Trennungsgründe

Wer trennt sich häufiger?

Montag, 22. Februar 2021, geschrieben von .

Wer trennt sich häufiger?

Von welchem Ehepartner geht eine Trennung oder Scheidung häufiger aus, Frau oder Mann? Diese Unterscheidung ist spätestens mit Einführung der Ehe für alle sowie der Definierung weiterer Geschlechtsformen passé. Das Interesse an Eigenschaften, die Beziehungspartner im statistischen Durchschnitt lang oder auch kurz aneinander bindet, ist jedoch nach wie vor groß. Dass man sich danach nicht seinen Partner aussuchen sollte, liegt auf der Hand. Neben einem kleinen Augenzwinkern, das diesen Blogbeitrag begleitet, wollen wir hierdurch aber auch mit einigen Stereotypen aufräumen!

Für wen ist es wich­tig, wie wahr­schein­lich sich wer trennt?

Die Frage ist berechtigt – Menschen lieben und verhalten sich zu individuell, um genaue Vorhersagen treffen zu können. Und doch unterfüttern die Erkenntnisse aus Studien des 21. Jahrhunderts den Erfolg bestimmter Geschäftsmodelle.

Beispielsweise sammelt diejenige Partnerbörse Erfolg, die ihre Partnervorschläge für ihre Kunden auf diesen Erkenntnissen aufbaut und möglichst lange Beziehungszeiträume ermöglicht. Gut kalkulierte „Matches“ äußern sich gegenüber ihren Single-Bekannten dann wohlwollend über die entsprechende Plattform und ihre angeblich „magische Formel“ zur Partnervermittlung.

Das funktioniert online fast noch besser als über die real vermittelnde Agentur, da die Verfügbarkeit an Daten über die User dort noch über das hinausgehen kann, was diese in ihren Steckbriefen angeben.

Wer trennt sich am häu­figs­ten, wer am sel­tens­ten?

Die nachfolgenden Studienergebnisse rühren aus verschiedenen Jahren, Vergleichszeiträumen, Herkunftsländern der Befragten sowie der Anzahl der Probanden. Echte Rückschlüsse zur erwarteten Stabilität einer Beziehung lassen sich daraus nur bedingt ziehen. Mindestvoraussetzung der Studien war eine gesellschaftliche Repräsentativität der Studienteilnehmenden (statistischer Ausgleich demografischer Merkmale).

Also, woran hat die Forschung in den letzten 15 Jahren eine Trennungswahrscheinlichkeit festgemacht?

Verheiratete und Unverheiratete

Schützt der Trauschein eher vor der Trennung als die „wilde Ehe“? Laut einer Untersuchung des US-Amerikaners Rosenfeld unter 3000 Paaren trennen sich diejenigen seltener, die miteinander verheiratet sind. Die Scheidungsraten (auch in Deutschland) mögen steigen, doch gemeinsame Werte (dies schließt finanzielle nicht aus…) ermutigen anscheinend zu Kontinuität.

Anzahl der Ehe- bzw. Beziehungsjahre

Ebenfalls Rosenfeld enttarnte, dass das „verflixte siebte Jahr“ in Wahrheit nicht das Jahr ist, in dem sich Paare am häufigsten scheiden oder trennen. Vielmehr ist es, auch in Deutschland, das erste! Danach nimmt das Trennungsrisiko bis zum fünften Jahr rapide ab, danach etwas langsamer.

Nach 25 Jahren steigt es jedoch – Experten wie Rapp 2010 ff. ziehen als Erklärungsansatz dafür die empty-nest-Phase heran: Hat das Paar Kinder, führen diese dann ihr eigenes Leben, was zu einem Beziehungsvakuum der Eltern führen kann.

Lebensalter, in dem die Beziehung beginnt

Teenagerliebe versus konkrete Erwartungen: Wer sich jung bindet, läuft eher Gefahr zu scheitern als Partner, die sich mit über 30 kennenlernen. Eine Studie des amerikanischen National Centers NCHS von 2009 stellt genau das heraus. Zu wissen, was man will, kann demnach helfen, nicht mehr lang herumprobieren zu müssen.

Wie viel Altersunterschied gut ist

2015 hat die Universität Atlanta 3000 Befragte nach ihrer persönlichen Trennungshistorie samt Altersunterschied zu ihren jeweiligen Partnern konsultiert. Sie stellten Partnern mit weniger als 5 Jahren Differenz im Kalender eine gute Langzeitprognose aus, alle Abstände darüber führten zu statistischen Auffälligkeiten.

Erstehe vs. Zweitehe

Forscher der Nationalen Universität Australiens erfuhren von 2500 Paaren, dass bisher nicht geschiedene Partner eine langlebigere Beziehung erwarten können als jene, bei denen mindestens einer schon eine Ehe hinter sich hat. Das Scheidungsrisiko lag nach diesen Berechnungen um über 90% höher.

Das liebe Geld

Ebenfalls das NCHS erhob Daten von Paaren, inwieweit sie sich abhängig von ihrer finanziellen Situation trennen oder eben zusammenbleiben. Es verwundert nicht, dass sich Paare unter einem Polster von in diesem Fall 10.000 US-Dollar auf der Bank zu 70% Wahrscheinlichkeit häufiger scheiden als besser betuchte.

