Trennungsgründe

Trennung wegen Silent Treatment

Samstag, 22. Mai 2021, geschrieben von .

Trennung wegen Silent Treatment

Ihr Partner behandelt Sie im Gespräch wie Luft, zeigt keinerlei Reaktion, sieht Sie nur starr an oder beachtet Sie erst gar nicht? Dann spricht man hier von Silent Treatment. In Beziehungen kann sich das Schweigen manifestieren, wenn ein Partner mitten in einem Streit zurückhaltend wird und abrupt beginnt sich zu weigern, und/oder sich in irgendeiner Weise zu beteiligen, um die Diskussion voranzutreiben. Anfangs wird eventuell versucht mit vielen Worten seine bzw. ihre Sichtweise durchzusetzen. Bemerkt der Partner jedoch, dass die Aktion scheitert, bestraft er das Gegenüber anschließend mit Schweigen. Die Dauer des Schweigens kann Tage, Wochen oder sogar Monate anhalten. Wird Silent Treatment in der Beziehung zum Dauerprogramm, kann dies langfristig ein Trennungsgrund sein.

WAR­UM SCHWEI­GEN SICH MEN­SCHEN AN?

Schweigen in extremen Ausmaßen ist ein passiv-aggressiver Kommunikationsansatz und eine Art der Kontrolle bzw. Kraft über eine andere Person. Es ist mehr als das bloße „Schmollen“ oder die Situation, wenn der Partner etwas Zeit für sich braucht, um einen klaren Kopf zu bekommen. Auf diese Weise wird z.B. versucht Konflikte zu vermeiden, die Verantwortung abzuwehren oder andere durch das Schweigen zu bestrafen. Der Partner lenkt die Schuld auf andere, anstatt die eigenen Fehler einzugestehen und Einsicht zu zeigen. Der schweigende Partner ist meist unfähig, die Gefühle passend zu kommunizieren.

Besonders narzisstische Personen wählen diese Manipulationstechnik, um den Gegenüber zu verunsichern. Sie versuchen so den anderen zu dem gewünschten Verhalten zu bringen, das sie sich wünschen. Jegliche weitere Verständigung wird hier unterbunden. Eine Therapie kann dabei helfen, dieses Verhaltensmuster aufzubrechen.

Gut zu wissen: Das Verhalten kann auch situativ bei Menschen auftreten, die ansonsten keine narzisstischen Merkmale aufweisen. Selbst bei wiederholtem Auftreten muss es sich nicht zwingend um Narzissmus handeln, das Verhaltensmuster kann auch im Zusammenhang mit anderen psychischen Belastungen auftreten.

FOL­GEN VON SI­LENT TRE­AT­MENT

Das dauerhafte Schweigen des Partners löst in der Regel innere Zweifel, Minderwertigkeitskomplexe und Verunsicherungen aus. Mit jeder Minute wächst die Verzweiflung. Der Partner befindet sich oftmals in einem Gedankenkarussell und findet keine Ruhe mehr. Ein Gefühl der Wertlosigkeit macht sich breit. Umso länger das Schweigen des Partners anhält, desto intensiver werden die Gefühle und Gedanken. Bricht der Partner das Schweigen bewusst nicht und beharrt auf die Richtigkeit seines Verhaltens, besteht sogar die Möglichkeit, dass der Partner ohne jegliche Erklärung komplett abtaucht und auf diese Weise die Beziehung beendet. Er oder sie verschwindet quasi wie ein „Geist“ (englisch: Ghost). Deswegen spricht man vom sogenannten „Ghosting“. Das Phänomen tritt häufig nach ein paar Dates, aber durchaus auch in Beziehungen auf.

WIE SOLL­TEN SIE AUF DAS SCHWEI­GEN DES PART­NERS RE­AGIE­REN?

Hält das Schweigen über einen längeren Zeitraum an, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  1. Bleiben Sie ruhig. Es ist verständlich, wenn Sie sich traurig oder verzweifelt fühlen oder gar selber wütend werden. Machen Sie sich klar, was gerade passiert und dass Sie Ruhe bewahren müssen, um die Situation zu entschärfen und sich selber nicht weiter zu schaden.
  2. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Partner. Teilen Sie Ihrem Partner mit, dass Sie das Gespräch als wichtig empfingen und Sie deshalb darüber sprechen wollen. Versuchen Sie, während des Gespräches ruhig und gelassen zu bleiben, und lassen Sie sich nicht von Ihren Gefühlen leiten. Wählen Sie auch einen Zeitpunkt, an dem Sie und Ihr Partner Zeit haben. Nutzen Sie vor der Konfrontation die Zeit und den Raum, sich auf das Gespräch vorzubereiten, und über Ihre Gedanken und Gefühle klar zu werden.
  3. Sagen Sie Ihrem Partner, dass beharrliches Schweigen Gift für die Beziehung ist. Anschweigen ist eine Form des emotionalen Missbrauchs und kann sogar zu Selbstwahrnehmungsstörungen führen. Es hinterlässt zwar keine sichtbaren Spuren, hat aber dennoch weitreichende Folgen. Konfrontieren Sie Ihren Partner und machen Sie ihr bzw. ihm deutlich, wie Sie sich fühlen und welche Form der Konfliktlösung Sie sich stattdessen wünschen. Es ist oftmals hilfreich, in Ich-Botschaften zu kommunizieren, sodass der Partner das Gespräch nicht sofort abwehrt und sich in eine ablehnende Haltung begibt.
  4. Zeigen Sie Ihrem Partner Ihre Grenzen. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Partner deutlich mitteilen, ab wann für Sie die „emotionalen“ Grenzen erreicht sind. Teilen Sie ihr bzw. ihm mit, was Sie in der Beziehung nicht tolerieren, stört oder verärgert. Erklären Sie, was das Schweigen in Ihnen auslöst, inwieweit die fehlende Kommunikation zwischen Ihnen die Probleme nicht lösen wird, und wie Sie sich dabei fühlen. Entschuldigen Sie sich ausschließlich nur für Ihre eigenen Fehler, nicht für die des Partners. Denken Sie daran, dass je nach Persönlichkeit jeder Mensch anders auf solch eine Konfrontation reagiert.
  5. Kümmern Sie sich um sich selbst. Vergessen Sie nicht, im Anschluss an das Gespräch etwas zu unternehmen, das Ihnen gut tut. Sprechen Sie mit einer Person Ihres Vertrauens, entspannen Sie sich – nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um das Gespräch zu verarbeiten. So tanken Sie wieder Kraft.
 

    WAS PAS­SIERT DA­NACH?

    Idealerweise zeigt der Partner Einsicht und die Kommunikation wird bei Konflikten besser, ggf. entscheiden Sie sich zusätzlich für eine Paar- und oder Einzeltherapie. Sehen Sie jedoch weiterhin keine Veränderung bzw. Besserung im Verhalten Ihres Partners, sollten Sie sich zuerst von Ihrem Partner distanzieren. Hilft dies nicht, sollten Sie die Trennung in Betracht ziehen. Die für Sie richtige Entscheidung können allerdings nur Sie selbst treffen, deshalb nehmen Sie sich dafür ausreichend Zeit. Entscheiden Sie sich endgültig für eine Trennung, ist ggf. eine individuelle Therapie empfehlenswert, um Ihr Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. So können Sie gestärkt in Ihren neuen Lebensabschnitt starten.

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