Trennung und (Neue) Medien

Partner googelt Ex, was tun?

Donnerstag, 17. Februar 2022, geschrieben von .

Partner googelt Ex, was tun?

*tipp, tipp, tipp…* und *klick, klick, klick* - für viele Menschen in Beziehungen scheint ein Reiz darin zu bestehen, den Namen eines Ex-Partners zu googeln. Vor allem dann, wenn man die Informationen wegen eines Kontaktabbruchs nicht mehr aus erster Hand oder den Sozialen Medien erfährt. Kann man so ein Verhalten, besonders wenn es häufiger vorkommt, der Untreue gleichsetzen? Will er den anderen zurückgewinnen, oder aus welchen Motiven unternimmt der eigene Partner solche Recherchen?

Wie of­fen­sicht­lich goo­gelt der Part­ner ei­gent­lich?

Um zu beurteilen, wie ernst der Ehepartner oder Lebensgefährte seine Suche nach der eigenen Vergangenheit betreibt, muss man zunächst Fragen an sich selbst stellen:

  • Habe ich einfach zufällig im Browserverlauf des gemeinsam genutzten PCs die Google-Suchen gefunden?
  • Habe ich ihm oder ihr zufällig über die Schulter geschaut, und die Situation war unklar?
  • Oder habe ich, aus Gewohnheit oder auf Verdacht hin, ohne Wissen des Partners in dessen oder deren Mobiltelefon den Suchverlauf gecheckt?

In letzterem Fall wird das Problem zweischneidig, da dann ein ominöses Verhalten des Partners dem eigenen Verhalten gegenüber steht. Beides muss nichts miteinander zu tun haben, aber es besteht ein Unterschied zwischen dem heimlichen Googeln und dem sehr offensichtlichen. Im letzteren Fall scheint Ihr Partner seinen Informationsdrang als etwas Normales anzusehen, das er nicht um jeden Preis verbergen will.

Doch wieso will man nach vielleicht etlichen Jahren wissen, wo der einstige Partner wohnt, mit wem er lebt oder wie viel Kinder er hat?

Wie­so goo­gelt der Freund oder die Freun­din den oder die Ex?

Die Antwort hierauf ist letztlich immer eine sehr individuelle Angelegenheit. In der Mehrzahl der Fälle, besonders bei längeren Ex-Beziehungen, drehen sich die Motive um die eigene Identität. Mit Person X oder Y hat man einen längeren Abschnitt seines Lebens geteilt, und dabei oft auch Pläne geschmiedet. Aus denen dann nichts wurde, wie auch aus der gesamten Partnerschaft nicht.

Manche gucken dann aus Interesse, wie der Lebensweg des anderen weiterlief. Andere verlieren sich in Gedankenspielen „Was wäre gewesen, wenn..“. Hinzu kommen mögliche Gefühle von Neid, wenn der Ex ein vergleichsweise gutes Leben führt, oder vielleicht Kinder mit einem neuen Partner hat, die er mit dem Googelnden nicht haben wollte oder konnte. Aber auch andauernde Schadenfreude, wenn man aus den vorhandenen Informationen rückschließt, dass es einem selbst heute eben doch vermeintlich besser geht.

Man kann annehmen, dass sich fast jeder schon einmal zumindest über Buschfunk über die Situation seines Ex‘ kundig gemacht haben dürfte. Geht der Weg über das Internet, erfährt der aktuelle Partner ggf. leichter davon. Und sorgt sich über den eigenen Stellenwert:

  • Bin ich schon abgeschrieben?
  • Hegt mein Partner etwa wieder Gefühle für die Ex?
  • Muss ich die Person am Ende selbst googeln, um zu erfahren, ob sie selbst vielleicht wieder Single ist?

Ex-Part­ner oh­ne Zu­tun in der ei­ge­nen Be­zie­hung

Merken Sie etwas? Am Ende googeln bereits zwei Personen nach jemandem, der dies überhaupt nicht angestrebt hat. In einer Filmkomödie würde der Drehbuchschreiber hier ganz lustige Dialoge finden. Aber wenn man sich zu sehr in eine Vorstellung verbeißt, vor der man Angst hat, kann das böse enden.

Fragen Sie sich:

  • Wie realistisch ist es, dass eine Person, die für die Trennung von Ihrem aktuellen Partner gute Gründe gehabt haben dürfte, nach langer Zeit mehr als ein informatives Interesse verspüren würde?
  • Wie realistisch ist es, dass beide plötzlich lange Wegstrecken zurücklegen, um sich zu treffen (ohne dass es auffällt)?
  • Wie realistisch dürfte es sein, dass beide aus gefestigten Beziehungen, oft gar noch mit Kindern, ausbrechen und alles aufgeben, was sie sich über Jahre hinaus aufgebaut haben?

In Hakan Nessers Buch „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ passiert am Schluss des Romans übrigens genau das. Ein Familienvater Mitte 30 stürzt sich nach Jahren der Sehnsucht in eine neue Ehe mit einer 20 Jahre älteren Frau, ebenfalls mit Familie. Warum erwähnen wir dies?

Weil es Fiktion ist. Im echten Leben würde dies so nicht passieren. Es ist nicht gänzlich ausgeschlossen – Ihr Leben müsste jedoch ähnliche Züge aufweisen, wie sie auf den vorangegangenen 280 Seiten vorkommen. Mit einer ausgewogenen Biografie werden Sie oder Ihr Partner letztlich vor diesem Problem nicht stehen.

Was tun, wenn der Part­ner im­mer wie­der goo­gelt?

Dennoch kann hinter der Suche in der eigenen Vergangenheit eine gewisse Unzufriedenheit stecken; unerfüllte oder unausgesprochene Wünsche. Hat „Familie Ex“ vielleicht zusammen etwas realisiert, was Ihr Partner mit Ihnen auch gern umsetzen würde? Unterhält sie Kontakt mit ganz anderen Freunden, zu denen Ihr Partner auch gern wieder Kontakt haben würde, in dem Punkt aber ganz normalen?

Manchmal hängt es an Details. Wer im Internet andere Frauen oder Männer als den/die eigenen/n Partner/in googelt, hat sicher ein Problem – handelt es ich um Ex-Partner, liegen die Dinge jedoch meist anders. Hier liegt oft kein sexuelles Interesse vor, die Liebe ist meist erkaltet. Es geht um die eigene Biografie, um Erreichtes und nicht Erreichtes, Nachtrauern und Erinnern.

Der beste Weg, um Streit übers Googeln zu vermeiden, ist der Blick in die Zukunft. Nur sie überwindet Vergangenes: Planen Sie wieder mal einen Urlaub, bauen Sie im Garten ein Baumhaus oder treffen Sie, nach langer Zeit mal wieder, Freunde oder verabreden sich zum Dinner. Eventuell hat nur die Zeit der Kontaktbeschränkungen einen auf diese Ideen gebracht, und aus einem gelegentlichen Bedienen der Suchmaschine wurde ein „oft“ und dann ein „dauernd“.

Die nächsten Google-Anfragen drehen sich vielleicht vermehrt wieder um Restaurantbewertungen oder Hoteltipps. Wir wünschen Ihnen dabei alles Gute!

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