Trennungsgründe

Trennung wegen Prüfungsstress

Freitag, 10. Juni 2022, geschrieben von .

Trennung wegen Prüfungsstress

 

Abschlussprüfung, Examensvorbereitung, Promotion…Wer im Leben bestimmte akademische Ziele erreichen will, muss Schwerpunkte setzen. Wie schwierig dies sein kann, zeigt sich, wenn Sie sich auf Ihre Ausbildung konzentrieren wollen und Ihre Beziehung zum Partner oder der Partnerin diesem Ziel unterordnen. Klar, können Sie den Gedanken an den Partner nicht beiseiteschieben, leidet Ihre Konzentration. Auch der Partner oder die Partnerin leidet, da die Beziehung auf den Prüfstand gestellt wird. Am Ende verlieren Sie beide. Also gilt es, eine Strategie zu finden, mit der beide zurechtkommen.

Studium zerstört Beziehung?

Menschen sind emotionsbeladene Wesen. Befinden Sie sich wegen Ihrer Ausbildung in einer Prüfungssituation, empfinden Sie vielleicht Prüfungsstress und glauben, alles andere sei völlig nebensächlich. Sie zweifeln an sich selbst, sind unsicher, dadurch ungeduldig und vielleicht zum Teil sogar aggressiv. Dabei empfindet jeder anders. Prüfungsstress äußert sich darin,

  • dass Sie unkontrolliert nervös sind,
  • sich nicht richtig auf Ihre Arbeit konzentrieren können,
  • ständig an die Prüfungssituation denken,
  • der Magen streikt,
  • Ihr Herzschlag spielt verrückt
  • und vor allem: Sie haben Angst davor, dass Sie die Prüfung nicht bestehen.

Reaktionen dieser Art sind an sich völlig normal, führen aber dennoch schnell in die nächste Beziehungskrise. Der beste, auch aber auch am schwierigsten umzusetzende Ratschlag besteht darin, dass Sie zur Ruhe kommen sollten, mit Zuversicht in den Tag starten und zumindest guter Dinge sind, dass Sie die Prüfung bestehen.

Leben Sie in einer Beziehung, belastet der Prüfungsstress vielleicht auch Ihr Verhältnis zum Partner oder zur Partnerin. Der Partner hat das Gefühl, er oder sie sei völlig in den Hintergrund getreten und habe nicht mehr den Stellenwert in Ihrem Leben, der ihm oder ihr gebührt. Aufgrund Ihrer eingeschränkten Belastbarkeit überreagieren Sie, sind mit abweisenden Worten schnell bei der Sache, unternehmen nichts mehr gemeinsam und Ihr Alltag ist nur noch durch die Beschäftigung mit Ihrem Lehrmaterial geprägt.

Sie werden vielleicht selbst gar nicht richtig bemerken, wie sehr die Situation auch Ihren Partner oder Ihre Partnerin belastet. Umgekehrt verstehen Sie als Partner oder als Partnerin vielleicht nicht, wie der Prüfungsstress so vereinnahmend sein kann oder womöglich glauben, dass das Studium wichtiger als die Beziehung ist. Werden Sie nicht rechtzeitig aktiv, stellt jeder Partner für sich die Frage: Bleiben oder Trennen? Für Probleme, gilt es immer, Lösungen zu suchen. Und wer ernsthaft und konstruktiv sucht, findet diese auch.

Wie vermeiden Sie die Trennung wegen Prüfungsstress?

Möchten Sie nicht nur Ihre Prüfung bestehen, sondern auch Ihre Beziehung bewahren, müssen Sie beide an sich arbeiten. Jeder sollte die Sichtweise des anderen verstehen und das eigene Verhalten danach ausrichten. Extreme Sichtweisen, bei der jeder nur die eigene Situation bewertet, führen oft in die Sackgasse.

