Montag, 6. April 2020

Trennung und Kind

Familie an Ostern trotz Trennung und Corona

Familie an Ostern trotz Trennung und Corona

Ein Virus weiß nichts von Ostern. Es ist also ein Gebot der Vernunft, sich der Frage zu stellen, ob Feierlichkeiten für Familien an Ostern trotz Trennung und Corona stattfinden dürfen oder eher nicht. Wir erklären, nach welchen Kriterien Sie die Situation beurteilen sollten.

Wir haben alle ein gemeinsames Ziel

Die Ausgangsbeschränkungen wurden überwiegend bis zum 19. April und in einigen Bundesländern bis 20. April, also bis nach den Osterfeiertagen, verlängert. Damit ist klar, dass das Osterfest 2020 anders verläuft, als wir es gewohnt sind. Sinn und Zweck der Ausgangsbeschränkungen ist, durch den Kontakt zu anderen Menschen keine unnötigen Infektionsketten zu schaffen. Umgekehrt gilt es, durch das Kontaktverbot bestehende Infektionsketten zu unterbrechen. Nur so lässt sich vermeiden, dass sich das extrem ansteckungsfähige Virus weiterhin ausbreitet. Es gilt, die Dynamik der Infektionsketten aufzubrechen. Wir erreichen dieses gemeinsame Ziel nur, wenn wir alle das Kontaktverbot ernst nehmen und sich so viele Menschen wie möglich daran halten. Jeder unnötige Kontakt spielt dem Virus in die Hände.

Darf ich mit meiner Familie Ostern feiern?

Ja, Sie dürfen mit Ihrer Familie Ostern feiern, sofern Ihre Angehörigen in Ihrem Haushalt leben. Dies versteht sich daraus, dass das Ansteckungsrisiko ohnehin besteht und sich innerhalb des eigenen Haushaltes kaum vermeiden lässt. Sie können also Ihre Ostereier wie gewohnt im Garten oder unterm Sofa verstecken und sich daran erfreuen, wenn Ihre Kinder sich auf die Suche machen.

Darf ich Verwandte besuchen oder Verwandtenbesuche empfangen?

Möchten Sie hingegen mit außerhalb Ihres Hausstandes lebenden Angehörigen Ostern feiern und Angehörige zu sich nach Hause einladen oder Ihre Angehörigen in deren Wohnung besuchen, gilt es Einschränkungen zu beachten. Jedes Bundesland hat hierzu eigene Vorstellungen. Außerdem finden sich hierzu im Internet sehr unterschiedliche Empfehlungen. Ausgangspunkt jeglicher Beschränkungen sollte das Kontaktverbot sein. Demnach dürfen Sie ohne triftigen Grund Ihre Wohnung nicht verlassen. Der Verwandtenbesuch über Ostern dürfte kaum als triftiger Grund in Betracht kommen.

So hat das sächsische Innenministerium verlautbaren lassen, dass der Besuch von Familienangehörigen nur bei gleichem Haupt- oder Nebenwohnsitz erlaubt sei. Ist dies nicht der Fall, besteht ein Kontaktverbot. Der Besuch von Verwandten in anderen Orten oder gar anderen Bundesländern ist also mindestens riskant. Sollten Sie sich auf den Weg machen, müssen Sie mit verstärkten Polizeikontrollen rechnen und riskieren Bußgelder in dreistelliger Höhe. Auch Ausflüge zu touristischen Zwecken sind verboten. In Sachsen drohen Bußgeld bis 400 EUR. Der Grund dafür ist schlicht, dass Sie aus der Isolation Ihrer Wohnung ausbrechen und sich selbst und Ihre Angehörigen einem unnötigen Infektionsrisiko aussetzen, das Sie nicht wirklich zuverlässig beurteilen können. Besuche in Altenheimen, Krankenhäusern und Behinderten-Einrichtungen sind ohnehin verboten.

Treffen Sie Ihre Angehörigen beim Spaziergang, sollten Sie den Kontakt auf zwei Personen einschränken. Jede weitere Person ist eine Person zu viel. Kein Problem ist der Osterspaziergang mit Angehörigen des eigenen Hausstandes.

Rechtliche Informationen zum Coronavirus

Gibt es Ausnahmen, Verwandte zu besuchen?

