, sie dürfen ihren Anteil an der Immobilie auch verkaufen oder vermieten, ohne dazu die Genehmigung des Ex-Partners einholen zu müssen.

Die letzte und finanziell bei weitem ungünstigste Möglichkeit, bei einer Scheidung mit einer Immobilie umzugehen, ist die Versteigerung. Lässt sich gar keine Einigung mit dem Ex-Partner erzielen, ist es jedoch oft die einzige Möglichkeit, die Immobilie abzustoßen. Die Kosten für die Immobilie laufen natürlich weiter, während die geschiedenen Eheleute sich nicht einigen können, wie damit zu verfahren ist und gerade für einen geringer verdienenden Partner ist das oft eine untragbare finanzielle Belastung. Als Miteigentümer kann jeder der beiden Partner daher beim Amtsgericht einen Antrag auf Teilversteigerung stellen und auch wenn dabei nur ein schlechter Preis weit unter Marktwert erzielt wird, ist man wenigstens von den Belastungen befreit.

Hinter dem Streit um die Immobilie stehen übrigens in den allermeisten Fällen keine wirtschaftlichen Überlegungen, sondern Streitigkeiten zwischen den Ex-Partnern. Wer von vornherein sichergehen möchte, dass es im Fall einer Trennung nicht zu einem Rosenkrieg mit dem Eigenheim als umkämpftes Terrain kommt, der kann sich auf verschiedene Arten absichern.

So kann sich beispielsweise nur ein Ehepartner ins Grundbuch eintragen lassen. Damit gehört ihm die Immobilie, der andere Partner bekommt im Fall einer Scheidung über den Zugewinnausgleich seinen Anteil ausbezahlt. Zwar besteht bei dieser Lösung das Risiko, dass der im Grundbuch eingetragene Partner als alleiniger Eigentümer die Immobilie ohne Wissen und Zustimmung des Partners verkauft, doch dieses Risiko kann man durch ein Vorkaufsrecht für den nicht im Grundbuch eingetragenen Partner minimieren.

Expertentipp:

Nur sehr selten liegen wirtschaftliche Gründe vor, wenn sich ein geschiedenes Paar nicht einigen kann, wie mit der gemeinsamen Immobilie verfahren werden soll. In den allermeisten Fällen sind es emotionale Gründe, die eine Einigung verhindern, doch diese Streitigkeiten können beide Partner sehr teuer zu stehen kommen. Durch die Verzögerung einer Lösung für den Umgang mit der Immobilie laufen hohe Kosten auf, die von beiden Partnern getragen werden müssen, so dass man sich letztendlich finanziell auf jeden Fall ins eigene Fleisch schneidet.

Unterhalt

Der Unterhalt ist ebenfalls ein häufiges Streitthema bei einer Scheidung. Zu unterscheiden ist dabei auch ganz klar zwischen Unterhalt für gemeinsame Kinder und Ehegattenunterhalt.

Ehegattenunterhalt

Der Unterhaltsanspruch des Ehepartners, der eine geringeres oder gar kein Einkommen hat, beginnt mit dem Tag der Trennung. Mit der Ehe gehen die Eheleute eine gegenseitige Unterhaltspflicht ein, die auch nach der Trennung bestehen bleibt. Das bedeutet, dass der besser verdienende Ehepartner auch nach der Trennung für die Dauer der Trennungszeit dem Partner mit dem geringeren Einkommen zu Unterhalt verpflichtet ist. Anders als beim nachehelichen Unterhalt, der nach der Scheidung zum Tragen kommt, besteht für den geringer verdienenden Partner keine Verpflichtung, alles zu tun, um selbst für den Unterhalt zu sorgen. Hat einer der Partner während der Ehe nicht gearbeitet, sei es, weil er sich um den Haushalt und die Kinder gekümmert hat oder weil er arbeitslos war oder weil der andere Ehepartner genug Geld für beide verdient hat, so muss er auch während des Trennungsjahrs keine Erwerbstätigkeit aufnehmen, sondern hat einen Anspruch auf Unterhalt gegenüber seinem Partner. Verdienen beide Partner, hat jedoch einer ein deutlich höheres Einkommen als der andere, so besteht auch in diesem Fall ein Anspruch auf Trennungsunterhalt. Dabei kommt es auch nicht darauf an, ob der geringer verdienende Partner allein von seinem Geld leben könnte, sondern es geht darum, den ehelichen Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Der besser verdienende Partner muss also auch dann Trennungsunterhalt zahlen, wenn der Partner selbst genügend Geld zur Verfügung hat.

