Trennungsgründe

Trennung wegen Gefühlskälte

Montag, 20. September 2021, geschrieben von .

Trennung wegen Gefühlskälte

Ihr Partner oder Ihre Partnerin ist Ihnen letzter Zeit zu kalt geworden? Sie haben das Gefühl, er/sie empfindet nichts, wenn Sie zusammen sind? Die Gründe können vielfältig sein. Vielleicht haben Sie sich auseinandergelebt oder der Partner zeigt sich zwar nach außen gefühlskalt, hat aber trotzdem ein weiches Herz. Die eisige Haltung kann auch auf Alexithymie hinweisen. Wir sprechen darüber, wie sich Gefühlskälte äußert und wie Sie mit der Situation umgehen könnten.

Was be­deu­tet emo­tio­na­le Käl­te in der Be­zie­hung?

Menschliche Beziehungen leben davon, dass die Partner sich austauschen, ihre Meinungen und Gefühle offenbaren. Dabei geht es nicht nur darum, über die eigenen Gefühle zu sprechen, sondern auch vornehmlich darum, dem Partner zuzuhören, wenn Gefühle geäußert werden. Es gilt, Empathie zu zeigen. Zeigt sich Ihr Partner oder Ihre Partnerin emotional kalt und abweisend, werden Sie Schwierigkeiten haben, die Kommunikation so zu führen, dass sich darauf eine echte Partnerschaft aufbauen bzw. erhalten lässt. Allerdings macht es einen Unterschied, ob der Partner diese Gefühlskälte unbewusst zeigt, weil er vom Wesen her so veranlagt ist oder ob Ihre Beziehung als solche erkaltet ist.

  1. Trifft der erste Fall zu, sollte Ihre Beziehung trotzdem eine Chance haben. Immerhin haben Sie einander geheiratet. Sie wussten oder hätten von Anfang an wissen müssen, dass Sie es mit einem Menschen zu tun haben, der vielleicht seine Gefühle nicht so zeigen kann, wie Sie es gerne hätten. Diesem Menschen jetzt daraus einen Nachteil zu machen, scheint nicht unbedingt fair. Möchten Sie Ihre Beziehung nicht aufgeben, werden Sie sich darauf einstellen müssen, dass Ihre Beziehung auf dieser Ebene verläuft. Berücksichtigen Sie, dass Sie möglicherweise auf einer anderen Gefühlsebene leben. Sie sollten dann nicht unbedingt erwarten, dass der Partner auf der gleichen Ebene kommuniziert. Ist der Partner dazu nicht fähig, bedeutet dies noch lange nicht, dass er/sie tatsächlich in Ihrem Sinne gefühlskalt ist. Der Partner zeigt seine Gefühle eben anders, möglicherweise auch dort, wo Sie selbst keine oder nur wenige Gefühle zeigen können. Emotionale Kälte in der Beziehung kann also eine sehr relative Einschätzung darstellen.
  2. Ist Ihre Beziehung hingegen als solche erkaltet, dürfte Ihre Beziehung gescheitert sein. Die emotionale Kälte, die der Partner an den Tag legt, ist die Konsequenz dessen, dass er oder sie Ihrer ehelichen Lebensgemeinschaft keine Chance mehr einräumt. Es liegt auf der Hand, wenn sich daraus Ihre Trennung entwickelt.

Was tun, wenn der Part­ner kei­ne Nä­he zu­lässt?

Zeigt Ihr Partner eine gewisse Gefühlskälte, kann es sein, dass er oder sie keine Nähe zulassen möchte. Die vermeintlich abweisende Haltung muss aber noch lange nicht bedeuten, dass er/sie Ihre Beziehung in Frage stellt. Nicht jeder Mensch ist in der Lage, seine Gefühle offen, freimütig und konstruktiv zu offenbaren.

Gründe dafür finden sich meist darin,

  • dass die Eltern diese Art von Gefühlsleben vielleicht vorgelebt haben.
  • dass der Partner als Kind negative Erfahrungen in der Kommunikation mit seinem sozialen Umfeld machen musste und in einer Art Selbstschutz keine Nähe mehr zulassen möchte.
  • dass er oder sie als Kind emotional vernachlässigt wurde und Schwierigkeiten hat, in Ihrer Beziehung aus der Deckung zu kommen. Eine solche Entwicklung beeinflusst das gesamte spätere Leben eines Menschen und bestimmt vornehmlich dessen soziales Verhalten gegenüber anderen Menschen.
  • dass der Partner vielleicht traumatische Erlebnisse wie Gewalt oder sexueller Missbrauch durchleben musste.
  • oder dass der Partner mit einer Vielzahl von Geschwistern aufgewachsen ist, dann kann es in der frühkindlichen Entwicklung emotionale Defizite gegeben haben.