Die Ausgangsbeschränkungen erlauben Ausnahmen, wenn es um Notbetreuung oder Hilfe für andere geht. Möchten Sie also Ihre Eltern besuchen, rechtfertigt sich der Besuch nur, wenn ein Elternteil alt, krank oder sonst unterstützungsbedürftig ist. Ansonsten sollten Sie beherzigen, dass Sie den Kontakt zu den Eltern außerhalb Ihres eigenen Hausstandes trotzdem möglichst vermeiden sollten. Wenn der Besuch aus guten Gründen dennoch geboten erscheint, versteht sich, dass Sie peinlichst auf die Hygiene achten und so gut es geht, Abstand einhalten. Ihre Eltern zu umarmen, ist nicht unbedingt empfehlenswert. Vielleicht reicht es, den Kontakt bis an die Haustür zu beschränken.

Die Ausnahme hat aber gerade ihre Tücke darin, dass ältere Menschen als Risikopersonen gelten. Besuchen Sie Ihre Eltern, ohne dass dafür ein sachlich begründeter Anlass besteht, setzen Sie Ihre Eltern dem Risiko aus, dass Sie sich infizieren. Das Problem dabei ist, dass Sie möglicherweise selbst bereits infiziert sind, keinerlei Symptome einer Erkrankung zeigen und dennoch das Virus übertragen können. Das Robert-Koch-Institut bezeichnet als Risikopersonen solche Menschen, die über ein geschwächtes Immunsystem verfügen oder Grunderkrankungen wie Krebs, Herz-, Kreislauf- oder Lungenleiden haben.

Der Grund für die extrem hohe Zahl an Erkrankungen und Todesfällen in Italien und Spanien könnte nach Ansicht von Experten mithin genau darin begründet liegen, dass in vielen Familien traditionell ältere und jüngere Menschen zusammenleben und vornehmlich ältere Menschen durch den Kontakt mit jüngeren Verwandten einem besonders hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Ausnahmen gelten auch für Geburts-, Kinder- und Palliativstationen sowie Besuche zur Sterbebegleitung naher Angehöriger. Die Zahl gleichzeitig anwesender Angehörigen ist auf fünf Personen begrenzt.

Ich habe ein Umgangsrecht. Darf ich mein Kind zu mir nehmen?

Möchten Sie Ihr Umgangsrecht für Ihr Kind wahrnehmen, haben Sie durchaus einen triftigen Grund, das Haus zu verlassen. Das Ansteckungsrisiko ist kein Grund, Ihnen das Umgangsrecht zu verweigern. Es könnte aber durchaus Grund sein, auf das Umgangsrecht zu verzichten. Immerhin schaffen Sie ein Ansteckungsrisiko für sich selbst und vor allem für Ihr Kind, wenn Ihr Kind seine gewohnte und relativ abgesicherte Wohnung verlässt. Das Risiko besteht auch, wenn Sie das Kind beim anderen Elternteil besuchen. Im schlimmsten Fall tragen Sie das Virus über die Türschwelle.

Finden Gottesdienste statt?

Gottesdienste finden nicht statt. Es wäre wohl zu aufwendig, die Besucher so zu trennen, dass ein potentielles Ansteckungsrisiko vermieden wird. Ungeachtet dessen dürfen Sie aber allein in die Kirche und auf den Friedhof gehen.

Voraussetzung ist lediglich, dass Sie den Mindestabstand von ca. 1 m zu anderen Person einhalten. Die Kirchen haben angekündigt, Gottesdienste online auszustrahlen. Auch der Papst wird den österlichen Segen online verkünden. Gehen Sie mit Ihrer Familie auf den Friedhof, darf der Besuch nur alleine oder mit Angehörigen Ihres eigenen Hausstandes stattfinden. Auf dem Friedhof dürfen Sie ansonsten nur mit einer Person zusammenstehen, die nicht zu ihrem Hausstand gehört.

Feiern Sie Ostern online

Kann der persönliche Kontakt mit Ihren Angehörigen nicht stattfinden, könnten Sie immer noch miteinander skypen oder sich über einen Messengerdienst in die Augen sehen.

Alles in allem

Feiertage wie Ostern sind immer emotional geprägt. Wir sollten unser emotionales Empfinden aber nicht über die Vernunft stellen. Vielleicht wird Ostern in diesem Jahr deshalb gut und schön, weil wir die Aussicht haben, wieder in normale Lebensverhältnisse zurückzufinden.

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