Bleiben oder trennen?

Eine Trennung ist kein leichter Schritt. Oft dauert es eine längere Zeit, bis man sich dazu durchringt, tatsächlich getrennte Wege zu gehen. Das ist verständlich, denn eine Beziehung, vor allem wenn Sie über einen längeren Zeitraum andauerte, bricht man nicht so einfach ab. Oft fragt man sich, welche Entscheidung die richtige ist: Gehen oder bleiben? Eine hundertprozentige Sicherheit kann Ihnen niemand geben. Die richtige Entscheidung können nur Sie selbst treffen. Aber vielleicht können Ihnen folgende Punkte Anregungen geben, die Ihnen beim Abwägen des Für und Wider helfen können.

Gehen oder bleiben?

Bevor Sie ganz genau ins Detail gehen und sich zu einzelnen Punkten überlegen, wie es um Ihre Beziehung steht, können Sie zunächst einmal eine ganz sachliche Herangehensweise wählen, um der Entscheidung eine rationale Basis zu geben. Empfehlenswert ist es beispielsweise, eine Liste für die Entscheidung „Gehen oder bleiben“ anzufertigen, mit Punkten, die für oder gegen eine Trennung sprechen. Sie müssen diese Liste nicht an einem Tag erstellen, sondern können sich nach und nach an die Bearbeitung der positiven und negativen Beziehungsaspekte machen. Diese Liste wird Ihnen einen guten Überblick verschaffen und Ihnen Ihre Entscheidung erleichtern.

Sind die Gefühle tatsächlich weg?

Manchmal kann es Ihnen so vorkommen, als seien keine Gefühle mehr für den Partner vorhanden. Eventuell überschattet durch Streitigkeiten und einem wenig liebevollen Blick auf den Partner, kann es schwer sein, positiven Gefühlen Gehör zu schenken. Fühlen Sie sich geborgen in der Nähe Ihres Partners? Freuen Sie sich, den anderen zu sehen? Nein? Hier kann manchmal eine Trennung auf Zeit helfen. Dies müssen Sie nicht einmal mit Ihrem Partner absprechen. Sie können beispielsweise allein oder mit Freunden in Urlaub fahren oder sich ein Hobby zulegen, welches Ihnen erlaubt, Zeit alleine zu verbringen (z.B. wandern). So bringen Sie Abstand zwischen sich und den Partner und geben sich selbst die Chance, den Partner wieder zu vermissen. Fehlt Ihnen der Partner so ganz und gar nicht, ist das kein gutes Zeichen. Vermissen Sie ihn jedoch, sind definitiv noch Gefühle vorhanden, die Sie genauer unter die Lupe nehmen sollten.

Wie sieht Ihr Sexualleben aus?

Für viele eine heikle Frage. Wie sieht es mit der gemeinsamen Sexualität aus? Studien belegen, dass Paare, die ein regelmäßiges Sexleben haben, glücklicher sind und diese Ehen auch länger halten. Wenn Ihr Sexleben zufriedenstellend ist, ist dies eine gute Nachricht. Lust auf den anderen zu haben ist eine wichtige Basis für eine glückliche Beziehung und kann ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung sein, ob man gehen oder bleiben möchte. Ein eingeschlafenes Sexleben bedeutet jedoch nicht sofort, dass Ihre Beziehung nicht mehr zu retten ist. Oft hilft es, wenn beide offen miteinander reden. Im Besten Fall stellen Sie fest, dass sie gemeinsame, bisher unausgelebte, Fantasien haben. Sollten die Probleme tiefgreifender sitzen, ist der Gang zum Therapeuten eventuell ratsam. Vielleicht gibt es unverarbeitete Erlebnisse aus der Kindheit, die ein ausgefülltes Sexualleben verhindern. Sollten Sie aber keine Lust mehr haben, den Partner anzufassen, ist dies kein besonders gutes Zeichen. Es kann sein, dass Sie sich bereits innerlich verabschiedet haben.

Wird die nächste Partnerschaft wirklich besser?

Oft vergisst man, dass andere Menschen auch Fehler haben. Sind Sie bereit, die Vertrautheit, die Sie mit dem jetzigen Partner verbindet, aufzugeben? Je länger die Beziehung dauert, desto tiefer ist das Vertrauen und desto mehr kann man sich fallen lassen. Sind Sie bereit, das aufzugeben und in der nächsten Partnerschaft wieder neu aufzubauen? Sind Sie bereit, noch einmal ganz von vorne zu beginnen? Überlegen Sie sich gut, ob Sie gehen oder bleiben möchten.

