Partner weiß immer alles besser

Zuletzt aktualisiert am: 06.07.2026

Im Ratequiz ist im Vorteil, wer viel weiß. Wer aber seinen Partner oder seine Partnerin ständig korrigiert, kritisiert oder mit langen Erklärungen nervt, wird schnell als Besserwisser oder Rechthaber empfunden. Im Neudeutschen gibt es dafür neuerdings den Begriff des „Mansplaining“ (vom englischen „explain“ abgeleitet: „wenn der Mann etwas erklärt“) und „Womansplaining“. Wie gehen Sie damit um, wenn der Partner immer alles besser weiß und im ungünstigsten Fall sogar Ihre Beziehung auf dem Spiel steht? 

 

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Was bedeutet Partnerschaft?

Schaubild

Leben Sie in einer Beziehung, ist wesentliche Voraussetzung, dass beide Partner möglichst auf der gleichen Ebene miteinander kommunizieren. Der gegenseitige Respekt vor der Persönlichkeit des anderen gebietet, sich nicht zu erhöhen, indem man ständig zum Ausdruck bringt, dass man ja alles besser weiß als er oder sie und deshalb das Recht hat, den Partner zu belehren. Die Gleichberechtigung beider Partner wird dadurch in Frage gestellt. Der belehrte Partner kommt sich vor wie in der Schulstunde, in der der Lehrer den Kindern die Welt erklärt.

 

Die Soziologin Rebecca Solnit darüber ein Buch geschrieben: „Wenn Männer die Welt erklären“ und sich darüber ausgelassen, welche Ursachen Mansplaining hat und wie Frau dem Gehabe begegnen kann. Allerdings dürfte das Problem kein ausschließlich männerspezifisches Problem sein. Man sollte anerkennen, dass auch Frauen glauben, vieles besser zu wissen (Womensplaining), auch wenn sich in der Thematik vielleicht die Männer besonders hervortun.

Warum gibt es Besserwisser?

Menschen, die rechthaberisch auftreten, gibt es überall. Im Beruf, im Freundeskreis, im Fußball und natürlich auch in der Beziehung zwischen Partnern. Die Besserwisserei ist in der Beziehung zwischen Partnern insoweit besonders schwerwiegend, als die Partner riskieren, dass ihre Beziehung nicht mehr durch Partnerschaftlichkeit und Gleichberechtigung gekennzeichnet ist, was für den unterlegenen Partner unbefriedigend bis unerträglich sein kann. Beharrliches Besserwissen kann sich durchaus als Beziehungskiller erweisen.

 

Tritt in der Beziehung der Mann als Besserwisser hervor, könnten die Gründe darin liegen, dass Männer vielleicht einem genetisch bedingten Beschützerinstinkt folgen, der sich bewusst oder unbewusst darin äußert, dass er ihr die Welt erklärt. Männer zeigen sich oft hilfsbereit und glauben, der Frau die Mühe abnehmen zu müssen, für eine Frage oder ein Problem selbst eine Lösung zu finden.

 

Ist es umgekehrt so, dass die Frau alles besser weiß, können die Gründe darin liegen, dass sie sich gegenüber dem womöglich selbst besserwisserischen Mann behaupten möchte. Sie will ihm beweisen, dass sie durchaus „ihren Mann stehen“ kann, wenn es darauf ankommt und dass ihr auch dann etwas einfällt, wenn sich auf den ersten Blick keine brauchbare Lösung abzeichnet. Das vermeintlich schwache Geschlecht zeigt Stärke und beansprucht einen gleichberechtigten Platz in der Partnerschaft.

Praxisbeispiel

Buchempfehlung

Vielleicht lesen Sie das von dem Mann Allan und der Frau Barbara Pease geschriebene Buch: “Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“. Hier finden Sie „ganz natürliche Erklärungen für unerklärliche Schwächen“. Auch das Phänomen, vieles besser zu wissen als der andere, findet darin Erwähnung. Die Kenntnis dieser Vielzahl zusammengetragener Details in menschlichen Beziehungen kann helfen, zu verstehen, wie der Partner oder die Partnerin denkt und fühlt und wie damit umzugehen ist.

Sind Besserwisser ernst zu nehmen?

Wer in der Beziehung immer alles besser weiß oder glaubt, alles besser zu wissen, führt bewusst oder unbewusst den Partner auf eine Ebene, die unter der eigenen Ebene liegt. Er/sie riskiert, dass der Partner darunter leidet, sich nicht gleichberechtigt und nicht als gleichwertig anerkannt fühlt. Das Problem ist oft, dass der Besserwisser selbst gar nicht merkt, was er anrichtet. Er fühlt sich herausgefordert und teilt sein Wissen mit bestem Gewissen und besten Absichten mit. – „Liebling“, sagt etwa der Mann im Auto zu seiner Frau, die am Steuer sitzt: „Hier kannst Du durchaus etwas schneller fahren!“ – Die Gattin ärgert sich und fühlt sich vielleicht gedemütigt.

 

Ein Besserwisser übersieht diese Wirkung seines Benehmens. Dadurch, dass die besserwissende Person dem Partner ihr Wissen aufdrängt, gibt sie dem Partner das Gefühl, das sie in der Beziehung der einzige Mensch ist, der konstruktiv denkt und führen kann.

