Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le

Bild: Düsseldorfer Tabelle

Was re­gelt die Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le?

Sind Sie verheiratet, sorgen Sie gemeinsam für Ihr Kind. Jeder trägt seinen Teil bei. Trennen Sie sich, verbleibt das Kind im Haushalt eines Elternteils. Als betreuender Elternteil erfüllen Sie Ihre Unterhaltspflicht, indem Sie das Kind erziehen, betreuen und versorgen. Als nicht betreuender Elternteil leisten Sie hingegen Barunterhalt. Dieser Barunterhalt bemisst sich nach der Düsseldorfer Tabelle.

Das Wich­tigs­te

  • Die Düsseldorfer Tabelle listet die Zahlbeträge für den Kindesunterhalt auf.
  • Sie wird von den Gerichten weitgehend übereinstimmend bei der Unterhaltsberechnung angewandt. Dabei geht es um die Höhe der Unterhaltszahlbeträge sowie um die Art und Weise ihrer Berechnung im Einzelfall.
  • Um Ihre Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind nachzuvollziehen, müssen Sie von Ihrem Bruttoeinkommen ausgehend Ihr bereinigtes Nettoeinkommen errechnen.
  • Je nachdem, wie alt Ihr Kind ist, ergibt sich unter Berücksichtigung Ihres Selbstbehalts und des Bedarfskontrollbetrages Ihre Unterhaltspflicht.
  • Zuletzt angehoben wurden die Unterhaltszahlbeträge am 1. Januar 2020.

Was ist die Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le?

Die Familiengerichte berechnen den Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle. Sie enthält konkrete Beträge, die ein Kind benötigt, um seinen Lebensunterhalt sicherzustellen. Die Düsseldorfer Tabelle wird in regelmäßigen Abständen angepasst und ist derzeit in der Fassung vom 1. Januar 2020 maßgebend. Die nächste Anpassung steht für den 1. Januar 2021 an. Die Tabelle hat keine Gesetzeskraft und ist lediglich als Richtlinie zu verstehen, die dem Familienrichter eine Orientierung gibt, wie er den Kindesunterhalt ansetzen sollte. Da die Tabelle zwischen den Oberlandesgerichten unter Beteiligung der Unterhaltskommission des Deutschen Familiengerichtstages e.V. abgestimmt wird, hat sie dennoch eine weitgehend verbindliche Wirkung und wird von den Amts- und Landgerichten entsprechend berücksichtigt. Die Zahlbeträge orientieren sich in der ersten Einkommensstufe am Mindestbedarf für den Kindesunterhalt, den der Gesetzgeber nach der Mindestunterhaltsverordnung regelmäßig neu bewertet.

Trennung und Kinder

Tren­nung und Kin­der

Was gilt es zu beachten, wenn Sie sich trennen möchten und Kinder haben?

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Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le (Stand 1. Ja­nu­ar 2019)

Düsseldorfer Tabelle (Stand 1.Januar 2019)
Nettoeinkommen der/desBarunter­haltspflichtigen Altersstufen in Jahren Prozent­satz Bedarfs­kontroll­betrag
0 - 5 6 - 11 12 - 17 ab 18
1. bis 1.900 354 406 476 527 100 880/1.080
2. 1.901 - 2.300 372 427 500 554 105 1.300
3. 2.301 - 2.700 390 447 524 580 110 1.400
4. 2.701 - 3.100 408 467 548 607 115 1.500
5. 3.101 - 3.500 425 488 572 633 120 1.600
6. 3.501 - 3.900 454 520 610 675 128 1.700
7. 3.901 - 4.300 482 553 648 717 136 1.800
8. 4.301 - 4.700 510 585 686 759 144 1.900
9. 4.701 - 5.100 539 618 724 802 152 2.000
10. 5.101 - 5.500 567 650 762 844 160 2.100

Wie ver­ste­he ich die Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le?

Die Düsseldorfer Tabelle ist mehr als nur ein Zahlenwerk. Sie bedarf der Interpretation im Einzelfall. Es ist keineswegs so, dass Sie in Kenntnis Ihres Nettoeinkommens und der Altersstufe Ihres Kindes sofort den für Sie maßgebenden Unterhaltsbetrag ablesen könnten. Die in der Tabelle genannten Beträge hängen von einer Reihe von Faktoren ab.

