Trennung ist das eine, Scheidung das andere
Sich streiten, das kann an sich jeder. Besonders, wenn es um die Auseinandersetzung mit dem Ehepartner geht. Dazu genügt es, Frust, Ärger und Enttäuschung hinauszulassen. Noch streitbeladener ist die Auseinandersetzung bei Trennung und Scheidung. Schwieriger ist es hingegen, sich nach der Trennung trotz aller emotionaler Gegensätze auf einen Weg zu verständigen, den Sie gemeinsam mit Ihrem Ehegatten gehen, um die Trennung und Scheidung zu bewerkstelligen. Immerhin geht es jetzt um Ihre eigene persönliche Zukunft. Der Schlüssel dorthin heißt einvernehmliche Scheidung. Im Idealfall haben Sie davor bereits die einvernehmliche Trennung vollzogen, doch auch eine ursprünglich streitige Trennung kann noch zu einer einverständlichen Ehescheidung werden. Schließlich müssen Sie zunächst, in der Regel, noch das Trennungsjahr vollziehen.
Was ist eigentlich eine einvernehmliche Scheidung?
Wenn es heißt „einvernehmlich“, ist eigentlich schon angedeutet, um was es dabei geht. Es geht darum, die Scheidung und die sich aus der Scheidung für beide Ehegatten ergebenden Konsequenzen im gegenseitigen Einvernehmen und möglichst ohne streitige Auseinandersetzung zu regeln. Es gibt zwei Wege, eine Scheidung ins Ziel zu führen. Der eine Weg ist die streitige Scheidung, bei der Sie sich mit Ihrem Ehepartner über die Voraussetzungen der Scheidung an sich streiten und möglicherweise über Jahre hinaus miteinander vor Gericht prozessieren. Das Ergebnis ist selten kalkulierbar und endet erfahrungsgemäß für beide Parteien oft im Desaster.
Zugegeben: Es ist einfach, mal eben zu empfehlen, Sie sollten die streitige Scheidung möglichst vermeiden und die einvernehmliche Scheidung realisieren. Gerade wenn es um die Scheidung geht, kochen die Emotionen hoch. Vielleicht geben Sie sich gegenseitig die Schuld daran, dass Ihre Ehe gescheitert ist. Gegenseitige Vorwürfe ändern aber nichts daran, dass die Scheidung ansteht und durchgeführt werden soll. Sie sollten sich eingestehen, dass es wesentlich zweckmäßiger ist, wenn Sie die Gegebenheiten akzeptieren. Sie sollten sich insbesondere eingestehen, dass Ihre Ehe gescheitert ist und damit die Voraussetzungen für einen Scheidungsantrag vorliegen.
Wie läuft eine einvernehmliche Scheidung ab?
Können Sie sich mit Ihrem Ehepartner auf die einvernehmliche Scheidung verständigen, genügt es, wenn ein Ehepartner den Scheidungsantrag bei Gericht stellt. Der andere Ehepartner stimmt dem Scheidungsantrag dann lediglich zu und stellt bei Gericht keine eigenen Anträge. Da der Antrag nur über einen zugelassenen Anwalt beim Gericht eingereicht werden kann, genügt es, wenn nur ein Rechtsanwalt mit der Durchführung der Scheidung beauftragt wird und dieser Rechtsanwalt den Scheidungsantrag beim Gericht einreicht. Dafür benötigen Sie in der Regel die gleichen Unterlagen wie für die herkömmliche Scheidung. Sie brauchen lediglich einen Anwalt zu bezahlen.
Der andere Ehepartner, der dem Scheidungsantrag zustimmt, benötigt keinen eigenen Rechtsanwalt. Idealerweise teilen Sie sich die Kosten, die für die Gerichts- und Anwaltsgebühren anfallen. Wenn Sie den Weg der einvernehmlichen Scheidung wählen, dürfen Sie damit rechnen, dass das Familiengericht besonders zügig einen Termin zur mündlichen Verhandlung über Ihren Scheidungsantrag anberaumt und in diesem Termin auch die Scheidung beschließen kann. Sich einvernehmlich scheiden zu lassen kürzt also das Scheidungsverfahren zeitlich ab. Um möglichst schnell eine Einigung herbeizuführen, sollten Sie sich mit Ihrem Ehepartner verständigen. Es kommt Ihnen beiden zugute, wenn Sie die Folgen der Scheidung klären können. Haben Sie Probleme miteinander zu kommunizieren, können Sie eine Mediation in Anspruch nehmen.
Einvernehmliche Online-Scheidung
Sie können auch den Weg der Online-Scheidung wählen und das Scheidungsverfahren zusätzlich beschleunigen. Bei der dieser Variante kontaktieren Sie den Anwalt online, kommunizieren digital, können aber jederzeit telefonisch mit ihm in Kontakt treten und eventuelle Fragen persönlich mit ihm besprechen. Auf jeden Fall sparen Sie sich die oft mühevolle Suche nach einem geeigneten Familienrechtsanwalt und brauchen auch nicht in dessen Büro vorstellig zu werden. Der Rechtsanwalt wird für Sie den Scheidungsantrag beim Familiengericht einreichen und Sie im mündlichen Verhandlungstermin vor dem Familiengericht vertreten. Die einvernehmliche Scheidung und die Online-Scheidung sind genauso anerkannt wie eine streitige Scheidung. Am Ende steht der Scheidungsbeschluss und Sie sind geschieden. Die Art, wie Sie das Scheidungsverfahren betreiben, wirkt sich nicht darauf aus, wann die Scheidung rechtskräftig wird. Der Beschluss wird rechtskräftig, wenn keine Rechtsmittel mehr eingelegt werden können. Wird im Gerichtstermin wirksam ein Verzicht erklärt, ist der Scheidungsbeschluss sofort rechtskräftig.