Trennungsgründe

Nur noch Freunde - wenn die Leidenschaft erlischt

Dienstag, 1. August 2017, geschrieben von .

Nur noch Freunde - wenn die Leidenschaft erlischt

Gewohnheit ist ein hässliches Wort. Es klingt nach Staub, nach Erstarrung und nach Trostlosigkeit. Dabei strebt doch eigentlich jeder danach, die Dinge die er gern hat immer wieder zu erleben und immer um sich zu haben.

Vor allem bei langjährigen Partnerschaften besteht das Risiko, dass im Laufe der Zeit die die intensive Liebe und Leidenschaft zu Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner verschwindet. Die Gewohnheit macht sich breit und kann – wenn man nichts dagegen tut - Aufregung und Bauchkribbeln durch Langeweile ersetzen. Vielleicht bleibt nur noch Freundschaft zu Ihrer Partnerin bzw. zu Ihrem Partner, zu Ihrer Frau bzw. zu Ihrem Mann, oder es stellt sich sogar völlige Gleichgültigkeit ein. Früher oder später stehen Sie dann vor der Entscheidung: Bleiben oder trennen? 

Eigentlich ist alles gut...

Das Seltsamste an so einer Situation ist, dass es einem eigentlich gut geht. Man versteht sich in der Beziehung blind. Man hat in dem Partner einen Freund für das Leben gefunden, bildet ein Team, das spielend den alltäglichen Wahnsinn von Haushalt bis Kindererziehung meistert. Man ist freundlich zueinander und hat auch eine gemeinsame Ehegeschichte voller Höhen und Tiefen hinter sich, die Vertrautheit gibt und zusammenschweißt. Man erzählt sich gewissenhaft von den Erlebnissen des Tages und ergänzt und hilft sich wo man nur kann. Auch von Streit ist nicht viel zu spüren. Ein Beobachter muss die eigene Ehe im Grunde für perfekt halten und würde keinesfalls eine Trennung vermuten.

Aber...

Trotzdem fehlt irgendwas in der Beziehung zu Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner. Vielleicht erkennen Sie dieses Gefühl wieder und fragen sich: Gab es nicht mal Zeiten in denen man sich aus Sehnsucht und Lust kaum voneinander lösen konnte? In denen man der nächsten Berührung entgegengefiebert hatte? Waren da irgendwann nicht mal romantische Abende ohne Ende und verliebt tiefe Gespräche bis in den Sonnenaufgang? Möglich. Nun jedenfalls herrscht im Bett meist Langeweile oder Flaute und auch der Austausch von Zärtlichkeiten geht nicht wesentlich über den unterbewussten Norm-Pflichtkuss hinaus. Wenn man der – unangenehmen – Wahrheit ins Auge blickt, stellt man fest: Aus feuriger Liebe ist eine nunmehr platonische Beziehung, eine reine Freundschaft, geworden. Man lebt nicht mehr wie zwei Partner, gleich ob Mann und Frau oder in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung, sondern bestenfalls noch wie Freund und Freund zusammen.

Was nun?

Die entscheidende Frage ist jetzt wie glücklich oder unglücklich man in dieser Situation ist. Akzeptiert man die Nachteile und ist im Großen und Ganzen trotzdem zufrieden mit seinem Leben. Oder hat man nur Angst vor der Trennung und lenkt sich irgendwie ab. Versucht die Leere in der Partnerschaft irgendwie zu überspielen um nicht irgendwann allein da zustehen. Letzteres ist nichts anderes als Selbstbetrug und wird früher oder später sowieso zur Trennung führen. Dann aber hat man womöglich sehr viel wertvolle Lebenszeit verschenkt. Zeit, die nicht mehr wiederkehrt.

Von dieser Frage ausgehend hat man im Grunde drei Möglichkeiten: Kämpfen, Arrangieren oder die Beziehung beenden und gehen.

Um die Beziehung Kämpfen:

Gehen Sie Ihrem Gefühl für Ihre Frau bzw. Ihrem Mann auf den Grund. Lieben Sie Ihren Partner noch? Gerade wenn nicht die Liebe, sondern „nur“ die Leidenschaft und die sexuelle Anziehung verschwunden ist, kann es sich auch nur um eine Phase, eine Durststrecke handeln. Solange Sie noch eine Freundschaft verbindet, können Sie vielleicht den Weg zurück finden und eine Trennung vermeiden, indem Sie die Liebe neu entfachen. Besonders in stressigen Zeiten können Ängste, Sorgen und Erwartungsdruck zum regelrechten Lustkiller werden. Leidenschaft kann dann nicht einfach auf Knopfdruck erzeugt werden. Auch häufiger Streit und falsche Kommunikation können das Verlangen genauso wie die zärtlichen Gefühle blockieren.

