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Scheidungskosten - 6 wichtige Fragen und Antworten

Es soll Paare geben, die sich trennen und es bei der Trennung belassen. Sie scheuen die Scheidungskosten. Diese Befürchtung ist insoweit richtig, als die Scheidungskosten erheblich sind, wenn Sie sich aus Anlass der Scheidung nicht einig sind und über die Voraussetzungen der Scheidung und Scheidungsfolgen streiten. Dabei gibt es überzeugende Ansätze, gerade die Scheidungskosten auf einem minimalen Niveau zu halten. Sie müssen nur wissen, wie.

Das Wichtigste

  • Die Scheidungskosten für Gericht und Anwalt berechnen sich nach dem Verfahrenswert Ihrer Scheidung. Maßgeblich ist das dreifache Nettomonatseinkommen beider Ehegatten.
  • Vermögenswerte werden nach Abzug von Verbindlichkeiten und Abzug bestimmter Freibeträge mit ca. 5 % berücksichtigt.
  • Streitige Scheidungsfolgen regelt das Gericht im Scheidungsverbund im direkten Zusammenhang mit der Scheidung.
  • Wenn Sie im Moment Geringverdiener sind oder hohe Schulden begleichen müssen, haben Sie eventuell Anspruch auf die sogennate Verfahrenskostenhilfe (VKH).
  • Sie können Ihre Scheidungskosten niedrig halten, wenn Sie die einvernehmliche Scheidung mit nur einem einzigen Rechtsanwalt betreiben.
  • Regelungsbedürftige Scheidungsfolgen können Sie in einer Scheidungsfolgenvereinbarung festschreiben und vermeiden damit erhebliche zusätzliche Scheidungskosten.

Der Verfahrenswert macht den Unterschied

Die Scheidungskosten hängen vom Verfahrenswert ab (Streitwert). Der Verfahrenswert errechnet das Gericht aus Ihrem Einkommen, Ihrem Vermögen und, wenn Sie sich gerichtlich auch über Scheidungsfolgesachen streiten, aus dem Verfahrenswert dieser Folgesachen. Nach diesen Verfahrenswerten richten sich die Höhe der Gerichtskosten und Ihre Anwaltskosten. Sie sehen schon: Je höher Ihr Einkommen und die intensiver Ihre gerichtliche Auseinandersetzung, desto höher sind die Scheidungskosten.

Praxisbeispiel:

Sie verdienen 2.000 € netto im Monat. Ihr Ehepartner verdient 1.500 € netto im Monat. Der Verfahrenswert für Ihre Scheidung berechnet sich auf der Grundlage Ihres Gesamteinkommens von 3.500 €. Das Gericht multipliziert diesen Betrag mit drei. Daraus ergibt sich ein Verfahrenswert von 10.500 €.

Nach Maßgabe dieses Verfahrenswerts berechnet Ihr Anwalt für den Scheidungsantrag „1,3 Verfahrensgebühr“ und für die Vertretung im Scheidungstermin „1,2 Terminsgebühr“. Daraus ergibt sich ein Anwaltshonorar von ca. 1.820 €. An Gerichtskosten fallen ca. 534 € an. Ihre Scheidungskosten betragen insgesamt ca. 2.354€.

Welche Rolle spielt mein Vermögen?

Ihre Vermögenswerte (Immobilie, Bargeld) werden meist mit einem bestimmten Prozentsatz (ca. 5 %) berücksichtigt und erhöhen den Verfahrenswert der Scheidung. Von den Beträgen dürfen Sie Verbindlichkeiten abziehen (Immobiliendarlehen). Zudem hat jeder Ehegatte einen Freibetrag, den die Gerichte unterschiedlich, meist um 15.000 und höher, je Ehegatte ansetzen. Für Kinder gibt es Freibeträge von ca. 7500 €.

Praxisbeispiel:

Sie besitzen eine Immobilie im Wert von 100.000 €. Das Haus ist mit 60.000 € Bankdarlehen belastet. Es verbleibt ein anzusetzender Wert von 40.000 €. Davon sind für jeden Ehegatten je 15.000 € Freibeträge abzuziehen. Von den verbleibenden 10.000 € werden 5 % = 500 € auf den Verfahrenswert der Scheidung hinzugerechnet.

Was ist die Scheidung im Verbund?