Work-Life-Balance in der Lernphase

„Freund(in) arbeitet, ich studiere – kann das gutgehen?“, diese Frage stellt sich so manch Studierender. Schließlich ist in langen Lernphasen, etwa vor dem Examen, im Referendariat oder bei der Abschlussprüfung absoluter Ausnahmezustand. Es gibt keinen Feierabend und selbst wenn man nicht am Schreibtisch sitzt, denkt man doch nur an die große Prüfung. Sie tun das Richtige, wenn Sie sich darauf konzentrieren, dass Sie lernen müssen und sich auf Ihre Prüfung vorbereiten. In gewisser Weise sollte Ihre Ausbildung Vorrang haben. Dies bedeutet aber nicht, dass alles andere weniger werthaltig und zu vernachlässigen wäre. Hilfreich ist, wenn Sie nach einem Zeitplan vorgehen und in diesem Zeitplan auch die Interessen Ihres Partners oder Ihrer Partnerin angemessen berücksichtigen.

Praxisbeispiel: Pausen in den Lerntag integrieren

So könnten Sie morgens in aller Ruhe gemeinsam frühstücken, von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr intensiv lernen, von 12:00 Uhr bis 13:30 Uhr Mittagspause machen, die Sie vielleicht auch gemeinsam verbringen und sich dann wieder von 13:30 bis 17:00 Uhr auf Ihre Arbeit konzentrieren.

Beherzigen Sie, dass es meist wenig bringt, rund um die Uhr nur lernen und arbeiten zu wollen. Ihre Energien sind beschränkt. Sie brauchen Erholungszeiten. Wenn Sie nur an Ihre Arbeit denken, wird es immer schwerer fallen, sich zu konzentrieren. Schnell werden Sie merken „Ich will lernen, kann mich aber nicht konzentrieren“. Das, was Sie erreichen, braucht immer mehr Zeit. Mit zunehmender Zeitdauer steht das Ergebnis nicht mehr im Verhältnis zum Aufwand.

Besser ist, wenn Sie Pausen einlegen, in denen Sie Ihre Arbeit hintenanstellen, Erholung suchen und am besten dann auch Zeit mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin verbringen. Das, was Sie in der Erholungsphase an Energie wieder aufbauen, bringt wahrscheinlich mehr Erfolg, als wenn Sie ununterbrochen arbeiten würden. Damit vermeiden Sie auch die Situation, dass Sie an sich lernen wollen, sich aber nicht konzentrieren können. Sie fühlen sich überfordert, können sich aber nicht überwinden, die Arbeit beiseite zu legen. Sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht lernen, obwohl Sie wissen, dass lernenden arbeiten ohne Pause nicht wirklich Erfolg bringt.

Damit schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe:

  • Sie optimieren Ihre Arbeitsweise und damit auch Ihren Lernerfolg.
  • Gleichzeitig investieren Sie in Ihre Beziehung und vermeiden, dass Ihr Bedürfnis, sich auf Ihre Arbeit zu konzentrieren und der damit einhergehende Prüfungsstress Ihre Beziehung belastet.

Zugegeben, dieser ideale Plan erfordert ein hohes Maß an Disziplin und vor allem bedarf es der Einsicht, dass es nichts bringt, wenn Sie pausenlos mit Ihrer Arbeit beschäftigt sind. Vor allem dürfen Sie kein schlechtes Gewissen haben, wenn Sie pausieren und sich mit anderen Dingen beschäftigen als mit Ihrer Arbeit. Im Gegenteil: Verbringen Sie Zeit mit dem Partner oder der Partnerin brauchen Sie kein schlechtes Gewissen zu haben, dass Ihre Beziehung zu kurz kommt. Sie haben klare Regeln, die den Ablauf Ihres Tages bestimmen. Wenn Sie sich an diese Regeln halten, sind Sie auf gutem Weg.

Und vor allen: Glauben Sie an sich selbst. Trauen Sie sich etwas zu. Seien Sie optimistisch. Nur Optimismus und Zuversicht öffnen Türen. Pessimistisches und destruktives Denken ist rückwärtsgewandt und löst keine Probleme.

Partner in der Lernphase unterstützten

„Mein(e) Freund(in) unterstützt mich nicht bei der Prüfung!“ möchte sich eigentlich niemand nachsagen lassen. Bereitet sich Ihr Partner oder Ihre Partnerin auf eine Prüfung vor, sollten Sie respektieren, dass Sie nicht die erste Geige spielen. Lernprozess und Prüfung prägen den Alltag, genauso ist es, wenn der Partner im Beruf arbeitet und in dieser Zeit nicht ansprechbar ist. Ihre Beziehung ist der Rahmen, in dem sich alles abspielt. Wenn Sie selbst schon einmal eine Prüfungssituation erlebt haben, wissen Sie sicher, dass die emotionale und psychische Belastung oft hoch ist. Nicht jedes scheinbar böse Wort ist wirklich so gemeint.