Ganz anders sieht es da mit dem nachehelichen Unterhalt aus. Nach der Scheidung der Ehe besteht zwar noch immer die sogenannte nacheheliche Solidarität, doch auch der unterhaltsberechtigte Partner muss nun alles tun, um selbst für seinen Lebensunterhalt aufzukommen, das heißt, er muss sich bemühen, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, durch die er seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann. Allerdings gibt es dabei auch viele Einschränkungen, so muss beispielsweise das Alter, der Gesundheitszustand und auch die berufliche Qualifikation des unterhaltsberechtigen Ehepartner berücksichtigt werden. Auch die Betreuung gemeinsamer, minderjähriger Kinder muss berücksichtigt werden. Versorgt und betreut der unterhaltsberechtigte Partner gemeinsame Kinder unter drei Jahren, so tritt automatisch die Erwerbspflicht außer Kraft und der unterhaltspflichtige Partner muss Unterhalt zahlen. Eine weitere Rolle spielt die Dauer der Ehe.

Das Thema Ehegattenunterhalt ist sehr komplex und muss immer im Einzelfall unter Berücksichtigung aller individuellen Faktoren betrachtet werden. Daher ist es angeraten, sich dazu immer von einem Anwalt mit Spezialisierung auf dem Gebiet des Familienrechts beraten zu lassen.

Unterhalt für gemeinsame Kinder

Wesentlich einfacher ist in den allermeisten Fällen der Unterhalt für die gemeinsamen Kinder geregelt. Ungeachtet aller Lebensumstände muss der Unterhalt für die Kinder gezahlt werden, also beispielsweise auch, wenn der Partner, bei dem die Kinder leben, neu heiratet. Einzig, wenn das Kind vom neuen Partner eines Elternteils adoptiert wird, fallen die Unterhaltsansprüche weg. Dieser Adoption müssen jedoch beide Elternteile zustimmen und mit ihr fallen auch alle anderen Rechte wie beispielsweise das Umgangsrecht weg. Die Höhe des Kindesunterhalts ist in der sogenannten Düsseldorfer Tabelle geregelt und richtet sich nach dem Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils sowie nach dem Alter des Kindes.

Expertentipp:

Weigert sich der unterhaltspflichtige Elternteil, den Unterhalt zu zahlen oder gerät er mit den Zahlungen in Verzug, so kann der andere Elternteil einen Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt beantragen, um finanzielle Engpässe zu vermeiden oder zu überbrücken.

Versicherungen

Während der Ehe und während des Trennungsjahrs sind die Familienmitglieder in der Familienversicherung mitversichert. Nach der Scheidung ist jeder Ehepartner für seine eigene Krankenversicherung zuständig. Steht einem Ex-Partner Unterhalt zu, weil er nicht über eigenes Einkommen verfügt oder die gemeinsamen Kinder betreut, so stehen ihm im Rahmen des Mehrbedarfs auch die Kosten für eine Krankenversicherung zu. Die Kinder werden im Rahmen der Familienversicherung bei einem der Ex-Partner mitversichert. Andere Versicherungen, bei denen ein Ehepartner mitversichert war, wie beispielsweise die Haftpflichtversicherung, fallen ab dem Tag der Scheidung für den mitversicherten Partner weg.

Expertentipp:

Noch vor der Scheidung sollte ein Termin mit einem Versicherungsmakler gemacht werden, bei dem alle Versicherungen durchgegangen werden und ermittelt wird, wo durch die Trennung und Scheidung versicherungstechnische Defizite bestehen und neue Verträge abgeschlossen werden müssen.

Sorgerecht und Umgangsrecht nach der Scheidung

Eltern haben oft Angst, nach der Scheidung das Sorgerecht oder das Umgangsrecht für die Kinder zu verlieren. Rechtlich gesehen ist diese Angst in den allermeisten Fällen unberechtigt. Elternpaare, die vor der Scheidung das gemeinsame Sorgerecht ausgeübt haben, behalten es auch nach der Scheidung, es sei denn, es sprechen gravierende Gründe dagegen. Das alleinige Sorgerecht muss in dem Fall von einem Elternteil beantragt werden und wird vom Gericht genau geprüft. Finden sich keine Anhaltspunkte, dass das Kindeswohl durch das gemeinsame Sorgerecht gefährdet wird, wird dem Antrag nicht stattgegeben.

