Wir alle werden so erzogen, dass wir es für etwas Gutes halten zu kämpfen. Nicht unbedingt im physischen Sinne, aber wer vieles auf sich nimmt und erträgt und lieber die Zähne zusammenbeißt als aufzugeben wird als Held betrachtet. Daran ist grundsätzlich nichts Verkehrtes. Auch in zwischenmenschlichen Beziehungen sind Kämpfer gefragt und bewundernswert. Aber die Frage ist: Wofür wird gekämpft? Gibt es irgendwann einen Sieg? Kann es ihn überhaupt geben?
Ist man wirklich der Ritter, der auf einer heiligen Mission ist, um seine Liebe zu retten oder ist man nur jemand, der stoisch und tatenlos einen Schlag nach dem anderen erträgt, ohne zu murren? In einer Ehe, in der im Grunde schon alles (vergeblich) versucht wurde, ist wahrscheinlich Letzteres der Fall. Das dauernde Kämpfen und Durchhalten kann zur Falle werden. Irgendwann erlahmen Ihre Kräfte und Sie werden schwer unglücklich oder gar depressiv.
Menschen sind in Beziehungen leidensfähiger als sie glauben. Wer darauf hofft irgendwann sowieso zu gehen, wenn es sich gar nicht mehr aushalten lässt, hat sich geschnitten: Wer passiv bleibt, kann mitunter bis zum totalen Zusammenbruch warten, bevor seine Ehe in die Brüche geht. Und dann hat er ein unkontrolliertes Ende vor sich. Mit allen Konsequenzen, die das hat.
Um diesen Horror aufrechtzuerhalten, werden die verschiedensten Argumente benutzt. Die meisten davon sind aber völlig haltlos.