 

Eine andere Art von Besserwisserei liegt vor, wenn der Besserwisser glaubt, der gelangweilte Partner würde sich für die langen und oberlehrerhaften Erklärungen und Vorträge interessieren, die er ungefragt z. B. über aktuelle Parteipolitik oder die zweite Liga der Bundesliga vom Stapel lässt. Hier wird es erst dann gefährlich, wenn sich die Kommunikation der Partner überwiegend aus solchen Monologen zusammensetzt und gewöhnliche Gespräche kaum noch möglich sind.

Wie ist mit Besserwissern umzugehen?

Letztlich sind wir alle nur Menschen. Niemand ist perfekt. Insoweit sollte man die Thematik nicht überstrapazieren. Schließlich macht die Dosis das Gift. Aus Sicht des Besserwissers ist es so, dass er dem Partner nicht schaden will und fest daran glaubt, sich gerade jetzt äußern zu müssen. Vielleicht will er helfen und dem Partner die Last abnehmen, für ein Problem eine Lösung zu finden oder will ihm ersparen, bei Google aufwendig recherchieren zu müssen. Eine kritische Grenze ergibt sich dort, wo es nicht mehr allein darum geht, eine Aufgabe zu bewältigen, sondern wo der Besserwisser alles an sich reißt und den Partner praktisch davon ausschließt, sich selbst am Finden der Lösung zu beteiligen – weil er ja keine Ahnung habe. Noch gefährlicher ist diese Situation, wenn es sich um ein Familienproblem handelt, das z. B. die Kinder betrifft und wo eine Entscheidung immer einhellig getroffen werden sollte.

 

Insgesamt sollte der Partner, der sich durch die Besserwisserei des anderen zurückversetzt oder angeödet fühlt, nichts überbewerten. Wer den Partner und seine Schwäche kennt, sollte diese einordnen können und wissen, dass wahrscheinlich nicht beabsichtigt ist, die eigene Persönlichkeit in Frage zu stellen. Das Fass läuft aber definitiv über, wenn der Besserwisser für sein mitgeteiltes Wissen Dankbarkeit erwartet oder erwartet, dass seine guten Ratschläge bedingungslos umgesetzt werden. Zeigt sich der Besserwisser dann verärgert oder zurückgewiesen, ist Vorsicht angeraten. Dann gilt es, das eigene Verhalten so einzurichten, dass dem Besserwisser vor Augen geführt wird, dass er sein Wissen besser für sich behalten oder seine guten Ratschläge neutral und nicht als Besserwisserei vortragen sollte.

 

Schwierig wird die Situation ebenfalls, wenn der Partner, der gerade belehrt wurde, eigene Vorstellungen hat, wie ein Problem zu lösen oder welches Know-how gerade gefordert ist. Beharrt dann jeder auf seinem Standpunkt, ohne dass ein Kompromiss möglich erscheint, könnte das anfangs unverfängliche Gespräch in Streit ausarten. Tritt die Situation häufig und fortdauernd ein, leidet die Beziehung und hat möglicherweise nur schlechte Perspektiven.

Ein guter Streit endet mit einer Einigung, nicht mit einem Sieg!
Voltaire (1634 – 1778)

Wie ist Besserwissern zu begegnen?

Möchten Sie dem Besserwisser etwas entgegensetzen, kann der Weg nur darin bestehen, das Problem aufzugreifen. Es empfehlen sich folgende Optionen: …

 

  • Bekunden Sie, dass Sie nicht belehrt werden möchten und den Anspruch haben, eigenständig etwas zu beurteilen oder zu entscheiden. Sie sind in der Beziehung Partner und bewegen sich auf einer gleichberechtigten Ebene.
  • Erklären Sie, dass Sie den Rat des Partners selbstverständlich schätzen und das Wissen des Partners gern in Anspruch nehmen, wenn Sie es wünschen.
  • Erkennen Sie offen an, dass Sie vielleicht durchaus dankbar sind, wenn der besserwisserische Partner auf Ihre Nachfrage hin sein Wissen offenbart. Sie stärken dessen Selbstbewusstsein und der Partner wird selbst die Erkenntnis haben, dass er sich nur äußern sollte, wenn er auch gefragt wird.
  • Kommentieren Sie die Äußerung des Besserwissers möglichst mit Humor. Vermeiden Sie, dass Sie den Partner frontal zurückweisen. – Ein ironisches „Was du immer alles weißt!“ ist besser als ein brüskes „Jetzt lass mich endlich mal in Ruhe mit deinen blöden Ratschlägen!“
  • Erklären Sie, dass es in Ihrer Ehe oder Beziehung eine Rollenverteilung gibt und Sie in Ihrem persönlichen Aufgaben- und Kompetenzbereich zwar gerne Hinweise und Informationen entgegennehmen, auf Ratschläge und besserwisserisches Gehabe aber verzichten möchten.
  • Möchten Sie dem Besserwisser in der Sache etwas entgegensetzen, könnten Sie selbst recherchieren und in sachlicher Art und Weise bestenfalls widerlegen, was der Besserwisser glaubt, besser zu wissen. Vermeiden Sie dabei, dass sich der Besserwisser provoziert fühlt und beleidigen Sie nicht. Es kann nicht darum gehen, dass Sie selbst als Besserwisser dastehen.

Alles in allem

Toleranz und Achtsamkeit untereinander sind die Gradmesser einer Beziehung. Wer die eigene Beziehung lebt und für sich Aufgaben- und Kompetenzbereiche beansprucht, sollte die Aufgaben- und Kompetenzbereiche des Partners genauso anerkennen und respektieren. Partner helfen und respektieren sich, versuchen aber nicht, sich über den anderen zu stellen.