Sofern Sie Ihre Scheidung und die Folgesachen zusammen abhandeln möchten, gelten alle Verfahren als ein Verfahren. Sie werden im „Verbund“ entschieden. Daraus ergibt sich immerhin der Vorteil, dass nicht für jedes einzelne Verfahren eigenständige Gebühren berechnet werden, sondern der Verfahrenswert der Scheidung um den Verfahrenswert der jeweiligen Folgesache erhöht wird. Machen Sie eine Folgesache erst bei Gericht anhängig, wenn die Scheidung ausgesprochen ist, gilt die Folgesache als eigenständiges Verfahren, für das eigenständig Gerichts und Anwaltsgebühren anfallen. Sie zahlen dann also über die Scheidungskosten hinaus weitere Gebühren.

Welche Verfahrenswerte gelten für Folgesachen?

Wenn Sie den Versorgungsausgleich nicht durch einen Ehevertrag geregelt haben und das Gericht von Amts wegen den Versorgungsausgleich durchführt, erhöht sich der Verfahrenswert mindestens um weitere 1000 € bzw. 10 % des Betrages eines jeden Versorgungsanrechts. Streiten Sie sich um den nachehelichen Unterhalt, kommt ein weiterer Verfahrenswert in Höhe des Jahresbetrages des geforderten Unterhalts hinzu. Fordern Sie den Zugewinnausgleich, berechnet das Gericht einen weiteren Verfahrenswert in Höhe des geforderten Betrages. Der Verfahrenswert, der sich dann insgesamt ergibt, ist die Grundlage, auf der das Gericht nach Maßgabe des Gerichtskostengesetzes und Ihr Rechtsanwalt nach Maßgabe des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes die Gebühren berechnen.

Wie kann ich die Scheidungskosten niedrig halten?

Sie können sich all diese komplizierten Berechnungen weitgehend sparen, wenn Sie sich mit Ihrem Ehepartner darauf verständigen, sich einvernehmlich scheiden zu lassen. Es genügt, wenn Sie allein einen Rechtsanwalt beauftragen, den Scheidungsantrag beim Familiengericht einzureichen. Es werden dann lediglich die Gerichts- und Anwaltsgebühren für diesen Scheidungsantrag und ggf. den Versorgungsausgleich berechnet. Wenn Sie dann zugleich auf eine gerichtliche Auseinandersetzung wegen irgendwelcher Scheidungsfolgen verzichten, fallen keine weiteren Scheidungskosten an. Vor allem benötigen Sie nur einen einzigen Rechtsanwalt. Ihr Ehepartner stimmt bei der einvernehmlichen Scheidung Ihrem Scheidungsantrag nur zu und braucht keinen eigenen Antrag bei Gericht zu stellen. Dies ist der entscheidende Vorteil der einvernehmlichen Scheidung. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Gerichte bei einer einvernehmlichen Scheidung den eigentlichen Verfahrenswert um bis zu 30 % herabsetzen können. Damit reduzieren Sie Ihre Scheidungskosten zusätzlich.

Was ist mit Unterhalt, Zugewinnausgleich und anderer Folgesachen?

Möchten Sie Ihren nachehelichen Unterhalt und den Zugewinn oder irgendeine andere Folgesache trotzdem geregelt wissen und eine gerichtliche Auseinandersetzung mit Ihrem Ehegatten vermeiden, können Sie eine Scheidungsfolgenvereinbarung treffen. In einer solchen Scheidungsfolgenvereinbarung regeln Sie alles, was Sie aus Anlass Ihrer Scheidung und im Hinblick auf bestimmte Scheidungsfolgen für regelungsbedürftig erachten. Eine Scheidungsfolgenvereinbarung sollten Sie notariell beurkunden oder im mündlichen Scheidungstermin zu Protokoll des Gerichts geben. Sie ist dann für beide Parteien rechtsverbindlich und kann notfalls auch über den Gerichtsvollzieher zwangsweise vollstreckt werden. Haben Sie beispielsweise die Scheidungsfolge Unterhalt in einer Scheidungsfolgenvereinbarung geregelt, brauchen Sie Ihren Unterhalt nach der Scheidung nicht mehr gesondert gerichtlich einzuklagen, falls sich Ihr Ehepartner weigert, den vereinbarten Unterhalt zu zahlen.

Fazit

Die Berechnung der Scheidungskosten ist komplex. Ihr Anwalt wird Sie beraten. Sie können Ihren entscheidenden Beitrag jedoch leisten, indem Sie die Scheidung einvernehmlich betreiben und eventuelle Scheidungsfolgen in einer Scheidungsfolgenvereinbarung außergerichtlich regeln.

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