Urlaub dient eigentlich der Erholung...
...so steht es im Bundesurlaubsgesetz. Eigentlich müsste dort auch stehen, dass Sie auf jegliche Streitigkeiten mit Ihrem Ehepartner verzichten und Stress und Streit vermeiden sollten. Oft ist die Wirklichkeit aber eine andere. Nach unbestätigten statistischen Erhebungen endete für 20 % der Frauen und 24 % der Männer der gemeinsame Urlaub in einer Trennung. Es genügen jetzt kleinste Anlässe, um ein Fass aufzumachen. Insbesondere Paare, die seit längerem ohnehin viel Zeit in derselben Wohnung zubringen mussten, laufen Gefahr, sich emotional zu entladen.
Wie kann man dem also vorbeugen?
Kompromisse beim gewünschten Reiseziel machen
Planen Sie Ihren Urlaub oder sind Sie bereits in den Urlaub gefahren, haben Sie es immerhin geschafft, sich auf das Ziel eines gemeinsamen Urlaubs zu verständigen. Das ist doch schon einmal eine gute Entscheidung. Um Stress und Streit möglichst zu vermeiden, sollten Sie sich vor Augen führen, mit welchen Erwartungen Sie eigentlich in den Urlaub fahren. Urlaub sollte Erholung sein und nicht unbedingt der Paartherapie dienen.
Oft sind es überzogene Wünsche, die den Ehepartner heraus- oder gar überfordern, dass daraus Stress und Streit entstehen. Es fängt oft schon damit an, dass ein Partner ans Meer, der andere in die Berge will. Bestehen Sie auf einem Urlaub am Meer, sollten Sie beherzigen, dass Ihr Partner sich nicht hundertprozentig wohlfühlt und Vorbehalte hegt. Sie können dies lösen, indem Sie zugestehen, im nächsten Jahr eben in die Berge zu fahren. Letztlich ist die Entscheidung für einen Urlaub oft ein Kompromiss. Haben Sie sich dann entschieden, sollten Sie alles dafür tun, diesen Kompromiss mit Leben auszufüllen. Freuen Sie sich trotz aller Vorbehalte auf Ihre freie Zeit und unterstützen Ihren Partner, dass er oder sie sich wohlfühlt. Nörgeln Sie nicht ständig herum. Akzeptieren Sie, dass der Partner vielleicht Sehenswürdigkeiten besichtigen möchte oder einfach nur den Wunsch hat, faul am Strand zu liegen.
Ist der Ehepartner berufstätig, sollten Sie anerkennen, dass er oder sie im Urlaub Ruhe sucht und wenig Interesse daran hat, den beruflichen Stress mit einem familiären Stress im Urlaub fortzuführen. Es kann vorteilhaft sein, den Partner zumindest im Urlaub zur Ruhe kommen zu lassen und erst danach in die Konfliktbewältigung familiärer Probleme einzusteigen.
Haben Sie Kinder, stehen naturgemäß sie im Zentrum von Urlaubsaktivitäten. Sie vermeiden Probleme, wenn Sie auch die Interessen Ihres Ehepartners einbeziehen und anerkennen, dass auch er oder sie Erholungsbedarf hat und die Chance haben sollte, wenigstens eine gewisse Zeit für sich selbst zu reservieren.
Reden offenbart Konfliktherde
Wichtig ist, dass Sie Ihren Urlaub nicht nur mit romantischen Gefühlen ausfüllen wollen, Das unbedingte Gefühl der Unbeschwertheit lässt Erwartungen unerfüllt bleiben. Manche Partner tendieren zu emotionalen Erwartungen, während wieder andere eher Aktivitäten in den Vordergrund stellen. Respektieren Sie diese Tendenzen. Gut ist, wenn Sie sich gegenseitig mitteilen, was Ihre Vorstellungen sind und darauf verzichten, die Vorstellung des anderen zu kommentieren oder gar zu kritisieren. Sollte Ihre Unterredung einen kritischen Punkt erreichen, kann es strategisch zweckmäßig sein, das Gespräch zu unterbrechen, Ruhe einkehren zu lassen, sich zu besinnen und emotional neu zu starten.
Auch im Urlaub braucht es Freiräume
Im Urlaub ist es so, dass Partner deutlich mehr Zeit miteinander verbringen, als sie es zu Hause in Anbetracht familiärer und beruflicher Verpflichtungen gewohnt sind. Verbrachten Sie aufgrund der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen 2020/21 ohnehin schon fast 24 Stunden am Tag gemeinsam, stellen Sie vielleicht fest, dass Sie sich gar nicht so viel zu sagen haben, wie Sie es sich erhofft haben. Gerade dann, wenn Sie sich Ihren Traumurlaub in den schönsten Bildern ausgemalt haben, entwickelt sich aus einer Enttäuschung oft ein Streitgespräch. Prüfen Sie für sich selbst und gestehen Sie sich ein, dass Ihre hochgesteckten Erwartungen über das Ziel hinausgeschossen sind. Je weniger Sie erwarten, desto weniger sind Sie enttäuscht und desto geringer ist das Konfliktpotenzial. Lassen Sie sich also gegenseitig Ihre Freiräume. Akzeptieren Sie, wenn Ihr Ehepartner am Strand liegt und Sie lieber den örtlichen Flohmarkt durchstöbern möchten.
Bedenken Sie, dass gerade im Urlaub oft alte Konflikte wieder ausbrechen, die Sie in Anbetracht Ihrer knappen Zeit des Alltags immer wieder in den Hintergrund geschoben haben. Wird ein solches Thema dann Tagesordnungspunkt, sollten Sie nicht erwarten, sofort in eine Diskussion einsteigen zu können und gleich die passende Lösung zu finden. Kleinigkeiten wie die unterschiedliche Auffassung zur Abrollrichtung von Toilettenpapier im Hotelzimmer können sich dann sehr schnell hochschaukeln.
Muss die Trennung wirklich sein?
Haben Sie das Gefühl, dass es Probleme gibt, sollten Sie auf frühe Warnzeichen achten. Oft entfernt sich ein Partner innerlich vom anderen, ohne dass er oder sie bereits an Trennung denkt.
Vielleicht sind Sie sich nicht sicher, ob Sie die Trennung wollen. Ein bloßer Streit, auch wenn er heftig ist, sollte jedenfalls kein Grund für eine Trennung sein. Gerade bei einer Trennung aus einer Laune heraus verpassen Sie ungenutzte Chancen. Suchen Sie möglichst das Gespräch. Legen Sie auf den Tisch, was Sie bedrückt und bedrängt. Hören Sie umgekehrt zu, was Ihr Partner zu sagen hat. Versuchen Sie nicht, seine Kritik emotionslos und uneinsichtig zu entkräften. Für einen Partner kann es besonders schmerzhaft und enttäuschend sein, wenn Sie ihm keinerlei Chance einräumen, an Ihrem Entscheidungsprozess teilzuhaben.