Respektieren Sie, dass der Prüfling idealerweise einen Zeitplan hat, in dem er oder sie nicht gestört werden sollte. Ermöglichen Sie, dass er sich voll konzentrieren kann und nicht abgelenkt wird. Gut wäre natürlich, wenn Sie außerhalb des Zeitplans gemeinsame Zeit miteinander verbringen könnten. Aber auch dann sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass sich der eventuell bestehende Prüfungsstress, auch wenn er nicht offen in Erscheinung tritt, oft mental auswirkt und in die Unterhaltung einfließt. All das, was den Partner oder die Partnerin in der Prüfungssituation beschäftigt, lässt sich nicht vollständig ausblenden. Es ist auch völlig normal, wenn Sie sich darüber unterhalten und Sie vielleicht sogar gute Ratschläge haben, wie der Partner die Prüfungssituation besser bewältigt.

Glauben Sie nicht, dass das Studium wichtiger sei als Ihre Beziehung. Ihre Beziehung ist nach wie vor wichtig, wird eben nur dadurch überlagert, dass sich der Partner oder der Partnerin durch den Lernprozess und die Prüfungssituation einer Herausforderung stellen muss, die die volle Konzentration erfordert.

Mit anderen Worten: Organisieren Sie Ihren Alltag und damit auch Ihre Beziehung danach, was zu welcher Zeit in den Zeitplan passt. Wenn der Prüfling dann selbst nach diesem Zeitplan arbeitet, sollte dieses gegenseitige Verständnis dazu führen, dass die Prüfungssituation nicht negativ auf Ihre Beziehung durchschlägt. Halten Sie sich im Hintergrund und stehen bereit, wenn Sie gebraucht werden.

Was tun, wenn das Geld für den Lebensunterhalt fehlt?

Sind Sie in der Ausbildung, verdienen Sie wahrscheinlich kein eigenes Geld. Noch schwieriger ist es, wenn auch der Partner kein Geld verdient oder nur ein geringes Einkommen hat.

  • Prüfen Sie, ob Sie Anspruch auf BAföG haben. Machen Sie eine Berufsausbildung, gibt es auch Meister-BAföG.
  • Ist dies nicht der Fall, haben Sie möglicherweise Anspruch gegenüber Ihren Eltern, dass Sie finanziell unterstützt werden. Ihre Eltern sind unterhaltspflichtig und müssen Ihnen zumindest eine angemessene Erstausbildung ermöglichen. Leben Ihre Eltern getrennt, sind beide Elternteile barunterhaltspflichtig.
  • Leben Sie in der eigenen Wohnung, prüfen Sie, ob Sie Anspruch auf Wohngeld haben. Wohngeld ist bei der Gemeinde zu beantragen, in der Sie wohnen. Im Internet gibt es auch Wohngeldrechner, mit denen Sie überschlägig prüfen können, ob der Anspruch besteht.
  • Sehen Sie sich in der Lage, Ihre Ausbildung zeitlich zu strukturieren, kommt auch zumindest eine geringfügig bezahlte Beschäftigung in Betracht.
  • Waren Sie verheiratet und leben nunmehr getrennt oder sind geschieden, haben Sie gegenüber dem Ex-Partner möglicherweise Anspruch auf Unterhalt wegen Ausbildung, Fortbildung oder Umschulung.

Alles in allem

Eine Prüfungssituation und die Vorbereitung auf die Prüfung ist immer eine Herausforderung. Haben Sie möglichst die Zuversicht, dass Sie diese Herausforderung auch im Hinblick auf Ihre Beziehung bewältigen, indem Sie Ihren Tagesablauf strukturieren und versuchen, Ausbildung, Prüfung und Beziehung miteinander in Einklang zu bringen. Wichtig ist, dass Sie erkennen, wenn es Probleme gibt und Sie alles dafür tun, dafür Lösungen zu finden.

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