Bildungsstand

Eng daran geknüpft ist die Frage, welche Ausbildung die Beziehungspartner jeweils genossen haben. Das NCHS hat auch hier eine Signifikanz von Studienabschlüssen für stabile Beziehungen ausgemacht. Ein Universitätszeugnis oder eines von vergleichbaren Institutionen verdoppelt die Beziehungsdauer nahezu.

Online oder offline kennengelernt

Es folgt vielleicht der Wow-Effekt des Blogbeitrags, ggf. auch der Moment der konservativen Entrüstung: Beziehungen, die über moderne Medien wie Tinder zustande kommen, enden laut einer 2013er-Studie der Universität zu Chicago seltener im Split als ihre Offline-Pendants. Woran das liegt? Ist jemand bereit, sich auf das Wagnis Internet einzulassen, findet er womöglich dort Partner, die auch in anderen Punkten des Lebens ähnlich moderne Ansichten haben. Auch die Auswahl der Partner ist größer als in einer zufällig besuchten Bar oder einem Club.

Fernbeziehungen

Das Gegenteil von Beziehungen, die sich aus der Ferne kennengelernt haben, stellen Beziehungen dar, deren Teilnehmer nach einem nahen Kennenlernen wieder in die Ferne reisen. Asendorpf konnte 2008 über einen Zeitraum von sechs Jahren eine Trennungswahrscheinlichkeit von 50% ausmachen unter Fernbeziehungen mit mindestens 1 Jahr Dauer und regelmäßigen Kontakten.

Scheidungskinder

Wie wahrscheinlich ist es, dass Kinder getrennt lebender Eltern selbst ihre Beziehungen überdurchschnittlich oft beenden (müssen)? Es gibt laut der schon genannten Australischen Nationaluniversität einen nur leichten Unterschied von 6 % unter Befragten mit einer Langzeitbeziehung, die sich mit einem verheirateten Elternhaus (10%) trennten gegenüber denen mit geschiedenen Eltern (16%).

Raucher, die sich vertragen oder nicht

Eine Erkenntnis der Australier, über die man staunt und eine andere, die nicht verwundert: Zunächst scheitern Beziehungen, in denen nur ein Partner raucht, mit einer 50% höheren Wahrscheinlichkeit als unter Nichtrauchern. Wer aber nun vermutet, dass zwei Rauchende sich besser verstehen, könnte irren: Das Trennungsrisiko unter zwei Rauchern ist noch einmal leicht höher.

Pendeln

Menschen nehmen immer weitere Wege auf sich, um zu ihren Arbeitsstellen zu kommen. Eine deutschsprachige Studie von Kley 2012 attestiert Pendlern in Ostdeutschland eine höhere Trennungswahrscheinlichkeit als Paaren ohne entsprechende Reisezeit unter der Woche.

Kinder vor der Beziehung und Kinder allgemein

Noch einmal die Australische Nationaluniversität mit einer Erhebung, ob Kinder vor der Ehe Vorzeichen für eine spätere Trennung sind. Bei 20% der befragten 2500 Paare war dies so. Paare ohne Kinder vor der Hochzeit unterliegen demnach einem Trennungsrisiko von nur 9 %.

Wichtig jedoch: Keine der angeführten Studien, oder auch Studien weltweit haben Anzeichen dafür gefunden, dass Kinder in einer Ehe oder Beziehung die Trennungswahrscheinlichkeit vermindern oder erhöhen. Das ist nun wirklich eine sehr komplexe und individuelle Sache. Zum Glück, möchte man meinen!

Wel­che Be­zie­hun­gen sind nun am sta­bils­ten?

Macht man es sich einfach, würde man nach Lektüre dieses Blogbeitrags zu folgendem Ergebnis kommen. Möchte ein Paar, die allerbeste Gesundheit vorausgesetzt, Silberne und Goldene Hochzeiten feiern, müssen die Partner, die zusammen sind

  • verheiratet sein, jedoch beide erst zum ersten Mal,
  • irgendwie das erste Ehejahr überstehen,
  • dürfen sich nicht zu früh im Leben, aber gern im Internet, kennengelernt haben,
  • nicht mehr als fünf Jahre Altersunterschied besitzen,
  • schnell eine fünfstellige Summe zusammensparen,
  • einen Studienabschluss errungen haben,
  • sich dauerhaft in derselben Wohnung aufhalten,
  • im Elternhaus keine Trennung erlebt haben,
  • nicht rauchen und
  • sich erst nach der Hochzeit für Kinder entschieden haben.

Wie gesagt: Dies alles hier soll keine Anleitung für eine gesonderte Partnerauswahl sein. Die Beziehungskultur in verschiedenen Ländern der Welt entwickelt sich per se weiter, und es schadet nicht, einmal über den Tellerrand hinauszuschauen. Eine Trennung oder Scheidung geht eben nicht mehrheitlich von „dem Mann“ oder „der Frau“ aus, sondern ist in ihren Ursachen mehrschichtig.

Gehen Sie davon aus, dass es in Ihrer Nachbarschaft, dem Bekanntenkreis oder noch darüber hinaus Paare ohne Trauschein gibt, die sich auf der Straße kennengelernt haben, ihr Geld sofort ausgeben, vielleicht schon mal bei sich oder den Eltern eine Trennung erlebt haben, sich unter der Woche nicht sehen, deswegen rauchen, aber trotzdem schon mehr als 25 Jahre glücklich zusammen sind.

Statistiken sind manchmal auch dazu da, um ihnen entgegenzuwirken!

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