1. Schritt: Bestimmen Sie Ihr Nettoeinkommen

Der Kindesunterhalt berechnet sich nach Ihrem sogenannten bereinigten Nettoeinkommen. Dafür ist Ausgangspunkt Ihr durchschnittliches Bruttoeinkommen der letzten drei Monate. Sind Sie selbstständig oder freiberuflich, berechnen Sie Ihr durchschnittliches Einkommen nach Maßgabe Ihrer Einnahmen-Überschussrechnung oder Bilanz. Vom Bruttoeinkommen dürfen Sie Sozialversicherungsbeiträge, Steuern, berufsbedingte Aufwendungen und berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten abziehen. Je nachdem, was sich als bereinigtes Nettoeinkommen ergibt, werden Sie in eine der Einkommensstufen 1 bis 10 eingestuft.

2. Schritt: Wie alt ist das Kind?

Die Düsseldorfer Tabelle stuft Kinder in vier Altersstufen ein (0 – 5 Jahre, 6 – 11 Jahre, 12 – 17 Jahre und über 18 Jahre). Ordnen Sie also in Abhängigkeit von Ihrem bereinigten Nettoeinkommen Ihr Kind in eine der vier Altersgruppen ein. Dann können Sie der Tabelle einen bestimmten Unterhaltszahlbetrag entnehmen. Aber auch dieser Betrag ist alleine noch nicht maßgebend.

3. Schritt: Korrigieren Sie die Einordnung

Sie müssen wissen, dass die Tabelle den monatlichen Unterhaltsbedarf für zwei unterhaltsberechtigte Personen ausweist. Als unterhaltsberechtigte Personen kommen in der Regel zwei Kinder oder ein Kind und der andere Elternteil in Betracht. Besteht Ihre Unterhaltspflicht nur für ein Kind, werden Sie im Regelfall in eine höhere Einkommensgruppe eingeordnet und zahlen entsprechend mehr Unterhalt. Zahlen Sie für mehr als zwei Personen Unterhalt, werden Sie in eine geringere Einkommensgruppe abgestuft. Der Betrag, den die einzelne unterhaltsberechtigte Person dann bekommt, ist also nicht unbedingt identisch mit dem Zahlbetrag, den die Tabelle entsprechend Ihres Einkommens ausweist. Insoweit müssen Sie stets noch den Bedarfskontrollbetrag berücksichtigen.

4. Schritt: Berücksichtigen Sie das Kindergeld

Das Kindergeld ist auf die Unterhaltszahlung anzurechnen. Die Düsseldorfer Tabelle berücksichtigt das Kindergeld noch nicht. Das Kindergeld beträgt ab dem 1. Juli 2019 für das 1. und 2. Kind 204 EUR, für das 3. Kind 210 EUR und für jedes weitere Kind 235 EUR. Erhält Ihr von Ihnen getrennt lebender Ehepartner also das Kindergeld, dürfen Sie die Hälfte davon auf Ihre Unterhaltspflicht zur Anrechnung bringen und zahlen entsprechend weniger Kindesunterhalt.

5. Schritt: Berücksichtigen Sie die Ausbildungsvergütung

Befindet sich Ihr Kind in der Ausbildung zu einem Beruf und lebt das Kind im Haushalt eines Elternteils, muss es sich seine Ausbildungsvergütung als eigenen Verdienst auf den Kindesunterhalt anrechnen lassen. Immerhin kann es insoweit für sich selbst sorgen. Vorher ist aber ein ausbildungsbedingter Mehrbedarf von monatlich 100 EUR abzuziehen.

6. Schritt: Kontrollieren Sie Ihren Selbstbehalt

Sind Sie unterhaltspflichtig, sollen Sie nicht zum Sozialhilfefall werden. Zur eigenen Existenzsicherung, steht Ihnen gegenüber minderjährigen Kindern sowie gegenüber volljährigen unverheirateten und im Haushalt eines Elternteils lebenden und sich in der allgemeinen Schulausbildung befindlichen Kindern bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres ein monatlicher Selbstbehalt zu.