Ähnlich verhält es sich mit dem Umgangsrecht. Das Gesetz schreibt keinen Umfang des Umgangsrechts vor, es verbietet aber explizit, den Umgang zwischen dem Kind und einem Elternteil zu unterbinden. Möchte ein Elternteil durchsetzen, dass der andere Elternteil keinen Kontakt zum Kind haben darf, muss auch hier wieder ein Antrag beim Gericht gestellt werden, dem das Gericht nur stattgeben wird, wenn es das Kindeswohl durch den Umgang gefährdet sieht. Was die Dauer und den Umfang des Umgangsrechts angeht, gibt es keine rechtlichen Vorschriften. Die geschiedenen Eltern sollten sich im Sinne des Kindes unbedingt gütlich auf einen regelmäßigen Kontakt einigen und natürlich sollte auch das Kind dabei ein Mitspracherecht haben. Dabei müssen keine förmlichen Vereinbarungen wie „jedes zweite Wochenende und die ersten drei Wochen der Ferien“ getroffen werden. Gerade wenn Eltern noch einen guten Kontakt zueinander habe und sich trotz des Endes der Beziehung für eine gemeinsame Elternschaft entscheiden, sind viele verschiedene Modelle möglich. Zu den starren Umgangszeiten kommt es oft dann, wenn die Eltern sich nicht auf ein Umgangsrecht einigen können und das Familiengericht eine Entscheidung über den Umgang treffen muss.

Expertentipp:

Eltern, die sich auch nach der Scheidung für eine gemeinsame Elternschaft entscheiden, können sich bei einer Familien Beratungsstelle über die verschiedenen Modelle beraten lassen.

Steuerklassen im Trennungsjahr und nach der Scheidung

Ehepaare sind in anderen Steuerklassen als Alleinstehende veranlagt. Dieses Steuermodell dient dazu, die Familie steuerlich zu entlasten und daher gelten die vergünstigten Steuerklassen nur während der Ehe. Während Alleinstehende in der Steuerklasse 1 oder 2 (für Alleinerziehende) veranlagt werden, stehen Ehegatten die Steuerklassen 3, 4 und 5 zur Verfügung.

Als Kombination stehen den Ehepartnern dabei zwei Modell zur Verfügung:

Erzielen beide Ehepartner ein Einkommen in etwa gleicher Höhe, so ist es am sinnvollsten, dass beide die Steuerklasse 4 wählen. Verdient jedoch ein Ehepartner deutlich mehr als der andere, ist die Kombination aus den Steuerklassen 3 und 5 sinnvoller, wobei der Ehepartner mit dem geringeren Einkommen der Steuerklasse 5 zugeordnet wird. Eine Kombination der Steuerklasse 4 mit den Steuerklassen 3 oder 5 ist nicht möglich, es gibt nur die Optionen 4/4 oder 3/5.

Während des Trennungsjahrs können die getrenntlebenden Ehepartner ihre vergünstigten Steuerklassen behalten. Wichtig ist es dabei jedoch zu wissen, dass das Trennungsjahr im steuerrechtlichen Sinne anders definiert wird als im familienrechtlichen Sinne. Handelt es sich bei dem Trennungsjahr im familienrechtlichen Sinn um eine Zeitspanne von 12 Monaten, beginnend mit dem Zeitpunkt der Trennung, so bezeichnet das Trennungsjahr im steuerrechtlichen Sinne das Kalenderjahr, in dem die Trennung ausgesprochen wurde.

Das bedeutet, dass das steuerrechtliche Trennungsjahr immer zum 31.12. endet und zum 1.1. des Folgejahrs die Änderung der Steuerklasse notwendig wird.Trennt sich ein Paar also beispielsweise im Februar, so können beide Partner noch bis Dezember von den günstigen Steuerklassen profitieren. Findet die Trennung jedoch im Dezember statt, so sind gleich im Januar die Steuerklassen zu ändern. Wer hier die Fristen verpasst oder das steuerrechtliche Trennungsjahr mit dem Familienrechtlichen Trennungsjahr verwechselt, riskiert hohe Nachzahlungen und unter Umständen sogar eine Strafanzeige. Außerdem muss die Trennung von mindestens einem Ehepartner beim Finanzamt gemeldet und die Änderung der Steuerklasse zum entsprechenden Zeitpunkt beantragt werden. Wird das versäumt, drohen ebenfalls Nachzahlungen und Strafen.

Expertentipp:

Unter gewissen Umständen kann es sinnvoll sein, die Steuerklasse schon vor Ablauf des Trennungsjahrs zu wechseln. Diesem vorzeitigen Wechsel müssen jedoch beide Ehepartner zustimmen. Am besten ist es, sich dazu von einem Anwalt oder Steuerberater beraten zu lassen.

Anwaltspflicht beim Scheidungstermin

Eine Ehe wird immer vor einem Familiengericht geschieden. Anders als bei anderen erstinstanzlichen Verfahren am Amtsgericht besteht bei Ehescheidungen und Unterhaltsverhandlungen ein sogenannter Anwaltszwang, das bedeutet, das Verfahren kann ohne anwaltlichen Beistand nicht durchgeführt werden. Ehepaare, die sich in gegenseitigem Einvernehmen scheiden lassen und sich über alle Modalitäten rund um die Scheidung, den Unterhalt, die Vermögensaufteilung etc. einig sind, können auch einen gemeinsamen Anwalt beauftragen und damit einiges an Kosten sparen. Gibt es jedoch Streit oder Uneinigkeiten, so muss jeder Ehepartner seinen eigenen Anwalt haben, der seine Interessen vertritt.