Was ist Ihr Anteil an der Krise und könnten Sie die Beziehung noch positiv verändern?

Eine wichtige Frage, die Sie sich selbst stellen sollten, ist, ob Sie selbst etwas an der Beziehungsdynamik ändern können? In den meisten Beziehungen schleichen sich mit der Zeit bestimmte Muster ein, die negative Auswirkungen haben können. Ein typisches Beispiel sind Dynamiken, in denen sich ein Partner immer dann zurückzieht, wenn das Gegenüber beispielsweise nörgelt. Das Zurückziehen verursacht jedoch beim Partner Verunsicherung, was zu weiteren Streitigkeiten führt. Eine Spirale, die sich immer tiefer dreht. Vielleicht kennen Sie ähnliche Muster, die bei Ihnen in der Partnerschaft ablaufen. Stellen Sie sich vor, dass Sie diese Abläufe selbst beeinflussen können. Was würden Sie verändern und wie wäre das Ergebnis? Würde sich dadurch vielleicht etwas zum positiven verändern? Dann ist das sicherlich ein Versuch wert.

Wer hat sich verändert? Mein Partner oder ich mich selbst?

Fragen Sie sich einmal ganz genau, was sich eigentlich verändert hat. Was genau stört Sie und an wem kann dies liegen? Kann es sein, dass Ihnen die einst so niedlichen „Macken“ des Gegenübers plötzlich wie verheerende Fehler erscheinen? Sind Sie vielleicht allgemein unzufrieden mit Ihrem Leben und es ist einfacher, sich auf die Fehler des Anderen zu konzentrieren als auf das eigene Leben?

Expertentipp:

Gehen Sie einmal in sich und schreiben Sie auf, was Sie eigentlich stört. Versuchen Sie dabei ganz ehrlich zu sein, auch mit sich selbst. Vielleicht können Sie dadurch den scharfen Blick auf den Partner wieder ein bisschen aufweichen und über das ein oder andere hinwegsehen. Vielleicht merken Sie aber auch, dass es zwischen Ihnen Differenzen gibt, die nicht überbrückbar sind.

Umgang mit schwerwiegenden Problemen

Sollten Sie feststellen, dass Sie zu Beginn der Beziehung eine rosarote Brille aufhatten und wirklich schädliches Verhalten (Alkoholismus, Beziehungsunfähigkeit,...etc.) wissentlich übersehen haben, sollten Sie sich mit Ihrem Partner zusammensetzen und über eine gemeinsame Zukunft nachdenken. Wenn Ihr Partner ein Verhalten an den Tag legt, welches Ihnen selbst schadet, und keine Bereitschaft zur Veränderung vorliegt, ist es besser zu gehen - auch wenn es schmerzt. Ist der Partner jedoch bereit an der Beziehung und an den eigenen Problemen zu arbeiten, sollten Sie sich möglichst Hilfe von außen holen.

Expertentipp:

Eine Beziehungsberatung gibt Ihnen beiden die Chance, die gemeinsame Zeit aus einem neuen Blickwinkel heraus zu betrachten. Es ist gut möglich, dass Sie nach einiger Zeit eine viel glücklichere Beziehung haben werden, denn eine gemeinsame Bearbeitung von Problemen kann Ihre Beziehung vertiefen und stärken.

Das Wichtigste noch einmal zusammengefasst:

  • Eine Trennung ist kein einfacher Schritt - Nehmen Sie sich Zeit, um eine wohlüberlegte Entscheidung zu treffen, ob Sie gehen oder bleiben möchten.
  • Legen Sie eine Pro-und Contra Liste für die Frage „Gehen oder bleiben?“ an.
  • Machen Sie eine Bestandsprobe: Lieben Sie Ihren Partner noch?
  • Ein vorhandenes Sexualleben ist Indikator für eine gesunde Beziehung.
  • Ein Blick in die Zukunft: Wird es mit der oder dem Nächsten wirklich besser?
  • Können Sie selbst etwas verändern, um der Beziehung eine andere Richtung zu geben?
  • Fragen Sie sich, ob Sie sich zu sehr auf die „Macken“ des Partners konzentrieren.
  • Schaffen Sie Abstand, um verschüttete Gefühle wieder hochzuholen.
  • Wenn Sie schwerwiegende Probleme haben, ist Hilfe von außen wichtig.

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