Sind Sie erwerbstätig, beträgt Ihr Selbstbehalt 1.160 EUR. Sind Sie nicht erwerbstätig, beträgt der Selbstbehalt 960 EUR. Liegt Ihr bereinigtes Nettoeinkommen unterhalb dieser Beträge, sind Sie vielleicht moralisch, aber nicht rechtlich unterhaltspflichtig (Mangelfall). Die Selbstbeträge beinhalten Kosten für Ihre Miete oder den Kapitaldienst für Ihre eigenfinanzierte Immobilie einschließlich umlagefähiger Nebenkosten und Heizung. Die Selbstbehalte können in besonderen Fällen auch noch erhöht werden, wenn Ihre Wohnkosten höher liegen und angemessen sind. Ist Ihr Kind volljährig, beträgt der angemessene Eigenbedarf, inklusive der Warmmiete, in der Regel 1.400 EUR monatlich.

7. Schritt: Kontrollieren Sie Ihren Bedarfskontrollbetrag

Zuletzt gibt es noch den Bedarfskontrollbetrag. Er ist lediglich in der Einkommensstufe 1 mit Ihrem Selbstbehalt von 960/1.160 EUR identisch. Er steigt in der Einkommensstufe 2 jedoch an. Zweck des Bedarfskontrollbetrages ist, dass Ihr Einkommen zwischen mehreren unterhaltspflichtigen Personen ausgewogen verteilt werden soll. Verbleibt Ihnen unter Berücksichtigung aller Ihrer Unterhaltspflichten weniger als der Bedarfskontrollbetrag, ist der Kindesunterhalt der nächst niedrigeren Gruppe einzusetzen.

8. Schritt: Sind Sie ein Mangelfall?

Verdienen Sie wenig, kann es sein, dass Ihr Einkommen nicht ausreicht, um unter Berücksichtigung Ihres Selbstbehaltes den Kindesunterhalt in vollem Umfang zu bezahlen. Sie sind dann ein sogenannter relativer Mangelfall. Liegt Ihr Einkommen auch noch unterhalb Ihres Selbstbehaltes, sind Sie ein absoluter Mangelfall. Beim relativen Mangelfall ist Ihr verfügbares Einkommen auf mehrere unterhaltspflichtige Personen im Verhältnis anteilig zu verteilen. Dabei ist nach

§ 1609 BGB eine bestimmte Rangfolge zu berücksichtigen. Vorrangig müssen Sie Ihr minderjähriges Kind bedienen. Erst danach kommt der Unterhalt für Ihren, von Ihnen getrennt lebenden Ehegatten in Betracht.

Expertentipp: Sehen Sie sich außerstande, für Ihr Kind Kindesunterhalt zu leisten, kann der andere Elternteil in Vertretung des Kindes beim Jugendamt Unterhaltsvorschuss beantragen. Der Unterhaltsvorschuss wird neuerdings ohne Altersbeschränkung des Kindes und ohne zeitliche Befristung bis zur Volljährigkeit des Kindes bezahlt. Allerdings befreit Sie dies nicht von Ihrer Unterhaltspflicht. Das Jugendamt wird Sie selbstverständlich in Regress nehmen und den verauslagten Kindesunterhalt notfalls auch zwangsweise gegen Sie eintreiben.

Fa­zit

Unterhaltsberechnungen sind komplex. Zur ersten Orientierung können Sie unseren Unterhaltsrechner nutzen. Besser ist aber, wenn Sie sich anwaltlich beraten* lassen. Spätestens dann, wenn Sie den Unterhaltsanspruch gerichtlich durchsetzen müssen, dürften Sie ohnehin auf anwaltliche Unterstützung angewiesen sein. Idealerweise erkennt der unterhaltspflichtige Elternteil in einer Jugendamtsurkunde beim örtlich zuständigen Jugendamt seine Unterhaltspflicht ausdrücklich an und vermeidet damit eine aufwändige und für alle Beteiligten unangenehme und oft völlig sinnlose Auseinandersetzung.

Geschrieben von: Heinrich von Südhoff

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