Allerdings bedeutet diese Entwicklung nicht, dass der vermeintlich gefühlskalte Partner tatsächlich keine Gefühle hat. Wahrscheinlich verfügt der Partner über genauso viele Gefühle wie Sie selbst. Diese Gefühle treten aber nicht so zu Tage, wie es zu erwarten wäre oder wie Sie es sich erhoffen.

Ihr Ansatz könne darin bestehen, dass Sie geduldig und bemüht sind, auf den Partner zuzugehen und vielleicht immer wieder aufs Neue versuchen, ihn oder sie aus der Reserve zu locken. Versuchen Sie, Gemeinsamkeiten zu schaffen, über die Sie sich zusammen freuen und austauschen können. Wenn der Partner merkt, dass dies die Beziehung stärkt, sollte Vertrauen entstehen, das den vermeintlich gefühlskalten Partner motiviert, öfter und freimütiger seine Gefühle zu offenbaren.

Pra­xis­tipp

Berücksichtigen Sie, dass ein vermeintlich gefühlskalter Partner Schwierigkeiten haben könnte, seine Gefühle in Worten zu fassen. Er oder sie empfindet Gefühle, ist aber unfähig, daraus Worte zu formulieren. Vielleicht zeigt der Partner seine Gefühle ersatzweise in seiner Gestik und seiner Mimik. Je intensiver er bzw. sie gestikuliert und seine Gesichtszüge oder die Blicke der Augen einsetzt, desto mehr ist davon auszugehen, dass sich unter der Fassade Gefühle abspielen.

Was ist Ale­xithy­mie?

Gefühlskälte ist aber auch ein psychologisches Phänomen. Man spricht dann von Alexithymie. Das bedeutet so viel wie „Gefühlsblindheit“ – Gefühlsblind ist ein Mensch, der die Gefühle anderer Menschen nicht lesen und seine eigenen Gefühle nicht ausdrücken kann. Alexithymie dürfen Sie aber nicht als Krankheit verstehen, sondern eher als ein Persönlichkeitsmerkmal.

Davon sind schätzungsweise 10 % der Bevölkerung und damit mehr als 10 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Mit anderen Worten: Sie stehen nicht allein. Es gibt viele Leidensgenossen. Da sich Alexithymie aber nur verdeckt in der Beziehung offenbart, tritt das Problem nach außen wenig in Erscheinung.

Alexithymie kann sich wie folgt äußern:

  • Menschen wirken introvertiert und geben sich meist sehr wortkarg.
  • Sie sind in der Verwendung von Adjektiven sparsam und haben Schwierigkeiten, fantasievolle und ausschweifende Sätze zu formulieren.
  • Sie denken und handeln vorwiegend auf der sachlichen Ebene, die ihre Art bestimmt, wie sie mit anderen Menschen kommunizieren.

Als Ursache sieht die Psychologie oft traumatische Erfahrungen insbesondere in der Kindheit, die die emotionale Entwicklung des Kindes beeinträchtigt haben. Der Umstand, dass die betreffende Person eine negative sozial-persönliche Entwicklung durchlaufen hat, führt dazu, dass die emotionale Zurückhaltung als Schutzschild zu verstehen ist. Ist dem so, wäre es nicht fair, dem Partner oder der Partnerin diese Persönlichkeitsstruktur zum Vorwurf zu machen. Vielmehr wäre es Ihre Aufgabe, den Partner darin zu unterstützen, dass er mit der Situation besser umgehen kann.

Ge­fühls­blin­den Part­ner un­ter­stüt­zen

Ist der Partner emotional reserviert, ist ihm oft nicht bewusst, dass diese vermeintliche Gefühlskälte die Beziehung belastet. Wenn eine tatsächlich vorhandene Alexithymie körperliche Beschwerden oder gar Depressionen verursacht, sollte kompetente Hilfe in Anspruch genommen werden. Die Diagnose wird meist anhand von Fragebögen und Interviews vorgenommen. Naturgemäß dürfte es schwierig sein, ein verfestigtes Verhalten nachträglich zu verändern. Das heißt jedoch nicht, dass es unmöglich ist. Es kann bereits hilfreich sein, dem betroffenen Menschen seine Situation verständlich zu machen und herauszufinden, welche Ursachen dafür möglicherweise verantwortlich sind. Betroffene können lernen, ihre emotionsbedingten körperlichen Beeinträchtigungen als Gefühle wahrzunehmen und ihr Verhalten danach auszurichten.

Al­les in al­lem

Gefühlskälte ist an sich eine relative Beschreibung dessen, wie Sie den Partner oder die Partnerin wahrnehmen. Auf Dauer kann dies zur Beziehungskrise und im schlimmsten Fall zur Trennung führen. Suchen Sie das klärende Gespräch und holen sich bei Bedarf professionelle Hilfe, z.B. im Rahmen einer (Paar-)Therapie.

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