Trennung und Neubeginn

Kindern neuen Partner vorstellen

Donnerstag, 22. Juli 2021, geschrieben von .

Kindern neuen Partner vorstellen

Früher oder später stehen Sie vor genau dieser Herausforderung: Sie müssen Ihren Kindern Ihren neuen Partner oder Ihre neue Partnerin vorstellen. Jetzt gilt es, nichts zu überstürzen. So, wie Sie Ihren neuen Partner oder Ihre neue Partnerin über einen längeren Zeitraum kennengelernt haben, sollten Sie auch Ihren Kindern zugestehen, sich an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen. Mit etwas Geduld und gegenseitiger Rücksichtnahme können Sie als Patchwork-Familie zusammenwachsen.

Neue Beziehung als Herausforderung

Sie leben getrennt oder sind geschieden. Ihre Kinder mussten mit der Herausforderung klarkommen, dass die in ihrer Vorstellung vielleicht heile Familie zerbrochen ist und ein Elternteil die eheliche Wohnung und damit auch die Gemeinschaft der Familie verlassen hat. Oft fühlen sich Kinder persönlich dafür verantwortlich, dass die Familie zerbrochen ist. Oder sie hoffen noch darauf, die Elternteile doch wieder irgendwie zusammenzuführen.

Haben Sie eine neue Beziehung nach der Trennung und tritt dann plötzlich ein neuer Partner oder eine neue Partnerin auf den Plan, reagieren Kinder teils mit Rückzug, Desinteresse, Widerstand und vor allem Trotz. Für Sie als Elternteil ist es jetzt wichtig, sich genau diese Situation zu vergegenwärtigen und nichts zu tun, was diese Gefühlswelt Ihres Kindes noch mehr durcheinanderwirbelt. Jetzt ist viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen gefragt.

Wann soll man Kindern den neuen Partner vorstellen?

Je länger Sie bereits alleinerziehend gelebt haben, desto schwieriger könnte es sich gestalten, dass das Kind den neuen Partner oder die neue Partnerin akzeptiert. Kinder gewöhnen sich schnell daran, einen Elternteil für sich allein zu haben und fühlen sich überfordert, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen.

Wie lange sollte man also warten bevor man den Kindern den neuen Partner vorstellt? Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Sie sollten den Partner weder voreilig vorstellen, noch sollten Sie so lange warten, dass das Kind auf anderem Wege von der Beziehung erfährt. Je nach individueller Situation kann es hilfreich oder problematisch sein, ebenfalls die Kinder des neuen Partners direkt mit einzubeziehen. Am besten besprechen Sie gemeinsam, ob der Partner sich mit seinen eigenen Kindern vorstellt oder erstmal alleine kommt. Auf keinen Fall sollten Sie die Kinder überfordern – geben Sie allen Beteiligten die Chance, sich aneinander zu gewöhnen.

Neuen Partner vor Kindern vs. Teenagern vorstellen

Jüngere Kinder akzeptieren den neuen Partner meist schneller, während ältere Kinder sich in der Verantwortung fühlen, die Interessen des getrenntlebenden leiblichen Elternteils in der Familie wahrnehmen zu müssen. So oder so, Sie brauchen jede Menge Einfühlungsvermögen und müssen auch den Partner oder die Partnerin darauf vorbereiten, wie Sie Ihre Beziehung strategisch mit dem Kind planen. Überlassen Sie also nichts dem Zufall. Passen Sie das erste Treffen an das Alter Ihrer Kinder an und berücksichtigen ihre individuelle Stimmung.

Wie erklärt man Kindern den neuen Partner?

Klar, dass Sie darauf brennen, Ihren Kindern den neuen Partner vorzustellen. Es ist erfahrungsgemäß aber kein guter Weg, ein Kind mit der Tatsache direkt zu konfrontieren, indem Sie sagen: „Dies ist mein neuer Partner“. Kinder sind mit einer solchen Situation meist überfordert und reagieren aus einer natürlichen Abwehrhaltung heraus und weigern sich womöglich, sich mit dieser neuen Perspektive überhaupt zu beschäftigen. Es ist normal, wenn Kinder Veränderungen von außen als Bedrohung empfinden. Sie sollten den Weg des Kennenlernens also anders angehen.

Gewöhnen Sie Ihr Kind an den neuen Partner

Statt mit der Tür ins Haus zu fallen, ist es meist besser, den neuen Partner oder die neue Partnerin „geplant zufällig“ in den Alltag des Kindes einsteigen zu lassen. Das Kind sollte den neuen Partner als Gast und keineswegs als Eindringling empfinden. Auch wenn Sie selbst noch so sehr verliebt sind, dürfen Sie nicht erwarten, dass Ihr Kind den neuen Partner direkt herzlich aufnimmt. Zuneigung und Vertrauen brauchen Zeit. Beachten Sie dabei Folgendes:

  • Bewährt hat sich beispielsweise, wenn die künftige Familie einen Ausflug, Zoo- oder Kinobesuche unternimmt oder der neue Partner etwas tut, was der ganzen Familie zugutekommt.
  • Dazu brauchen Sie den neuen Partner nicht gleich als Ihren Partner zu bezeichnen. Stellen Sie ihn oder sie einfach als Freund oder Bekannten dar, der mehr oder weniger zufällig präsent ist und seinen Aufenthalt in der Familie zeitlich beschränkt.
  • Geben Sie dem Kind das Gefühl, dass die neue Bekanntschaft Vorteile für die gesamte Familie hat und beziehen es mit ein.
  • Wenn der neue Partner dann häufiger an familiären Aktivitäten teilnimmt, bei alltäglichen Verrichtungen präsent ist, zum Mittagessen oder zum Abendessen eingeladen wird, können sich Ihre Kinder allmählich an diesen Umgang gewöhnen und nach und nach ein gewisses Vertrauen aufbauen.
  • Vorteilhaft wäre, wenn der neue Partner oder die neue Partnerin Fähigkeiten, Talente oder Interessen besitzt, die auch das Kind interessieren. So lassen sich schnell Gemeinsamkeiten herstellen, auf denen sich gegenseitiges Vertrauen aufbaut. Interessiert sich das Kind beispielsweise für Modellbau oder Tischtennis, wäre es konstruktiv, die Beziehung zum Kind mit einem solchen Werkzeug aufzubauen.

