Sie lieben Ihren Partner noch
Wenn Sie diesen Punkt mit Ja beantworten können ist Ihre Frage, ob Sie sich trennen sollten, eventuell schon beantwortet. Zumindest im Ansatz. Vielleicht ist Ihnen derzeit nicht bewusst, wie wertvoll Ihr Gegenüber für Sie eigentlich ist. Es kann sein, dass Sie vor lauter Problemen und Unzufriedenheit übersehen haben, dass Sie den Grundstock, nämlich eine gemeinsame emotionale Basis, besitzen. Gehen Sie doch einmal in sich und horchen Sie auf Ihr Bauchgefühl. Sind die alten Emotionen vielleicht nur verschüttet und derzeit nicht für Sie zugänglich? Eine räumliche Trennung kann hier manchmal Wunder wirken und kann eine Beziehung retten. Wenn Sie während dieser Zeit feststellen, dass Sie Ihren Partner vermissen, haben Sie vielleicht die Antwort darauf gefunden, ob eine Trennung richtig ist. Wenn Ihnen Ihr Partner fehlt, haben Sie noch Gefühle für ihn. Vielleicht sollten Sie tiefer tauchen und versuchen, ganz genau in sich zu horchen.
Selbstverständlich gibt es auch Trennungsgründe, die trotz noch bestehender Liebe zum Tragen kommen. Gewalt, wiederholte Untreue oder ähnliches tut Ihnen mehr weh als es Ihnen gut tut. Dann ist auch, trotz Liebe, eine Trennung der bessere Weg. Bei weniger gravierenden Problemen sollten Sie sich jedoch nichts übereilen und auch in Betracht ziehen, dass Sie Ihre Beziehung retten können.
Ob beim Sex, im Haushalt oder bei den Schlafgewohnheiten. Nach einer längeren gemeinsamen Zeit kennt man einander. Stärken und Schwächen des Gegenübers sind ausgelotet und man hat meistens soweit Vertrauen gefasst, dass man sich ungeschminkt dem anderen zeigen kann. Vielleicht führt das in manchen Fällen dazu, dass manche Marotten ans Licht treten und einem wie grobe Fehler vorkommen. Die Zahnpasta nicht zugemacht? Haare in der Dusche? Schnarchen? Manchmal können uns diese Kleinigkeiten verrückt machen. Aber ist es Ihnen das wert, deswegen die Beziehung aufs Spiel zu setzen? Zu Beginn der Beziehung hat Sie dieses Verhalten nicht gestört? Vielleicht schaffen Sie es ja, wieder lockerer mit den Eigenheiten des Gegenüber umzugehen, um die Beziehung zu retten- es lohnt sich.
Sie haben bereits gelernt zu streiten und Kompromisse einzugehen
Vielleicht wird Ihnen dieser Punkt seltsam vorkommen, aber die Fähigkeit zu streiten und sich danach wieder zu versöhnen, mussten Sie sich beide zunächst einmal aneignen. Vielleicht erinnern Sie sich ja an die Unsicherheiten am Anfang Ihrer Beziehung. Sicherlich war das nicht nur eine angenehme Zeit. Wenn Sie noch einmal zurückblicken, war diese Zeit nicht nur angefüllt von glücklichen Momenten voller Herzklopfen und Schmetterlingen. Sind Sie sicher, dass Sie es noch einmal ertragen, stundenlang auf eine Nachricht zu warten oder nach einer Woche Funkstille plötzlich festzustellen, dass Sie sich eigentlich nur missverstanden haben? Wenn Sie eine gesunde Streitkultur haben, kann dies ein wichtiger Punkt sein und die Beziehung retten.
Liegt es vielleicht auch an Ihnen?
Oft projizieren wir unsere eigene Unzufriedenheit auf die Menschen, die uns nahestehen. Das verhindert, dass wir uns mit unseren eigenen Problemen auseinandersetzen (müssen). Wer beispielsweise mit dem Berufsleben unzufrieden ist und gerne dem Chef die Meinung sagen möchte, kommt mit schlechter Laune nach Hause und lässt diese an der Person aus, die eigentlich gar nichts dafür kann: dem Partner. Oder auch der klassische Fall, wenn einer der Partner unzufrieden mit dem eigenen Aussehen ist. Oft erwartet diese Person dann vom Gegenüber, dass diese/r das Selbstbewusstsein aufpeppt und Komplexe durch Komplimente verringert. Aber dieses Verhalten ist wie ein Fass ohne Boden. Denn Minderwertigkeitsgefühle, egal ob Sie sich ums Aussehen oder um andere Eigenschaften drehen, können nicht durch eine andere Person aufgelöst werden.
Wenn Sie nun ins Grübeln kommen und vielleicht ähnliche Situationen kennen: Tauchen Sie tiefer! Kein Mensch kann diese Unzufriedenheit lösen - außer Sie selbst. Und alles, was bisher ungeklärt war, werden Sie auch mit in die nächste Partnerschaft nehmen und auch hier nach einiger Zeit Ihr Unwohlsein auf den Partner projizieren.