Mittwoch, 29. Januar 2020

Trennungsgründe

Ist Fremdgehen ein Trennungsgrund?

Ist Fremdgehen ein Trennungsgrund?

Geht Ihr Ehepartner fremd, müssen Sie selbst wissen und entscheiden, ob Sie darin einen Trennungsgrund sehen. Vielleicht hilft es, wenn Sie denken, wer in die Fremde geht, kommt auch wieder zurück. Hilft Ihnen diese Perspektive nicht, müssen Sie letztlich abwägen, ob Sie Ihre Ehe trotzdem fortsetzen wollen oder die Trennung einleiten. Es hilft, wenn Sie sich damit beschäftigen, was Ihre Ehe ausmacht und welche Perspektive die Untreue Ihres Partners nach sich zieht.

Ist Fremdgehen ein Merkmal unserer Zeit?

Wir leben in einer Zeit, in der andere Dinge wichtig sind als früher. Ungeahnte Entwicklungen bestimmen unser Leben. Globalisierung, Digitalisierung und Technisierung geben die Richtung vor. Auch die Ehe als Institution scheint auf dem Prüfstand zu stehen. Das Internet bietet Möglichkeiten, per Dating-App Kontakte zu knüpfen und Gelegenheiten wahrzunehmen, die früher undenkbar waren. Wer dann der Versuchung nicht widerstehen kann, geht schnell Wege, für die es kein Zurück gibt. Auch wenn die eheliche Untreue so alt ist wie die Menschheit selbst, ist Fremdgehen wohl einer der häufigsten Trennungsgründe, heute mehr denn je.

Was macht Ihre Beziehung aus?

Empfinden Sie Fremdgehen Ihres Partners als eine Beleidigung Ihrer Person, sollten Sie prüfen, warum dieser Eindruck in Ihnen gärt. Sie sollten sich klarwerden, worauf Ihre Beziehung eigentlich aufbaut. Ihre ursprünglich romantische Beziehung könnte im Laufe der Jahre den Anforderungen des Lebensalltags gewichen sein. Beziehungen wachsen aber auch. Die Beziehung zum Partner beginnt mit der gegenseitigen Zuneigung und wächst mit allem, was Ihr gemeinsames Leben im Laufe der Jahre ausmacht.

Ihre Kinder, Ihre gemeinsamen Urlaube, Ihr gemeinsam gebautes Familienwohnhaus und alles, was Sie gemeinsam im Leben erlebt und überstanden haben, schafft eine Basis, die Sie nicht einfach so über Bord werfen sollten. Auch dort wo Sie leben, wo Ihre Heimat ist und wo Sie sozial verwurzelt sind, ist Teil Ihrer Beziehung. Wenn Sie das, was Ihre Beziehung ausmacht, zur Grundlage Ihrer Beurteilung machen, werden Sie erkennen, dass Ihre Ehe trotz der eventuellen Untreue Ihres Partners vielleicht doch noch erhaltenswert ist. Wägen Sie also überlegt ab, in welche Richtung das Pendel ausschlägt.

Warum empfinden Sie Fremdgehen als Betrug?

Geht Ihr Partner fremd, empfinden Sie dessen Untreue möglicherweise als Betrug. Betrug an Ihrer Liebe und Ihrer Beziehung. Vielleicht hat jeder Mensch die Sehnsucht in einer Zweierbeziehung zu leben, die für andere absolut tabu ist. In dieser Zone fühlen Sie sich wohl und sicher. Sie haben den Anspruch, dass Ihr Partner nur Sie sieht, nur an Sie denkt und alles andere, was Sie als Konkurrenz empfinden, ignoriert. Drängt dann ein Konkurrent-/in in diese Beziehung ein, haben Sie vielleicht das Gefühl, dass Ihre Beziehung wie ein Kartenhaus zusammenbricht. Aber: Kartenhäuser brechen nur deshalb zusammen, weil sie nicht besonders stabil gebaut sind. Ist Ihre Beziehung einigermaßen stabil, sollte die eheliche Untreue nicht zum Einsturz Ihrer Ehe führen.

Was könnten Sie jetzt tun?

Geht der Partner fremd, fühlen Sie sich in Ihrem Bedürfnis nach Anerkennung, Wertschätzung und dem Verlangen, begehrt zu werden, verletzt und missachtet. Sie sollten dem untreuen Partner aber nicht gleich unterstellen, dass er/sie sich vorsätzlich verhalten hat, nur um Sie zu verletzen. Fremdgehen ist oft das Ergebnis dessen, dass sich ein Partner aus einer emotionalen Enge befreien möchte oder schlicht und einfach der Versuchung erliegt, eben einmal fremd zu gehen.