Um aus diesem Dilemma herauszukommen und die Trennung zu vermeiden gibt es verschiedene Möglichkeiten. So kann man sich unter anderem erotische Anregungen aus Büchern oder Filmen holen oder einfach mal einen romantischen Ausflug in eine neue, fremde Umgebung machen. Allein das kann manchmal schon Wunder wirken. Auch kann es nicht schaden die Welt der eigenen Phantasien zu erforschen und gegenüber dem Partner zur Sprache zu bringen. Umgekehrt sollte man sich auch nicht davor scheuen, den Partner nach seinen Wünschen und Vorlieben zu fragen. Wenn das allein noch nicht weiterhilft, kann es durchaus Sinn machen professionelle Hilfe in Form einer Paarberatung, Paartherapie oder Sexualtherapie in Anspruch zu nehmen.

Mit der Beziehung Arrangieren:

Die zweite Möglichkeit ist, die momentane Situation einfach auf sich beruhen zu lassen. Erotik, Leidenschaft und Zärtlichkeit gehören für viele Menschen untrennbar zu einer Partnerschaft dazu. Aber niemand sagt, dass das so sein muss. Wem Vertrauen, Verlässlichkeit, Verständnis und gegenseitige Unterstützung mehr bedeuten, der kann auch mit einer „Ehefreundschaft“ noch wunderbar weiterleben. Solch eine Freundschaft kann ebenso selten wie kostbar sein. Klar, viele streben in Liebesdingen die 100% an. Aber eine solche hundertprozentige Partnerschaft ist sehr selten und man könnte es schließlich auch viel schlechter treffen. Insbesondere wenn Paare ein gemeinsames Kind haben und dieses gemeinsam aufwachsen sehen möchten, ohne eine Trennung und Scheidung zu erleben, arrangieren sich viele mit einer Ehe ohne leidenschaftliche Liebe.

Wirklich problematisch wird es nur dann, wenn einem Partner die schwindende Leidenschaft mehr gegen den Strich geht als dem anderen. Nicht jeder kann sich mit einer Freundschaft auf Dauer begnügen.

Beziehung beenden und Gehen:

Gerade wenn ein – oder beide - Partner sich in der Ehe nur noch quält bzw. quälen und neben der Aufregung zwischen den Laken auch mehr und mehr die einfachen Zärtlichkeiten und Aufmerksamkeiten fehlen, die eine glückliche Ehe ausmachen, wird es Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen und sich zu trennen. Zu groß ist dann die Gefahr eine Ehe nur aus Angst vor der Einsamkeit, vor den finanziellen Konsequenzen oder aus Gewohnheit aufrechtzuerhalten. Nur noch zusammenzubleiben wegen Haus, Kind und Kegel und nicht mehr aus Liebe. Wer jetzt geht um etwas Besseres zu finden geht natürlich das Risiko ein, dass er in seiner nächsten Ehe wieder an diesen Punkt kommt. Aber wenn die Alternative ein unglückliches Leben ist, ist es vielleicht den Versuch wert. Die Entscheidung mag nicht leicht fallen, doch sollten Sie den Weg wählen, der langfristig am besten für Sie und Ihre Familie ist. Schließlich hat jeder Mensch die Chance auf eine neue Liebe und Familienglück verdient. Wenn dies zu der Entscheidung führt, sich zu trennen, müssen Sie sich dieser bitteren Wahrheit früher oder später stellen.

Alles in allem

Jeder Mensch kann in seiner Beziehung die Erfahrung machen, dass er die Gefühle hinterfragt. Letztlich haben Sie Ihre Beziehung in der Hand. Natürlich können Sie die Liebe zu Ihrer Frau bzw. Ihrem Mann nicht erzwingen, doch wenn Sie noch eine Chance für Ihre Liebe sehen, könnte es sich lohnen für Ihre Beziehung zu kämpfen. Nur Sie können wissen, ob Sie in dieser Partnerschaft oder Freundschaft langfristig glücklich miteinander sein können. Gerade wenn Sie noch Liebe füreinander empfinden und nur das Gefühl von Leidenschaft und Lust fehlt, können Sie um Ihre Beziehung kämpfen und eine Trennung vermeiden. Insbesondere wenn Sie ein gemeinsames Kind haben, können Sie Ihre Familie und Ihre Beziehung so erhalten. 

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