5 Tipps für den Umgang mit dem Kind und dem neuen Partner

Als Elternteil kennen Sie Ihr Kind am besten und wissen, wie Sie auf seine individuellen Bedürfnisse eingehen. Die folgenden 5 Tipps können Ihnen dabei helfen, die Patchwork-Familie zusammenzuführen:

  1. Geben Sie Ihrem Kind immer das Gefühl, dass der getrenntlebende oder geschiedene Elternteil trotz der Trennung und Scheidung der Elternteil Ihres Kindes bleibt und sich daran nichts ändern wird. Geben Sie Ihrem Kind zu verstehen, dass Sie trotz der neuen Partnerschaft für das Kind da sind und sich nichts und niemand zwischen sie beide drängen kann.
  2. Vermeiden Sie vor allem, Ihr Kind in einen Loyalitätskonflikt zu zwingen. Findet sich ein Kind mit dem Stiefelternteil gut zurecht, könnte das Kind befürchten, den getrenntlebenden leiblichen Elternteil zu hintergehen, wenn er den Stiefelternteil in erzieherischen Fragen vorbehaltlos akzeptiert.
  3. Stellen Sie klar, dass der Stiefelternteil den leiblichen Elternteil nie und nimmer ersetzen kann und nicht die Absicht besteht, diesen Anspruch zu erheben.
  4. Vor allem muss der Stiefelternteil alles unterlassen, was den leiblichen Elternteil in ein schlechtes Licht stellt. Reden Sie immer in Gegenwart Ihrer Kinder höflich und respektvoll über den leiblichen Elternteil.
  5. Eine neue Beziehung ist auch zeitlich eine Herausforderung. Darunter sollte jedoch nicht der Umgang mit dem Kind leiden. Hat ein Kind das Gefühl, es komme zu kurz, wird es wahrscheinlich eifersüchtig und abweisend reagieren. Achten Sie also darauf, dem Kind so viel Zeit zu widmen, dass es keine Probleme damit hat, wenn Sie sich mit dem neuen Partner treffen. Geben Sie dem Kind das Gefühl, dass es genauso wichtig ist wie Ihre neue Partnerschaft und es den gleichen Stellenwert hat, den es zuvor auch hatte.

Achtung: Ihr neuer Partner ist kein Erziehungsberechtigter!

Achten Sie darauf, dass der neue Partner nicht versucht sein darf, erzieherische Aufgaben wahrzunehmen oder Ihr Kind in irgendeiner Art und Weise zu maßregeln. Ihr Kind wird in der frühen Phase der Bekanntschaft nichts akzeptieren, was es nur von einem leiblichen Elternteil akzeptieren würde. 

Frühestens dann, wenn Ihr neuer Partner Teil Ihrer Familie geworden ist, kann er oder sie als Stiefelternteil im Wege des sogenannten kleinen Sorgerechts an Entscheidungen des täglichen Lebens Ihres Kindes teilhaben. Diese Sorge bedarf jedoch einer gefestigten Vertrauensgrundlage und lässt sich nicht erzwingen.

Verdeutlichen Sie dem Kind auch Ihre Bedürfnisse

Ihr Kind ist sicherlich der Mittelpunkt Ihres Lebens. Trotzdem sollten Sie Ihre Interessen nicht vernachlässigen. Gerade, weil Sie eine neue Beziehung aufbauen, begründen Sie, dass Sie auch Ihren Bedürfnissen Ausdruck verleihen wollen. Erklären Sie Ihrem Kind, dass auch Sie das Recht haben, zu lieben und geliebt zu werden und Sie erwarten dürfen, dass das Kind diese Wünsche und Perspektive akzeptiert.

Vermeiden Sie nach Möglichkeit im Anfangsstadium des Kennenlernens, den neuen Partner vor den Kindern zu küssen oder sich küssen zu lassen. Sie provozieren Eifersucht, wenn das Kind das kaum zu kontrollierende Gefühl hat, seinen leiblichen Elternteil verteidigen zu müssen. Haben Sie also die Geduld, Liebeleien mit dem neuen Partner oder der neuen Partnerin in Anwesenheit des Kindes in einer Phase zu verlagern, in der das Kind den neuen Partner akzeptiert hat.

Alles in allem

Nach der Trennung und Scheidung mit Kind müssen Sie Ihr Leben neu organisieren. Gehen Sie eine neue, auf Dauer angelegte Beziehung ein, stehen Sie vor der Herausforderung, Ihren Partner bzw. Ihre Partnerin auch Ihren Kindern vorzustellen. Mit der dafür notwendigen Geduld und der richtigen strategischen Planung schaffen Sie es, als Patchwork-Familie zusammenzuwachsen und den Alltag zu meistern.

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