Die Online Scheidung

Immer wieder liest und hört man von der sogenannten Online Scheidung. Der Begriff allein impliziert, man könne sich damit ganz einfach, unkompliziert, kostengünstig und ohne Rechtsanwalt online scheiden lassen. Das stimmt nur zum Teil. Online-Scheidungen sind tatsächlich einfacher, kostengünstiger und vor allem unkomplizierter, da man beispielsweise keine Öffnungszeiten eines Anwalts beachten muss, jedoch besteht auch hier Anwaltspflicht. Der Begriff Online Scheidung bezeichnet die Art der Korrespondenz zwischen dem scheidungswilligen Mandanten und seinem Rechtsanwalt, die vorwiegend per E-Mail, Telefon oder Online-Formulare stattfindet. Für Ehepaare, die sich einvernehmlich und ohne Streitigkeiten scheiden lassen, kann die Online Scheidung ein guter Weg sein, da alle Vorbereitungen auf die Scheidung meist unkompliziert und zügig ablaufen, aber auch für streitige Scheidungen ist die Online-Scheidung eine gute Option, um Kosten zu sparen. Die Scheidung selbst wird dabei immer noch vor dem Familiengericht in Anwesenheit des Rechtsanwalts oder eines Terminvertreters ausgesprochen.

Das emotionale Bewältigen einer Scheidung

Nicht zuletzt ist eine Scheidung auch emotional sehr belastend für alle Beteiligten. Vor allem für den verlassenen Ehepartner bricht mit der Trennung oft eine Welt zusammen, es wird ihm der gesamte Boden unter den Füßen weggezogen und nicht immer sind diese Kränkungen und Verletzungen zum Scheidungstermin verarbeitet. Wer merkt, dass er sehr stark unter der Trennung und der bevorstehenden Scheidung leidet, der sollte sich frühzeitig Hilfe bei einer Beratungsstelle oder in einer Selbsthilfegruppe suchen. Auch ein niedergelassener Psychologe oder der Hausarzt können gute Anlaufstellen sein. Eine Trennung und eine Scheidung sind fast immer schmerzhafte und traumatische Erlebnisse, die Zeit brauchen, um verarbeitet zu werden. Diese Zeit sollte man sich nehmen, doch ist es bei aller Trauer um den Verlust der Beziehung wichtig, auch nach vorn zu schauen und sich mit dem neuen Leben zu arrangieren. Wer nach der Trennungszeit immer noch voller Hass und Schmerz in das Scheidungsverfahren geht und versucht, dem Ex-Partner dort das Leben schwer zu machen, der schadet damit gar nicht unbedingt dem Ex-Partner, der sich vielleicht längst emotional gelöst hat, sondern vielmehr sich selbst.

Das Wichtigste noch einmal zusammengefasst:

  • Einer Scheidung geht üblicherweise ein Trennungsjahr voraus, unter gewissen Voraussetzungen (Härtefallscheidung) kann die Trennungszeit auch verkürzt oder verlängert werden.
  • Für die Zeit des Trennungsjahrs steht dem geringer verdienenden Ehepartner Trennungsunterhalt zu.
  • Nach dem Ablauf des steuerlichen Trennungsjahrs muss die Steuerklasse gewechselt werden.
  • Während des Trennungsjahrs muss das Ehepaar nicht unbedingt räumlich getrennt leben, aber es muss eine deutliche „Trennung von Tisch und Bett“ stattfinden.
  • Es gibt viele Wege, wie man bei einer Scheidung viel Geld sparen kann.
  • Lässt sich ein Ehepaar einvernehmlich scheiden, können sich beide Ehepartner von einem Anwalt vertreten lassen.
  • Nach der Scheidung fällt der Anspruch auf Trennungsunterhalt weg und es muss neu über den nachehelichen Unterhalt verhandelt werden.
  • Haben Eltern während der Ehe das gemeinsame Sorgerecht, bleibt dieses auch nach der Scheidung bestehen, es sei denn, das Kindeswohl würde darunter leiden.
  • Ein Elternteil darf dem anderen nicht den Umgang mit den gemeinsamen Kindern verbieten.
  • Wer große Probleme mit dem Verarbeiten einer Trennung oder Scheidung hat, sollte sich Hilfe bei einer Familienberatungsstelle holen.

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