Vielleicht hat Ihr Partner gute Gründe, dass er kein Kind wünscht. Sie sollten versuchen, die Situation objektiv zu analysieren. Nur dann werden Sie überhaupt in der Lage sein, sich mit den Gegebenheiten sachgerecht und zielführend auseinanderzusetzen. Alles andere wäre reines Wunschdenken. Eine Trennung, allein deshalb, weil der Partner kein Kind möchte, wäre eine vorschnelle Lösung, die Sie im Nachhinein sich selbst gegenüber vielleicht nicht mehr rechtfertigen könnten. Vor einer möglichen Trennung sollten Sie sich also der Mühe einer fundierten Entscheidungsfindung unterziehen.
Typischerweise kommen folgende Gründe in Betracht:
- Ihr Partner möchte nicht, dass sein Kind in eine Welt hineingeboren wird, in der scheinbar zunehmend das Chaos, Verantwortungslosigkeit und die Angst regiert, dass die Welt unregierbar wird, jeder sich selbst der nächste ist und sich die Menschheit vielleicht selber atomisiert.
Ihr Gegenargument: Jedes Zeitalter und jede Generation hat ihre Herausforderungen. Alle diese Herausforderungen wurden noch immer irgendwie bewältigt. Die Evolution scheint darauf angelegt zu sein, die Menschheit vor ständig neue Aufgaben zu stellen, hält aber für alles Lösungen bereit. Wer keine Kinder in die Welt setzt, resigniert vor sich selbst und gibt der Zukunft keine Chance.
- Ihr Ehepartner hat Angst vor der finanziellen Verantwortung, die ein Kind mit sich bringt. Laut einer Studie des statistischen Bundesamtes kosten Kinder bis ins sechste Lebensjahr 6000 EUR im Jahr, bis zum zwölften Lebensjahr 7000 und bis zur Volljährigkeit etwa 8500 EUR im Jahr. Zusammengerechnet kommt man auf 130.000 EUR je Kind. Bis zum Abschluss des Studiums soll sich der Betrag auf ca. 230.000 EUR summieren. Wenn Sie das Kindergeld in Höhe von etwa 55.000 EUR gegenrechnen, verbleibt immer noch ein Betrag, der ein Kind nicht gerade als Kapitalanlage erscheinen lässt.
Ihr Gegenargument: Kinder mit Geld aufzurechnen klingt zynisch. Jeder Mensch, der auf der Welt ist, hat seinen eigenen Eltern genau diese Last aufgebürdet und sollte bereit sein, auch selbst diese Last zu übernehmen. Eltern seien und Kinder zu bekommen ist letztlich ein Generationenvertrag. Wer im Alter auf Hilfe und Pflege angewiesen ist, dürfte froh sein, wenn er Kinder hat, die ihm zur Seite stehen. Nicht zuletzt sind Freude, Stolz und Gewinn, den Kinder ihren Eltern bereiten (sollten), ungemein höher als der Kostenaufwand, den die Eltern in Erziehung und Betreuung investieren müssen.
- Ihr Partner hat Angst vor der Verantwortung. Ein Kind in die Welt setzen, es unterhalten und zu erziehen, bedeutet, dass Sie sich als Elternteil rund um die Uhr dafür engagieren müssen, dass es Ihrem Kind gut geht. Muss Ihr Partner befürchten, dass er irgendwann vielleicht einmal arbeitslos wird, könnte er echte Angst davor haben, das Kind in eine ungewisse Zukunft zu führen.
Ihr Gegenargument: Verantwortung muss man sich stellen. Es ist normal, dass man sich anfangs überfordert fühlt. Schließlich wird Elternsein nicht in der Schule gelernt oder gelehrt. Mit der Herausforderung wächst der Mensch. Auch wenn Arbeitslosigkeit droht, gibt es immer Perspektiven, dass Eltern die Familie durch schwierige Zeiten führen. Wer negativ denkt, denkt auch destruktiv. Wenn hingegen positiv denkt, findet meist auch einen konstruktiven Weg zu einer Lösung.
- Ihr Partner fürchtet, dass sich Ihre Beziehung zu seinen Lasten verändert. Vielleicht erscheint Ihrem Partner ein Kind wie ein Eindringling in Ihre Trautsamkeit. Er möchte Sie und Ihre Zuneigung nicht mit einem Kind teilen müssen.
Ihr Gegenargument: Die Liebe zum Partner findet ihren Ausdruck mithin darin, dass ein gemeinsames Kind Zeuge wird, wie bedeutsam die Beziehung ist. Die Liebe zum Kind ist etwas anderes als Liebe zum Partner. Ein Kind rundet die Familie ab und schafft den Raum, in dem sich Eltern und Kind aufgehoben fühlen und ein erfülltes Leben führen. Die Liebe zum Kind sollte der Liebe zum Partner also keinen Abbruch tun.
- Ihr Partner befürchtet, dass er die Aufmerksamkeit und Betreuung, die ein Kind benötigt, nicht mit Beruf und Karriere in Einklang bringen kann. Wer rund um die Uhr im Beruf engagiert ist, hat vielleicht kaum noch die Geduld und die Kraft, die er in ein Kind investieren müsste.
Ihr Gegenargument: Natürlich kann es so sein, dass Ihr Partner im Beruf gefordert wird und keine Chance hat, ein Kind in seinen Alltag zu integrieren. Dann könnte der Ausweg darin bestehen, dass Sie das Kind weitgehend betreuen und den Partner weitgehend entlasten. Gerade, wer beruflich über Maßen angespannt ist, kann in einem Kind einen Weg finden, der dem Leben außer der Arbeit noch einen anderen und viel tieferen Sinn gibt als alles andere.