Sie sollten möglichst vermeiden, dem Partner die Schuld für sein Fehlverhalten aufzubürden. Richtig ist, Fremdgehen als Fehlverhalten festzustellen und zu offenbaren, dass Sie sich betrogen fühlen und verletzt sind. Wenn Sie dem Partner sein Fehlverhalten jetzt aber fortlaufend vorhalten, werden Sie den Weg nicht verlassen können. Sie nötigen den Partner, sich ständig zu verteidigen und verhindern, dass Sie Auswege finden. Bestenfalls gestehen Sie sich selbst ein und gestehen dem Partner zu, dass er oder sie einen Fehler gemacht hat. Fehler sind insoweit gut und lehrreich, als das der Mensch daraus die Erkenntnis zieht, dass er oder sie sich künftig nicht mehr so verhalten wird. Wenn Sie Ihre Auseinandersetzung auf diese Basis zurückführen, sollten Sie die Chance haben, Ihre Ehe fortzusetzen.

Und überhaupt: Eheliches Fehlverhalten hat seine Ursache oft in der Person beider Partner. Ein Partner allein trägt selten ausschließlich Schuld. Ohne jetzt den Spieß umdrehen zu wollen, sollten Sie in sich gehen und überlegen, inwieweit Sie zumindest Mitverantwortung dafür tragen, dass sich Ihr Ehepartner auf einen Seitensprung eingelassen hat.

Stefanie Katerle vergleicht in ihrem Buch „Seitensprünge: Warum Untreue nicht zur Trennung führen muss“ (Klett-Gotta, 2018)  Fremdgehen mit einem Blitzeinschlag im gemeinsamen Haus. Ein Blitz kann vieles zerstören. Als Ehepaar müssen Sie dann entscheiden, ob Sie das gemeinsame Haus weiter bewohnen, renovieren oder verlassen. Möchten Sie weiter darin wohnen, müssen Sie das Haus wieder bewohnbar machen. Dies ist mit Arbeit verbunden. Sie müssen Ihr Vertrauen zum Partner wieder aufbauen. Es gilt, sich mit einem Problem auseinandersetzen, das wohl neu für Sie ist und mit dem Sie keine Erfahrungen haben. Aber dennoch: Gelingt Ihnen die Renovierung, wohnen Sie in einem Haus, das vielleicht stabiler gebaut ist als zuvor.

Einmaliger Seitensprung oder Langzeitaffäre?

Es gibt Dinge, die passieren einfach. Auch in der Ehe. Auch die Ehe ist keine Garantie für ewige Treue. Dabei ist es so, dass ein einmaliger Ausrutscher anders zu beurteilen ist als eine Langzeitaffäre. Dauert eine Affäre länger, wird es schwieriger, die frühere Beziehung am Leben zu erhalten. In einer längeren Affäre bauen sich emotionale Bindungen auf. Es entstehen Verbindlichkeiten, aus denen der untreue Partner nicht einfach so wieder ausbrechen kann. Sie sollten dann wirklich eine Bestandsaufnahme machen und im Gespräch mit dem Partner klären, wie weit Ihre Beziehung noch eine Chance hat.

Welche Perspektive besteht nach einer Trennung?

Trennung ist das eine, der Aufbau einer neuen Existenz das andere. Nehmen Sie die Untreue Ihres Partners zum Anlass für eine Trennung, müssen Sie sich Gedanken darüber machen, wie Sie Ihr Leben künftig gestalten. Sie müssen emotional, aber auch wirtschaftlich und organisatorisch klarkommen. Haben Sie bislang alles gemeinsam erledigt, stehen Sie vor Aufgaben und Anforderungen, für die Sie sich erst wappnen müssen.

Trennung unter einem Dach

Sich nach einer langjährigen Ehe einfach mal so zu trennen, dürfte eine schwierige Entscheidung sein. Vielleicht versuchen Sie es mit einer Trennung unter einem Dach. Soweit Ihre räumlichen Verhältnisse es erlauben, könnten Sie die Räumlichkeiten in Ihrer gemeinsamen Wohnung untereinander aufteilen. Jeder Partner nutzt nur die Räume, die ihm/ihr zugewiesen sind. Küche und Bad nutzen Sie nach Absprache gemeinsam. So haben Sie die Möglichkeit, sich aus dem Wege zu gehen, wissen aber dennoch, dass der Partner noch nicht völlig aus Ihrem Leben entschwunden ist. Vielleicht heilt die Zeit die eine oder andere Wunde. Auf jeden Fall schaffen Sie sich Zeit, Ihre Beziehung zu überdenken, ohne dass Sie gleich alles zerstören. Und: Die räumliche und organisatorische Trennung in der ehelichen Wohnung beeinträchtigt nicht den Ablauf des Trennungsjahres bis zur Scheidung.

Alles in allem

Stellen Sie fest, dass der Partner untreu war oder offenbart sich der Partner, sollten Sie eine Bestandsaufnahme machen. Eine direkte emotionale Entscheidung, mit der Sie die sofortige Trennung einleiten, lässt sich im Nachhinein möglicherweise kaum mehr wirklich rechtfertigen. Dann aber wäre es zu spät. Wenn Sie die Untreue aber gewichten, könnte sich vieles relativieren. Bestenfalls finden Sie gemeinsam wieder auf den richtigen Weg zurück.

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